Bottrop - 6. Bottroper Ultramarathon (50 km) am 07. November 2004 - "Powerschnecke in Bottrop"

Montag, 8. November 2004


Erstes Wochenende im November - wo läuft was? vielleicht zum Rursee-Marathon? “vielleicht” hört sich für zweimal 400 kms nicht so toll an. Was spuckt Steppenhahn aus? Bottrop Ultramarathon 50 km - und der Meister macht persönlich dicke Werbung (verdächtig! wo ist der Trick? droht sogar an mitzulaufen) - mal die Berichte lesen? nee lieber nicht, kann nur abschrecken. Aber wo zum Teufel ist wieder Bottrop? Bottrop (Autokennzeichen BOT) noch weit hinter Dortmund, geradeaus und dann zweimal links. Heiliger Bimbam, schon wieder Wecker *klingel raus Du faules Aas” (sprechender Wecker, hat noch andere Wörter parat) um 4 Uhr - Start um 9:15 Uhr (11 Uhr hätte es auch getan).

Man trifft Christof Otto, René Wallesch, Michael Turzinski - also ein 100 MC-Team steht schon mal - später kommt noch Heiner Schütte, auf den letzten Drücker, wie anders? Uli Schulte fährt mit Mini-Klappfahrrad an der Strecke auf und ab, hält den Weg frei: “Platz da, Platz da, jetzt kommt ... “. Hugh Hunter steht im Schottenrock vor der Startlinie - ihm den Schottenrock mal kurz angehoben, um die Damen dahinter zu erfreuen - drunter was, ja oder nein? (wird nicht verraten).

Start ist auf dem Bergwerksgelände Prosper-Haniel, ein aktives Bergwerk wird erklärt - es rennen unheimlich viele Leute mit DJK Adler Bottrop auf’m T-Shirt rum - DJK heißt sowas wie Deutsche Jugend Kraftfutter oder so Kram, erklärt einer, habe aber nix mit den Nazis zu tun - im Gegenteil der Gründer von diesem DJK-Dingsbums sei von denen umgebracht worden. Alles super organisiert, alles im Griff, ist auch schon der 32. Bottroper Herbstlauf (über 5,4 km, 10 km und 25 km) und der 6. Bottroper Ultramarathon über 50 km.

Fast alles sind Waldwege, ab und zu mal ein Fahrradweg oder um zwei Seen auf Kieswegen - nur eine Straße muß zweimal pro Runde überquert werden - zwei gleiche Runden à 25 kms. Die Stationen sind prima, das Gesöff ist ausreichend - eigentlich nur 4 Sorten: Wasser, Tee, Cola, Malzbier, aber genau richtig. Was nicht so toll ist, ist das “Wellige” - aber es ist eben ein Landschaftslauf. Zuschauer gibt’s außer den mitgeschleiften keine - die Sonntagsspaziergänger sind eher apathisch, nerven aber auch nicht allzusehr.

Heiner kommt bei km 4 von hinten angestoben und meint, er habe 2 Minuten Vorsprung auf Powerschnägge, da er noch auf’m Pott war und später startete (die Jungs an den Matten haben extra noch mal die Dinger angeschaltet). Für die nächsten 14 km ist Heiner wie immer der ideale Zugläufer - oder Bremsläufer? - und bei km 18 dann Schlag ins Kreuz: “jetzt aber los! und mach mir keine Schande!”.  Vorher offeriert er noch sein Geheimrezept für sub-DreiDreiNull - Zweifel werden zur Seite gewischt bzw. ins Moor nebenan gekickt (ist Naturschutzgebiet hier): “Wenn das nicht bis nächstes Jahr im Dezember klappt, kannste mich verhauen!” - “Au ja gerne, können wir das schwarz auf weiß festhalten!?”. Kurz vor km 13 kündigt Heiner den Höhepunkt des Laufes an: man hört schon grelles Mädchengekreische - ein Mädcheninternat? 4-5 Girls an einer Station machen einen gewaltigen Radau und das wohl mehrere Stunden lang. Heiner erklärt: “Das ist der Moorsee” - den zweiten See kann er nicht benennen, ganz klar schlecht vorbereitet Herr Lehrer, dass das nicht noch mal vorkommt!

