Braunschweig - 5.Sportteam-Augath Braunschweig-Wolfenbüttel Marathon, 23. Oktober 2005 - "Schneggi Heimspiel: neue Stregge neues Glügg kein zurügg"
Am 21. Oktober 2001 stand ein kleines dünnes armseliges dummes beklobbtes Männchen mitten im Startfeld des 1. Braunschweiger Mara-Gehoppels - es hatte träniert wie man sich das halt so denkt (aber keineswegs mit Gribbs) für seinen allerersten Marathon: so viel wie möglich und so schnell wie möglich, tränieren tränieren und nur nix verlieren. An jedem der vier vorhergehenden Freitage einen vollen 30er, aber hallo nur mit Vollgas. Kommt Marathontag ist natürlich die Batterie komplett leer. Trotzdem mit Überschall los und dranbleiben - bei Halbmarathon meinen Freunde (jetzt natürlich keine Freunde mehr, sowas kann man nicht verzeihen), daß das Männchen schon wie jetzt-brauchen-wir-gleich-den-Leichenwagen-mit-Blaulichteinsatz ausgesieht - egal das Männchen kämpft weiter, die Hügel rauf und mit tutta birra die Hügel hinunter - klar, ab km 30 die schönen samtigen Oberschenkel wie Beton, ab km 37 Krämpfe, aber das Männchen kommt ins Ziel laufend und Kopf oben drauf auf’m Hals in 424.
Und nun also wieder ein Braunschweig-Marathon, aber neue Stregge, angeblich flacher und angeblich schneller - auf jeden Fall neuer Startort, mitten auf dem Kohlmarkt. Hinterher mault Herr Affenzahn - zu Recht: "Ich wurde hierher geloggt mit den Versprechungen von flacher schneller Stregge - und was ist da los? nix als rauf-und-runter!" Tja, reingelegt, alter Mann.
Es gibt nicht mehr viele, die alle Braunschweig-Maras komplett haben: auf jeden Fall die Brümmer-Zwillinge und auch Schneggo, vielleicht noch ein paar mehr, aber sicher nicht ganze Horden. Die Startnummer 10 ist reserviert.

Links: Gerd Gerd von den Lilienthaler Eisenhaxen - obwohl in Werder Brämen-Outfit, durfte er mitlaufen.
Rechts: Karlheinz Kobus - der Junge läuft eigentlich lieber durch ganze Länder wie z.B. Australien, Frankreich, Deutschland - auch so einer, der von Montag bis Freitag nix null niente nada läuft.

Links: Fahrgemeinschaft in gelb mit Herrn Affenzahn und Konradius Bläggie Schwarz - links hat sich irgendsoein Pänner ins Bild geschlichen, was da in Braunschweig so alles rumläuft, graaaausam.
Rechts: Nochmal Fahrgemeinschaft in gelb und rechts Michael Asphaltzerstörer Richter, der so wird geflüstert als es durch seinen Stadtteil Stöckheim ging voll auf- und durchdrehte.
Vor dem Start kommt als Erster Gerd Gerd mit den Eisenhaxen aus Lilienthal entgegen, er wills noch mal wissen - dieses Mal kommt er durch, spielend, glänzend - nur das mit der Werder Brämen-Uniform muß man doch noch mal ausdiskutieren. Karlheinz Kobus watschelt daher, mit ihm werden nachher die ersten kms abgespult, er gibt Tibbs und Warnungen für Deutschlandlauf. Thomas Affenzahn und Konrad Bläggie sind als Fahr-Spar-Bar-Gemeinschaft unterwegs. Affenzahn: "War Braunschweig früher in der DDR? Die Turnhalle und die Toiletten in der Schule sehen so aus!".

