Bad Pyrmont - Pyrmonter Classic und Landschafts Marathon am 24. Juli 2004 - "Powerschnecke in den Hügeln von Bad Pyrmont"

Montag, 26. Juli 2004


Bad Pyrmont, Hügel ohne Ende, rauf und runter Dutzende Male, der Schrecken aller plattfüßigen Flachlandkriecher. Affenzahn: “Ich hasse Hügel, aber Bad Pyrmont könnte ich mehrmals im Jahr laufen”. Woa, der Meister hat gesprochen und wie. Zweites Problem: irre heiß und noch irrer schwül, jedes Jahr. Affenzähnchens E-Mail: “Na, dann wirds hoffentlich nicht wieder so heiß - wie eigentlich immer so über 30 Grad circa - aber gucken wir mal - für mich zählt eh nur ankommen und glücklich sein (bei den Hügeln!) - aber unter 4 wäre schon ok - und das ist, glaube ich, auch immer ein Marathon dort - hihi - Grüße Affenzahn mit fehlendem Backenzahn” (Wieder eine in die Fresse gekriegt, häh? Freche Klappe gehabt, wa?).

“Ankommen und glücklich sein” - uuuuaaaa, da geht die Sonne überm Meer unter, die Eichhörnchen-Männchen küssen die Igel-Weibchen - ein Philosoph, ein Poet, ein zehntel Genie - unser Affenzahn - hey, Moment mal - was heißt hier “unser” - nein, meiner, meiner, meiner.

Victoria: “Wer war denn alles da?”. Endlose Liste, die vielen Gelben, die vielen zu den Gelben gehörend aber nicht in gelb und noch andere Chaoten, Sympathisanten, Marathon-Terroristen usw. Victoria: “Also das ist ein Marathon, da trifft man alle Verrückten wieder?” - “Yep, fast alle”. In Wagenkolonnen sind sie aus Kiel, Hamburg, Bremen (jaja, wir wissens jetzt, die Marder aus Brämen sind Deutscher Meister - Uli Schulte noch im Spurt in letzter Minute dabei) eingefallen. Die Hardcore-Jungs aus Hamburg haben noch am Donnerstag und Freitag Thomas Schiebels zweihundertsten, nicht Geburtstag, sondern Marathon, mit einem Bobbahn- und einem Hallenmarathon im Rahmen der Dräääsdener Tage zelebriert. Alles Irre hier, sagt der Irrenhauswächter.

Wir Schwaben können alles (außer Hochdeutsch, heißt es in der Werbung), was wir am besten können, ist sparen und jammern. Also muß mal wieder gejammert werden: “Ich werde einfach nicht schneller und bin immer so müde”. Nun kommt die unendliche feminine Weisheit zum Vorschein. Prinzessin: “Du läufst zuviel, weniger ist mehr, mach mal Pause”. 1 Minute später: “Warum 20 Jahre warten, bis Du den schwarzen Porsche 911 Carrera kaufst? Jetzt muß man leben”. Na was nu? jetzt rennen, wätza (schwäbisch), laufen, brettern, usw. oder in 2 Jahren? Fan No. 1 ist ebenfalls abgrundtief nützlich: “Campéon, Du läufst zuviel. Aber Campéon, das ist Dein Jahr, mach das Beste und Meiste daraus, wer weiß was nächstes Jahr ist!”. Okay, dann halt Pause am Freitag, jawohl zu Befehl. Muß mal Lachmaus dazu konsultieren (neue Figur im Panoptikum - demnächst mehr). Die Damen werden jetzt nicht mehr zu Trainingsplänen befragt. Ende Juli-August-Anfang September kommen die Power-Wochen (maximale Ausdauer benötigt) und dann im September-Oktober die Turbo-Wochen mit Wechsel auf Schnelligkeit - ojeoje. “No risk no fun”, wie schon die alten Römer sagten (thats a good one).