Um die beiden Seen rum, hier haben wir schöne Sonne und gaffende Pelzmäntel - die letzten 3,5 kms der Runde im Gegenlaufverkehr - insgesamt zum Teil viel und langes Geradeaus, aber dennoch genügend Kurven und Ecken zum nicht-langweilig-werden, mal leicht hoch, mal leicht runter, richtige Hügel oder gar Berge sind keine da. Ein nicht-Ruhrpottler weiß gar nicht, dass es hier überhaupt und soviel und so schönen Wald gibt.

Vor km 23 kommt René auf der Gegenfahrbahn im Sauseschritt entgegen - Mann, der hat schon 5 km Vorsprung, den kriegen wir heute nimmer - reißt einem beim Abklatschen fast den Arm aus dem Schultergelenk. René verrät später sein Geheimnis der neuen Jahresbestzeiten: Currywurst mit Pommes und Mayonnaise (auf gar keinen Fall Kätschabb), jawohl zu 2,20 Euros, und nicht versägt, äh zerschnitten, sondern die Wurst am Stück - und nur im Hauptarbeitsamt Hamburg, Montag bis Freitag - dahin hat ihn die Post zur Einführung und Verwaltung des beamteten Chaos (Schlüsselwort: Hartz IV) ausgeliehen.

Kurz nach Start zum zweiten Durchgang Holger vom virtuTEL am Ärmel erwischt (der Mann ist einfach zu schnell) und begrüßt - dann auf Autopilot schalten - da brüllt doch dieser Sigggi Bullig ins Ohr: “Paaaauuuuerschnäääääägge” - ist das zu fassen, keine Ruhe hat man hier - aber reaktionsschnell: “Wo ist Conny?” - “Gleich da vorne, paar Meter” - hähähäh, Opfer gesucht und gefunden - bei genau km 26 im Sturzflug vorbei: “Hallo Conny und tschüß - jetzt in der Walking-Fraktion?” - großer Fehler, jetzt ist sie gereizt - gnadenlose Verfolgungsjagd über die nächsten 17 kms bis zum großen See - da tänzelt sie total entspannt fröhlich und munter vorbei (den Trick kennt jeder: hinter der nächsten Ecke dann wieder in sich zusammenfallen) - und beim Vorbeisegeln noch dazu flöten “na, alles noch im Lot?” was für ein Lot? unpassende Frage! - verdammich! was tun? die Nordic-Walking-Stecken der Oma da drüben klauen und loslegen? oder in den See hüpfen und quer rüberschwimmen (könnte Stunden dauern - oder sogar absaufen)? oder sich zusammenreißen und *ächz stöhn* zur Jagd auf Conny Bullig, Ehrenrennhamsterin blasen - heißes Rennen für 3 kms - kommen da nicht Kabel aus dem Kopf der Rennhamsterin? - aha, vermutlich ferngesteuert von Sigggi, wie mit den schwarzen Kästen von Modellflugzeugen - oder unerlaubtes Musikhören? - da gab’s doch schon mal Riesenknatsch, diese Rheinländer sind einfach renitent.