Links: Herr Affenzahn bei der gewissenhaften ausgeklügelten Prä-Marathon Vorbereitung.
Rechts: Helmut Braun, Tiemschäff der "giftigen Handschuhe" - Hemd noch an, weil Frühstügg in Brusttasche (sah aus wie 5-Wochen-altes Brötchen).
Am Start stehen von Jahr zu Jahr weniger: 684 Zielläufer in 2001 - 677 in 2002 - 398 in 2003 - 374 in 2004 - und dieses Mal schlabbe 304. Nach 2 kms wird Martin Linek, der rasende Reporter, über den Haufen getrampelt, als er rüggwärts tänzelnd den Rest des Feldes abfotographiert, sieht so aus wie jeden einzeln. Bei km 3 wird Bläggie eingeholt - der Versuch des im Schatten Laufen, Hervorbreschen und Vorbeizischen schlägt fehlt, der Knabe zieht mit - er wird aber später nicht müde permanent zu maulen, zu mosern und zu mäggern, dass er am Anfang "kabudd geritten wurde" - äh, erstens "geritten"? und zweitens hätte er im Schlurfschlabb weiter dösen können - so muß Schneggi ihn bei Laune und bei Geschwindigkeit halten - nütz nix, sich für ein Pinkelchen zu verdrüggen, der Mann wartet - nützt nix bei seinem Busch-Anstehen Vollgas zu geben, der rauscht mühelos wieder heran - okay, wird er eben später versägt, das hält der nicht durch, kann gar nicht sein.

Links: Bei ca. km 11, rechterhand fließt die Oker.
Rechts: Alle Squeezies umsonst, kostenlos, soviel man will und futtern kann- aber zwei Tage später liegen immer noch Hunderte, Tausende von toten Squeezies entlang der Stregge.

Links: Typische Streggenmarkierung - nix für halbblinde 100MCler.
Rechts: Schicksalshafte Rettungsaktion von Schneggi an Bläggies Hintern - Konradius düst nach links, alle anderen laufen nach rechts, uaaaaaa.
Und dann auch noch katastrophale Fehler von Schneggi: Wegkabelung, deutlicher blauer Strich geht nach rechts, Trampeltier Konrad trampelt nach links, hähähä - aber nein, Schneggi die gute aber doofe Seele: "Konrad rechts rum, Du Tröte!" Ein Nebenläufer fragt: "Wo kommst Du denn her?" - stellt sich raus, daß die elegante hochschwäbische Zunge ihm bekannt vorkommt - weil er eben selber so ein einzigartiges Geschöpf aus dem Schwabenland ist (aus Stuttgart, der Ärmste) und ebenso in Braunschweig im Exil haust - "Deine Birne kommt mir vom letztjährigen Rumgeeiere bekannt vor - ich glaube, wir haben da auch gequatscht!" - Schneggi weiß von nix, aber wird wohl so sein, eben das Alter, das Gedächtnis, immer dieselben Probleme - übrigens Schneggi startet unter M75, kommt aber in M50 ins Ziel, genial, hä? Roger, der andere Schwabe, faselt von 35 min auf 10 km - alle guggen baff: "Was machste dann hier bei uns lahmen Pännern? Du solltest unter drei laufen!" - "Tja, das war vor 10 und 10, Jahren und Kilos!" - sein Kollege, mit wilden Tatus auf den Waden wirft seine 120 ins Gespräch: "Hundertzwanzig was?" - "Kilos, vor 3 Jahren noch!" - sieht jetzt aus wie ca. 80 kgs.
So die ersten 12 kms haben wir erst jetzt schon endlich hinter uns, es geht zum Südsee und von da ab Richtung Süden nach Wolfenbüttel - man wird später wieder hier nach Norden treten, daher sind links am Wegrand immer diese kleinen Schildchen zu bewundern, mit den hohen Zahlen, so wie etwa km 39 undsoweiter.

Links: Lange lange rauf, km 16 hin und km 34 zurügg.
Rechts: Erster Teil des Hartbreikhills, hin runter bei km 17, aber viel steiler hoch zurügg bei km 33.