Zurück nach Bad Pyrmont (Autokennzeichen: HM für Hameln - Halbmarathon gibts hier nicht). Letztes Jahr gabs gratis Bullenhitze und Affenschwüle (sorry, war nicht zu umgehen) und eine 5plus-Zeit war keine Schande. Aber dieses Mal gehen just für diesen Tag die Temperaturen runter auf 20-22 ̊C und ein Wind bläst die Schwüle nach keine-Ahnung-wohin. Es soll erwähnt werden, dass die Pyrmonter aus unerfindlichen geheimen Gründen um 14 Uhr anfangen - prima für Ausschlafen und Anfahrt - ekelhaft im Hochsommer, war ja nicht.

Prinzessin Biene, Novizin in Bad Pyrmont, findet auch den Weg (typisch Frau? oder Westerwälder? einfach mal losfahren, die ungefähre Richtung ist klar, wozu braucht man einen Autotlas?) und beim Hochstapfen vom Parkplatz (“Marathon der kurzen und schönen Wege” könnte ein Werbe-Fuzzi proklamieren) entlang der Kur-Hauptfußgängerstraße mit noblen Anlagen (Wasser plätschert bergrunter, aus so Art Schachfiguren tönt sanfte Musik) wird schon mal auf die imposanten Hügel im Hintergrund aufmerksam gemacht: “Da oben sausen wir rum” - “Äh, das war nun ein taktischer Fehler, mir das jetzt zu zeigen”. Auch die Toiletten im Kurhaus sind nobel - man hätte schauen müssen, wie sie nach dem Einfall der Marathon-Heuschreckenplage ausschauen.

Start ist gleich Ziel, aber erst mal hoch hoch hoch. Auf dem Parkweg des Startgeheges kennen sich mehr oder weniger alle. Prinzessin: “In der Ausschreibung steht, kein Marathon für Anfänger. Ui, das wird happig, oder?” - “Hier gibts keine Anfänger, hier stehen zusammengezählt Tausende von Marathons herum. Erst mal ganz langsam und sachte loslegen.” Man hätte auch zu dem Baum da drüben quatschen können – was passiert? Vollgas, losbrettern, überholen. Keuch keuch: “Prinzessin, was haste heute vor?” - “Nichts geplant, einfach mal so los”. Es geht nämlich gleich gewaltig hoch und dann gleich voll in der Sonne - einiges an Schweiß wird sofort vergossen - zum Glück bremst ein 200 Meter-Gänselauf -einer-hinter-dem-anderen den Übermut mancher Flitzer. Dann kommt der Wald, in dem man für die nächsten 40 kms in verschiedensten Kehren und Schleifen und hin und her und nochmals zurück rumsaust - die Strecke kann man in der Ausschreibung so lange studieren, wie man will - einfach zu komplex, nicht zu kapieren - simpler ist es, den weißen Bodenpfeilen folgend anderen Dösbaddeln hinterhertrapsen.

Martin aus Braunschweig beschließt, sich als Klette an Powerschnägge zu hängen - äh, das mögen Schnecken aber gar nicht, solche Bremsläufer. Aber okay, solange Prinzessin in der Nähe ist, muß er sich benehmen und ist vorbildlich. So nach ca. 8 kms mischt sich ein ungefragter Nebenläufer beim Fallen des Wortes “Biel” ein. Er klärt erst mal Martin über die Biel 100 intensiv auf. “Da war ich vor 5 Wochen blahblahblah .... Es hat von 1 Uhr nachts bis 7 Uhr morgens geregnet, nein geschüttet ....” Prinzessin (jetzt Biel-Veteranin) setzt schon an, den Mund aufzumachen, aber ein Pst-Pst (Zeigefinger auf den Mund) läßt sie stumm bleiben und den Schwätzer weiter quasseln. “Und letztes Jahr waren es 40 Grad in den Felder”. Biene und Schnägge grinsen nur noch und müssen ein wenig zurückfallen, um nicht vor Lachen loszublustern. Woa, wie der Regen von 1-2 Stunden sich auf 6 Stunden dehnte und die 25 Grad zu 40 Grad wurden (muß ein anderes Biel gewesen sein) - so wie bei den Anglern die Fischer von Erzählen zu Erzählen immer größer und schwerer werden.