Auf jeden Fall, bei km 46 endlich eingeholt, durch Small-Talk eingelullt und die Säge herausgeholt - jetzt aber nicht mehr schwächeln. Letzte Station kurz vor km 3 - Cola ist alle, Tee her - diese Verfolgungsjagd der Rennhamsterin hat die Birne so vernebelt, keine Ahnung mehr wo’s langgeht - “Wie weiter?” - “Immer den Frauen da vorne hinterher” - ach Junge, in unserem Alter! Aber okay, wenn’s sein muß - über die Straße, die Mädels nehmen dabei den Umweg - uaaaaa, Abkürzung (äh, das heißt direkte Strecke) selber genommen, versägt, zwei weniger vor einem - zur Belohnung noch eine Kußhand nach hinten geworfen - hm, ist vielleicht falsch: jetzt fangen die an zu brettern und wollen diesen charmanten sympathischen Läufer einfangen - letzte 2 kms auch noch leicht aufwärts und auf nassen Laub - wie noch zum Endspurt motivieren? - da vorne der Typ mit ultraschnellen gelben Hosenseitenrennstreifen, der so schräg läuft (“noch alles im Lot?” ah, jetzt kapiert! hat nur 5 kms gedauert) - aber er gibt nicht nach, schwächelt nicht - aber vor der letzten Rechtskurve, noch 100 Meter zu den Matten, nimmt er die Außenbahn, schwubsch auf der Innenbahn durch - Papa Christian H hat Kleinschneggi beigebracht , zu den Versägten immer höflich und nett zu sein, dann werden sie einen auf ewig lieben - also ein “Entschuldigung” hinterhergeschmissen - der Lautsprecher freut sich, dass ein Läufer kommt, der sich auch freut und jubelt, weil er noch einen gekriegt hat und in der avisierten Minute bleibt: “Läufer Dingsbums vom Marathon Club” - Heiligsblächle, das heißt Hundert Marathon Club.

Ne dufte Medaille wird umgehängt, endlich mal wieder eine originelle. Ein echter und richtiger Bergmann, Nr. 5120 Jürgen (?) aus Kamp-Lintfort, teilt die Sitzbank nach dem Lauf - er erklärt umfassend das Bergwerkgeschäft in 5 Minuten - woa, gut dass er den Job macht und nicht wir.

Sigggi steht am Eingang zur Umkleide: “Ach prima, Sigggi, dass Du da bist. Ich muß ein ganz ernstes Wort mit Dir reden. Da gibt’s so ne Frau mit Kulleraugen, die macht einem schöne Augen, aber ist gnadenlos - die hat mich erbarmungslos glatte 17 km lang gejagt - eine Klette, kann ich Dir sagen - sämtliche psychologischen Tricks - und Du weißt doch was für ein sensibles Gemüt ich habe - also so geht das nicht weiter - ich brauche da nächstes Mal Deine Hilfe - aber sag mal, Sigggi, warum läufts Du nicht und hältst mir dieses zähe Luder vom Hals?” - “Ach, mein Knie und blah blah blah” - “Du, da habe ich was für Dich - das Beste, das Neueste, letzter Stand der mongolischen Unterwasserhöhlenforschung: hier an diesem Punkt, ca 2 cm über’m rechten Knie versägen, äh äbsägen, und die ultimative Prothese dran, mit eingebauten Motor, brauchste nix mehr machen - und brauchste auch keine Schuhe mehr”. Sigggi ist plötzlich in neuer 20 Meter-Weltrekordzeit verschwunden. Er sollte noch Conny beibringen, dass man “Sigggi” und nicht “Sigi” schreibt!

Die Bergwerkmarathons haben immer die besten Duschen, Sondershausen, Merkers und nun auch Prosper-Haniel - echt Klasse, gibt’s nix zum Maulen. Was einen wundert ist folgendes Schild vor dem Duschraum: “Wer in der Kaue seine Notdurft verrichtet, muß mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen”. Hä? bedeutet das das, was jeder dabei denkt? Nebenduscher fragen: “Was ist eine Kaue?” - der guggt zuerst, als ob man direkt vom Mars via Venus kommt - “Tschuldigung, ich bin aus Schwaben” - “Ach so - Kauen sind die Duschen und die Umkleiden - es gibt schwarze und weiße Kauen - haste Internet? - dazu gibt’s die folgende Webseite ... (irgendwas “Abenteuerbergwerk ...”)” - umfassender Service! Halt, wie war das mit der Notdurft? ach Thema fallen lassen ...