Links: Unter der Autobahn drunter weg und mit Schwung ...
Rechts: ... gleich wieder auf der anderen Seite hochdüsen, sakrisch steil (km 18 hin und km 32 zurügg).
Bläggie hat sich 50 Meter abgesetzt und quatscht eine Dame an - behauptet später es sei andersherum gewesen - sie "zum ersten Mal" (soll angeblich jede Frau besonders in Erinnerung behalten) und will das genaue Tempo wissen und einhalten. Am ersten Hügel, 1 km lange lange zäh hinauf, hat Bläggie 15 Pulsschläge mehr auf dem Zähler, "tja sieht nicht gut aus - ich würde mich zurüggfallen lassen, eventuell gehen oder kurz hinliegen", muhahaha - aber leider geht’s gleich mit Karracho unter der Autobahn hindurch - da kann das Renntier Konrad voll die Schwerkraft einsetzten und mit Schwung auf der anderen Seite wieder hoch - holt sich gleich ein paar hundert Meter Vorsprung raus.
In Wolfenbüttel am Krankenhaus vorbei - praktisch, hat man nicht so weit zu tragen im Fall der Fälle - knapp hinter Halbmarathon kommen die ersten Fünf schon entgegen, für die ist das etwa km 30. Aber Bläggie, in gelber Uniform leicht auch in Regen zu entdeggen, kann nicht entkommen, wird quasi gejagt, Heimvorteil und Streggenkenntnis werden voll ausgenützt - aber die kleinen Raufs und Runters, die vielen Kurven, die Holzbrüggen mit einigen fehlenden Latten zehren schon - in der Zeitung steht "anspruchsvoller Lauf" - aha, soso.
Zumeist durch Wolfenbüttel im Vierergespann, vorne Konrad und Reinhard (ein Braunschweiger Freund, kommt rein mit 357), hinten ein Unbekannter und Schneggenmann - außer den beklobbten 100MClern quatscht niemand, Konrad erzählt den Inhalt eines halbes Buches, man wußte gar nicht, dass der lesen kann - zwar passen die Vier vom Schritt und Tempo her gut zusammen, aber dann siegt doch die unantastbare grandiose superiore Überlegenheit des 100 MC und die beiden anderen fallen zurügg.
Zwischen kms 28 und 30 wieder Ausbruchsversuche, zuerst von Dick und dann von Doof, aber zur Station km 30 kommen Schneggi und Bläggie zusammen - es gibt übrigens kostenlos Squeezies in Massen und kläffererweise werden sie 100 Meter vor dem Wasserloch entgegengehalten, Wasserloch mit Wasser und Tee und Wasserschwamm und Bananen.
Konradius gibt Pädäs und Schneggi denkt: "Haha, kennt die Lokalitäten nicht, mach mal ruhig, Du Hamburger Pänner, auf den nächsten 4 kms gehts meistens hoch, einmal wieder unter der Autobahn" - und weg isser, zuerst noch als schmutziger gelber Fleck in der Distanz und dann komplett futsch, liegt wahrscheinlich im Graben und pennt, muß so sein.

Links: KITA-Bleistifte im Stadtteil Stöckheim bei km 35.
Rechts: Wieder an der Oker entlang bei km 36.
Die letzten Versäger überholen Schneggi ausgerechnet am Berg bei km 31, unverschämt - werden aber bei km 40 wieder eingefangen, wortlos zur Strafe, "... und probiert sowas ja nicht wieder, capito?" - ansonsten reine Versägeweste ab km 20. Zum Glügg reicht eine liebe Seele mehrmals Cola, sonst wär’s heute doch ein bißchen, etwas, ziemlich, verdammt, gewaltig, katastrophal zäh geworden - das Koffein kickt voll rein beim Autobahnhochhügel, im Braunschweiger Marathon-Släng auch "Hartbreikhill" genannt, und hält gerade noch bis km 36, als die nächste Portion gereicht wird.

Links: Südspitze des Südsees, km 37, ab hier noch schlabbe 5 kms, ächz.
Rechts: Immer noch am Südsee, DLRG Haus bei km 38.
Ab km 37 ist es wie früher beim Lauftreff, nach der Südseespitze geht’s nach Hause. Jeder Grashalm, jede Pfütze, jede Hundetretmine ist auf du-und-du mit Schneggi - ach, blindes Laufen, "wieviele Millionen Mal warste hier schon durchgekommen?" - nur noch loggeres Schlurfen - denkste, hart kämpfen, beißen, vielleicht mal wieder ein klein bisserl Lauftechnik probieren, um diesen Pseudoflizzer, der eigentlich 5er-Zeiten nur laufen darf (5 Stunden wohlgemerkt, nicht 5er-Schnitt) noch zu kasssssieren - stattdessen Fehler machen: bei der km 40-Station nur nen Becher im Fluge grabschen und weitersegeln? - aber nein, stehen bleiben, weitergehen, nicht gleich wieder in Tritt kommen.