Dann ist es aber doch zuviel des Rumtrödelns und lahmen Gelatsches. Zu Prinzessin: “Ab km 10 gebe ich Gas. Ich warte auf Dich im Ziel. Halte mir die Klette vom Leib”. Beim Geniesen des Westerwäldler Charmes vergißt Martin das Klette-sein-wollen und quasselt wahrscheinlich Biene bis km 20 die Ohren voll. Okay, Problem gelöst - jetzt aber los, schließlich sollen es nicht wieder 5plus werden. In der Tat, ab km 10 wird Powerschnecke nicht mehr überholt - außer von zwei Übermütigen, die dann aber wieder eingefangen werden. Die besten “Vereinsbezeichnungen” sind, außer 100 Marathon Club natürlich, die “grünen Handschuhe”, die “dampfenden Socken” und ein “einsamer Wolf”.

Im Prinzip sind es zwei Runden, wobei die zweite ein paar extra Ecken und Schleifen aufweist. Die Stationen sind eigentlich meckerfrei - wieso eigentlich? Sie sind es in der Tat. Bei ca. km 20 kommt da so ein gelbes Hemd mit roten Streifen an der Seite daher-und-vorbei-gewieselt - es ist Hartmut Feldmann. Ja hey, so geht das nicht - dranbleiben. Dann noch ein Wagemutiger - Manfred Iser, ebenfalls aus Braunschweig, im durchsichtigen Negligee-Laufhemd und quer-durch-die-Wüste-Norddeutschlands-Hinterkopflappen-an-der-Kappe. Hartmut wird nach ein paar kms wieder eingefangen - aber Manfred ist zäh, sehr zäh.

Zuerst gehts aber ins Loch hinunter - eine Schleife mit einem tiefen Tiefstpunkt - sehr steil hinunter, aber länger wieder hinauf. Immer den alten Mann im Visier (Manfred ist schließlich 9 Monate älter - “Corega-Tabs-Fraktion” wie neulich ein Lümmel bei Steppenhahn den jugendlichen Powerschnecke betitulierte) - der entpuppt sich also Superzugläufer, absolutes Talent. Konrad Schwarz auf der Gegenlaufstrecke ruft schon von weitem: “Powerschnecke Powerschnecke” - “Keine Zeit, keine Zeit, ich muß den alten Mann da vorne kriegen.” Auch Il Capo, ders heut sehr gemütlich nimmt, brüllt schon von weitem - die haben alle noch Klasse Augensicht, diese Youngster. Manfred ist bekannt bei den Damen der Stationen (bei den älteren), die erinnern sich: “Cola und Wasser, gemischt, eimal reinspucken, mit dem Finger umrühren.” Endlich bei km 33 läßt sich Manfred in ein Gespräch verwickeln und er siehts ein, der Jugend den Vorrang zu lassen. Nee, bei der Herfahrt ist er auf dem Motorrad an der Ampel eingeschlafen, und alles fiel um, er drunter (oder so ähnlich), und jetzt tut der Rücken weh.

Nu gibts kein Halten mehr, den Schwung mitnehmen, ab km 35 gehts zumeist bergab, zum Teil rasant (“uuuaaa, wo sind die Auffangnetze wie beim Ski-Downhill?” - Torsten Schacht meint vor dem Lauf: “Einfach Leerlauf einlegen und rollen lassen” - wieder so ein Flachlandindianer). Aber es kommen noch saftige Wiederaufstiege - zum Schluß wird runtergezählt: noch 5 km, noch 4 km, noch 3 km, Ihr ahnt den Rest, oder? Zwischen 5 und 4 gehts noch mal granatenmäßig hoch und auch zwischen 3 und 2. Ab “noch 2000 Meter” heißts nur noch: “Aus dem Weg - weg da - ich kann die Bremsen nicht finden”. Einlauf die Kurpromenadenallee hinunter, in den Cafes rechts und links klatschen dezent die älteren Damen-auf-Kur und begutachten die Adonis-Körper der Läufer. Man kann, muß aber nicht, nochmals im Supersprintertempo einen Endspurt hinlegen, dass die Kieselsteine nur so fliegen (die Damen an den Tischen mögen das).