Die Sanitäter verkaufen Erbsensuppe, natürlich für die Schnecken wieder ohne die vorher verfügbare Bockwurst - immer auf die Lahmen! Ein virtuTEL-Klüngel formiert sich: Steppenhahn, Smeagol und Uli erklären, dass da ein gewisser Powerschnecke auf dem Bordstein sitzt - der so genannte Minusandreas meint: “Dich hätte ich mir anders vorgestellt!” - “Ach was, intelligenter und buckeliger, oder?” - “Nee, dicker!” Uuuiii - dabei hatte Christof vorhin feierlich festgestellt: “Du hast abgenommen, nicht wahr? - kann nur Stress mit den Frauen sein”. Ein Prophet? ein weiser Mann? falsch, kein Stress, das Gegenteil. Christof: “Also über 50 Marathons-Ultras pro Jahr sind zuviel, Du nimmst zuviel ab - mein erster Marathon war in 1982, von den Leuten sehe ich heute nicht mehr viele - aber solche Bambino-Ultras wie hier zählen ja sowieso nicht!” - hä? Bambino-Ultras? - “Ja, Möchtegern Ultras, richtige Ultras sind 100 km, 24 Stunden und so Kram - früher gab’s keine 50er!”

Lecker, noch eine Erbsensuppe: “Habt Ihr noch was?” - “Klar, wir haben soviel Erbsensuppe, dass wir sie verkaufen müssen” (Ruhrpott-Humor?). Und jetzt der Macho-Spruch des Tages: eine auffällige Schönheit, riesengroß, lange Beine, lange blonde Haare, Typ Fotomodell, läuft mit Urkunde und Pokal vorbei - Schneggi: “Woa, muß gut sein, hat sogar was gewonnen” - hier nicht genannter, aber der Redaktion bekannter Mann: “Ja, merkwürdig!”. Aber dafür gibt’s auch die gute Tat des Tages zu melden: bei genau 24,7 km torkelt doch ein stämmiger Bursche Richtung Zuschauerkurve vor dem Ziel (einzelne Schalke-T-Shirts blitzen auf - diese Leute sind doch eigentlich schon gestraft genug) - Blick auf die Startnummer - aha, ein Fünfundzwanziger - der ist färtisch, aber wie: “Hey, komm mit - ich zieh Dich rein” - fängt der an zu brettern und bricht nach 20 Metern wieder ab - hmm, jetzt ablenken und bequatschen: “Haste Leute hier im Ziel? mußte Haltung zeigen! erzähl mal schnell Dein Leben! nee willste nicht? dann also Kopf hoch, Bauch rein, Brust raus, Lächeln, Beine hoch, Atem anhalten!” - beim Luftablassen auf der Matte kriegt er noch ein “Danke” raus.

Weiter am Erbsensuppeneßstehtisch: Thema tote Marathonläufer oder Marathonläufer, die laufend sterben - natürlich wieder unpassende schockierende schnoddrige Schnäggsche Bemerkungen - welche vom SCC Berlin auf der Jacke guggen schon komisch - Christof klärt die totale medizinische Inkompetenz auf - ein Norbert fragt: “Bist Du auch im 100 MC? wie heißt Du? ach Du bist Powerschnegge! Dass ich das noch erleben durfte?”. Mist, bekannt wie ein bunter Hund - nächstes Mal die Erbsensuppe lieber hinter dem rote-Kreuz-Zelt futtern.

Fazit: toller Lauf, gibt’s wenig zu mäggern - sogar die Urkunden kann man quasi sofort mitnehmen - in Zukunft die DJK-Adler-Bottrop-T-Shirt-Träger bei Marathons anerkennend beglückwünschen, haben sie super gemacht.

Grüzi und adele (schwäbisch) - bis denn
Schnäggi


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