Links: Bligg nach links vor km 40 auf den Spielmannsteich.
Rechts: Bligg nach rechts hoch zum Schloß Richmond.
Paar hundert Meter weiter ruft ein Versägter seiner Freundin am Rande zu: "So einen Scheiß mach ich nie wieder!" - Recht hat er, bleib zuhause auf’m Sofa. Aber jetzt gilt’s, noch mal ein paar Sekunden rausholen, nicht so lahmarschig hier, der negative Schblidd is dahin, aber die 3 steht, die 35 steht auch - einer zieht mit, will versägen, nix da, Schibbe drauf, gleich km 41, Beine auseinander, Tübb bleibt abrupt stehen, "Ey, komm komm, dranbleiben!" - "Kann nicht mehr, ich sterbe!" - "Red keinen Affenscheiß, so schnell stirbt man nicht Du Rotzlöffel" - nützt nix, schade, ist ein guter Antreiber gewesen.
Rechts jetzt die Oker, links die VW-Halle, unter der Hauptstraße durch, muß doch bald Konrad eingeholt werden, kann doch nicht sein, so wie der geschwitzt hat, solche hohen Pulse wie der hatte, so wie der jammerte, der geht bestimmt auf der anderen Seite der Unterführung hoch, auf allen Vieren oder Sechsen - tja, falsch gedenkt, nix Gelbes weit-oder-breit - nu, dann wenigstens die 51 noch hinbiegen: noch über eine Straße rüber, Vorsicht rutschige Straßenbahngleise, Fußgängerzone eins und große Kurve nach links in die Fußgängerzone zwei, gute Seele steht linkerhand, klatsch ab ("siehst besser aus als in Ulm!"), 100 Meter bis zum Zielbanner, linkes Auge auf die Polar, mittleres Auge auf die Bäume und Fahrradständer und Sitzbänke, rechtes Auge auf die Uhr über dem Ziel - Einlauf mal wieder ohne Leute-ich-brauch-gleich-voll-Sauerstoff-doppelte-Portionbitte-Gejapse, aber trotzdem am Limit - hurra, es hat gereicht, aber knäbbli, für ne 351.
Zweimal falsch und quer gedenkt: weder Bläggie versägt (3 Minuten Vorsprung, der Ehrgeizling) noch die 351 geknaggt - und Affenzahn war sowieso in einer anderen Welt heute, mit gemeinen unverschämten 333. Aber ganz klar, war sowieso nur ein Tränings-Mara für Schneggi, sozusagen außer Konkurrenz mitgelaufen, uaaaaa.

Links: Medaille - yäp yäp yäp, das sieht nicht nur so aus, sondern es ist auch ein rotes Plastikteil.
Rechts: Hängt schon am Medaillenbaum im Büro.
Originalgelaber Affenzahn: "Ich komme ja gern nach Braunschweig, aber der Marathon ist hier so teuer: Startgebühr, Anfahrt, neue Schuhe!" - Erklärung: es wurden ihm in der Duschzeit die neuen Treter anno 2001 beim ersten Braunschweig-Mara geklaut (was muß der Mann auch duschen), waren bestimmt Auswärtige gewesen, beinahe sicher Hamburger. So paßt doch mal wieder ganz wunderbar die folgende fast wahre Geschichte aus den hiesigen Krankenanstalten:
Der Chefarzt besucht den Patienten, als er nach der Operation aus der Narkose aufwacht. "Ich habe eine schlechte Nachricht und eine gute Nachricht für Sie. Welche wollen Sie zuerst?" - "Zuerst die schlechte", entscheidet der Patient besorgt. - "Wir haben Ihnen beide Beine abnehmen müssen." - "O Gott, stöhnt der Patient, "und die gute? - "Im Zimmer nebenan liegt ein Mann, der interessiert sich für Ihre Schuhe."
Sodale (= schwäbisch für "jetzt reicht’s aber"), das waren fünf Maras mit BS drauf (BS für "besonders schlimm"?): 424 - 427 - 408 - 358 - 352 - okay, nicht "besonders schnell", aber genügend.
Imeil nach Badensia: "Haste schon das Interview mit dem neuen Nationalträner für Marathon gelesen? Sagt: Man muß als Läufer kein Asket sein, der sich alles verkneift. Eine Feier zur rechten Zeit ist nicht verkehrt. Leben wie ein Mönch bringt gar nichts." - Träner: "Habs schon gelesen - und Pommes und Curry Wurst und 50 Liter Bier! Hey, das mache ich alles, warum bin ich nicht schneller?" - Warum warum? warum ist die Banane krumm?
Grüzi
Schneggi
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