Keuch-schwitz-Kopf-dreht-sich-Beine-werden-schwach, sich-wo-hinplumpsen lassen - ah, da neben dem Sanitäterzelt. Frank Zimmermann liegt auf der Bahre, äh, Pritsche und kriegt ne Infusion, lächelt aber schon wieder (ist das nicht die chinesische Ausgabe von Playboy in seinen Händen?) - Affenzahn lehnt lässig an der Zeltstange, irgendwas Längliches im Mund: “Hey, Power, super-Zeit. Das war ja wieder ein geiler Lauf. Haste ordentlich getrunken?” - Keuch keuch: “Ja, ja, nur Cola und Wasser, 5 Liter” - “Haste ordentlich gefuttert?” - Keuch keuch: “Nee, nichts, halt, mindestens 100 Wassermelonenscheiben, super köstlich!” - “Ja, und die Schokolade mit Joghurt?” - “Nee, man muß ja auf die Figur achten, nicht wahr.” - “Richtig, unsere Linie muß stimmen - war aber fettarmer Joghurt.”

Fazit: laut Affenzahn ein affengeiler Lauf - gibts nichts zu meckern - total cool und lässig alles - kein Stress, keine Hektik, alles eingespielt und routiniert, null problemo - wirklich ein Muß im Juli, kein Weg führt am Bad Pyrmont Marathon vorbei.

Und das auch noch: Powerschnecke schüttelt jedem Freund im Ziel die Hand: HaJo Meyer (das Schlappohr hat wieder 2 Minuten Vorsprung, aber einmal, einmal ...), Jochen Hoier (wie immer eine Klasse für sich), Harald Petersen (das Kieler Auto) und begrüßt im Ziel per Handschlag die noch Reinkommenden: Manfred, Hartmut, Martin, Marianne Dahl, Jürgen Ranta (dem gings gar nicht gut), Dieter Wolf - eigentlich sollen alle noch begrüßt werden, aber als Prinzessin und Helmut Braun (der Mann braucht ringend ein neues Hemd zum um-die-Hüfte-binden) eintrudeln, wird erst mal für Trinken gesorgt (heiße Brühe, Iso, Cola, Apfelschorle, Wasser, Tee, Melonen, Bananen, Orangen, alles komplett paletti). Die Frauen erhalten eine gelbe Rose - wieso kriegen wir Einfallspinsel mit dem Y-Chromosom nichts? eklatante Diskriminierung! Es kommen noch Wolfgang Weitkämpfer (wieder nichts mit dranhängen gewesen, gell), Konrad, Christian, Torsten, Uli - und vermutlich noch andere. Horst Preisler und Wolfgang Schwabe werden auf dem Weg zu den Duschen (auch Note eins) noch getroffen. Wolfgang hat ne Kurzstory parat: einen Stein in den Schuh bei km 34 - Schuh ausziehen - Wahnsinns-Krampf - minutenlang auf hübsche Krankenschwester(n) warten - keine kommt - muß allein weiterlaufen. Warum das Gedöns mit den Freunden und Freundinnen? Nun, es ist ein besonderer Powerschnecken-Marathon, einer mit den Zahlen, die früher auf Klo-Häuschen standen und noch mit einer Zahl, die auf dem höchsten Siegertreppchen steht. An solch einen Marathon möchte man sich doch ganz besonders erinnern, oder nicht? Hat geklappt, Superzeit, Superwetter - und Super-Affenbande (wie Affenzahn sagen würde).

Ja: “Ankommen und Glücklich sein” - ausschneiden und an den Spiegel kleben.
Tja, Alfredissimo, wieder zu lang geworden - hey, pennst Du schon?

Grüzi
Powerschnegge
(alternative Schreibweise, geklaut von Hotzaplotza, Mitglied der Corega-Tabs-Fraktion)


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