Apeldoorn - Midwinter Marathon am 07. Februar 2004 - "Apeldoorn ist nicht flach!"

Donnerstag, 12. Februar 2004


Für den 7. Februar 2004 war der Midwinter Marathon in Apeldoorn angekündigt. Da weder Schnee noch Stürme vorhergesagt waren, war das ein neuer Marathon, den man in Angriff nehmen konnte. Zudem waren die Temperaturen unter der Woche auf maximal 18 °C gestiegen, also Laufwetter in Shorts und T-Shirt. Jedoch schon die Fahrt nach Apeldoorn lehrte einen das Fürchten: Sturm und peitschender Regen im Käseland bei den Käsetretern. Ich sage, wenn es sein muß, auch schon mal Holländer - übrigens viel lieber als Niederländer. Zurück zum Wetter: Zum Glück hatte ich "kurz" und "lang" und Jacken und Mützen und Handschuhe eingepackt.

Übernachtung im Hostel neben dem Start. Dort nur Schwarze, Araber und jede Menge Osteuropäer, also offensichtlich Topleute, die nicht mal so wie ich Lahmei bei einem Marathon vorbeischauen: "Das kann ja lustig werden, lauter Flitzer hier". Beim Frühstück entdeckte ich am Nebentisch den Sieger des Münster-Marathons und seinen Kollegen, beide aus Polen. Leider war der Sieger weder auf deutsch noch auf englisch sehr redelustig und fragte nur "Organiser Münster?" Offensichtlich sehe ich nicht wie ein Läufer, sondern wie ein Veranstalter aus. Die Araber, die ich französisch anquatschte, stellten sich als Marokkaner und eher redselig heraus, die die 18 km-Strecke laufen wollten: "Marathon läuft man im April, nicht im Februar!" Nette Burschen, schnelle Flitzer, schicke Trainingsanzüge (so einen hätte ich auch gerne). Bei mir am Tisch saß Josef aus Oldenburg, der mit dem Touring-Fahrrad die Strecke von Oldenburg nach Apeldoorn in 8 Stunden bei Sturm und Regen und gegen den Wind bewältigt hatte. Aha, hier bin ich richtig, lauter Bekloppte.

Die Organisation und alles drum rum fand auf dem Gelände der niederländischen Armee statt. Folglich waren die Autos-auf-die-Parkplätze-Einweiser Soldaten. Zum einen hatten die keine Ahnung, wo was lief (es gab verschiedene Anlaufzentren für die unterschiedlichen Laufstrecken), zum anderen konnten die also wahrlich kaum Englisch. Aha, dieselbe Konfusion und "Begabung" wie bei der Bundeswehr. Ich sollte hier anmerken, daß ich Kriegsdienstverweigerer bin und kein Freund jeglicher Art von Militärischem.

Als ich nach einstündigem Herumirren auf dem Kasernengelände dann beinahe von einem roten VW-Golf mit Hamburger Kennzeichen überfahren wurde, wußte ich, daß ich auf dem richtigen Weg war. HaJo Meyer und Hartmut Feldmann grinsten sich eins aus dem Inneren des roten Golfs. Und dann kam mir noch Horst Preisler zu Fuß entgegen. Nach meinem "Hallo Horst"drehte er sich sogar um und gar mir die Hand. Woa, das muß ich in meinen Kalender reinschreiben.

Bemerkenswertes vor dem Lauf waren dann noch die Dixie-Toiletten, die zwar relativ sauber, aber voll im Wind oder eher Sturm standen. Auf dem berühmten Sitz Platz gefunden, fing das Ding an, je nach Böe in verschiedene Richtungen zu schaukeln. Bei einer Monsterböe hatte ich schon quasi mit meinem "normalen Leben" abgeschlossen, da das Häuschen sich in eine solche Schlagseite legte, daß ich dachte, das Ding kippt um und ich lande in dem besagten unsäglichen Loch mit der Brühe und Masse, in der ich elendiglich ersticken/ertrinken werde. Wer schon mal gesegelt hat, kennt das Gefühl, wenn das Boot dann doch nicht kentert, sondern sich noch mal aufrichtet. Nichts wie raus hier.

Nachdem dieses Abenteuer bestanden war, fing der Platzregen an und hörte nicht mehr auf bis 2 Minuten nach dem Start. Deshalb voll eingemummelt in lange Hosen und langes Hemd und noch Jacke drüber - viel zu warm, wie sich spät herausstellte, da der Regen aufhörte und sogar die Sonne rausguckte, wenigstens war der Wind geblieben, sonst hat man ja nichts mehr zum Meckern. Wir Schwaben wollen und müssen meckern, das liegt bei uns in den Genen und in der Erziehung.

Hartmut Feldmann und Peter Wieneke, der auch noch dazugekommen war, hatten mich ob der vorhandenen Wellen und Hügelchen im zweiten Teil des Marathons schon gewarnt. Deshalb eher langsamer Beginn. Ich weiß schon: "noch langsamer als sonst" - haha. Nach ein paar Kilometern lief einer an mir vorbei, der hatte einen blaues T-Shirt an: "Finisher Rodgau Ultra 2004" (oder so ähnlich). Den quatschte ich an. Tatsächlich er war am 31. Januar 2004 in Rodgau die 50 km gelaufen und nur wenige Minuten vor mir ins Ziel gekommen, Jürgen sein Name. Ein netter Knabe und hatte so mein Tempo drauf, also dranbleiben.

Plötzlich tobte rechts von mir einer mit gelben langen Hosen mit einem roten Streifen an uns vorbei. Ich rief noch: "Hey, Riesenschlappohr" - aber dieser wie entfesselt laufende Adonis stürmte weiter. Ich mit letzter Kraft hinterher. Es war natürlich "unser" Bernd Gaemlich. Er war zu spät angereist, hatte ein Paar unterschiedliche Schuhe an den Haxen (konnte in der Eile nicht die passenden zusammenfinden), war mit 5 Minuten Verspätung über die Startlinie gesaust und wollte jetzt Boden gut machen. Im Wesertunnel war noch sein oberstes Ziel gewesen: "ich muß vor Hans Powerschnecke bleiben" [was ihm übrigens nicht gelungen war/die Redaktion]. Damit dies nicht wieder der Fall sein würde, mußte ich an ihm dran bleiben. Er sah es bald ein, daß er mich so schnell nicht abschütteln konnte und dank seiner imposanten Gestalt einen zu guten Windschatten bieten würde.

Der oben erwähnte Jürgen schloß auf und nun als Trio segelten wir elegant dahin. Bis ca. km 20, als ich Jürgen wegschickte, da er "unter 4" laufen wollte (hat er mit 3:56 h auch geschafft). Bei Halbmarathon schickte Bernd mich plötzlich weg (hatte ich was Komisches gesagt? oder beim Kekseessen beim Stand km 20 zu sehr geschmatzt?), und so mußte ich alleine den Weg finden. Es ging kilometerlang ziemlich abwärts und logischerweise später wieder aufwärts. In einer zweiten Runde, die nur teilweise mit der ersten Runde übereinstimmte, kamen dann gemeine Wellen hinzu - rauf und runter und immer wieder. Irgendwo in den 30er kms stand Peter Wieneke an einem Stand und rief "Hallo Hans", als ich vorbeiraste. Das war auch schon das Interessanteste für den Rest des Laufes, der nach quasi 3 km downhill in einem letzten aufwärts-Endspurt endete.

Der Zustand und die Temperatur der Duschen ist natürlich auch immer erwähnenswert: Duschen in Kabinen und warm bis heiß. Hier noch, was ich in der Ergebnisliste alles fand:

R. Timmerman, M45 3:46:58
Hans-Joachim Meyer, M60 3:50:09
Hans Drexler, M50 4:12:02
Peter Wieneke, M50 4:13:22
Hartmut Feldmann, M50 4:16:23
Bernd Gaemlich, M40 4:31:02
Michael Alsworth, M50 4:35:59

Also, Zusammenfassung: Apeldoorn ist nicht flach, aber laufenswert; man muß nicht übernachten, da der Lauf um 12:00 Uhr anfängt; ich glaube aber, daß um Schlag 5 Stunden nach Start abgebaut wird.

Grüzi
Powerschnecke


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