Essen - 42. Baldeneysee Marathon am 10. Oktober 2004 - "Powerschnecke um den Baldeneysee rum"

Montag, 11. Oktober 2004


Man hört ja nur Gutes von diesem Essener Marathon. Rückfrage bei Bruder Affenzahn: “Oh ja, der ist affengeil - auf den Baldeneysee-Marathon hätte ich auch affenmäßig Lust drauf - aber die Arbeit, wieder Notdienstbereitschaft, armer Affe - hey, viel Spaß dann dort - echt schnelle Strecke dort, sozusagen Affenturboschnellstrecke, also hau rein - Grüße Affenbande”.

Äh diese Aufsteherei um 4 Uhr, schlimmer als beim militärlagerartigen Spreelauf. Runter zum Baldeneysee einen Stau: alle Autos stürzen sich auf den Gehsteig zum Parken. Okay, dann also auch. Aus dem Fenster schreien zu dem roten Volksdingsbums mit WW-Kennzeichen direkt davor: “Hey, ist es noch weit bis zum Start? Gibts nicht einen näheren Parkplatz?”.  Hallo, das ist ja Prinzessin aus dem Westerwald: “Keine Ahnung, ich bin zum ersten Mal hier, ich mache immer, was die Anderen machen”. Also dann zusammen kilometerweit hintrabsen. Vor einer Minihalle rennen wir in Ryan Shakal, der noch ziemlich müde guggt.

In der Halle wuselts, aber alles unter Kontrolle, nicht die unnötige Hektik und das Show-Macho-Gebaren der Riesenmarathons. Ältester deutscher Marathon sagt später der Ansager - also beim 42. Mal sollte man es im Griff haben - und sie habens glänzend. Wolfgang Weitkämper, alter Kampfgefährte beim Kämpfen um die Zahlen hinter der 4, fragt, ob Powerschneggi schon die Toiletten inspiziert habe. “Ja, sogar schon benützt, gibts nix zu mäggern”.

Start auf einer zugeparkten Straße oberhalb der Seepromenade - die meisten wollten wohl nicht so weit latschen. Hans-Joachim Meyer steht beim 3:45-Schild eines Bremsläufers: “Das ist doch zu langsam für Dich, Hajo!” - “Nee, ich war gestern beim Brocken-Marathon, da ist das heute schon richtig. René (Wallesch) war auch aufm Brocken und steht weiter vorne. Wenn Du unter 100 Marathon Club gemeldet bist (aber klaro), dann sind wir in der Teamwertung”. Die Veranstalter suchen noch einen, der den 3:15-Bremsläufer macht - Hajo sinniert, aber “die Zeiten sind vorbei”.

Okay, überall wird zwischen (und an die?) Autos gepinkelt, langsam wirds Zeit sich irgendwo aufzustellen. Hmm, wie wärs zwischen den 4:00 und 4:15-Läufern? Ryan und Wolfgang gesellen sich dazu. Wo zum Teufel steckt Prinzessin? startet vermutlich in der 3:00-Bande.

Zweimal um den See rum, im Gegenuhrzeigersinn - die kms sind super beschildert und auch noch auf den Boden gemalt (für notorische auf den Bodengugger wie Prinzessin und Powerente) - die ersten 5 km sind menschenmäßig ziemlich dicht und eng, aber danach ist es problemlos (2382 Treter stehen in den Ergebnislisten). Die Strecke wird als flach bezeichnet, ist sie aber nicht - natürlich kein Brocken-rauf-und-runter-Gedings - aber wenn man so sensibel und feinfühlig ist wie ... (um nicht zu sagen mimosig), dann merkt man jeden Höhenzentimeter. Alles spielt sich auf Asphalt ab, meistens Fußgänger-Fahrradwege. Da die Sonne scheint, kommen doch etliche Spaziergänger dazu, stören aber nicht - bis auf km 38, wo eine Ladung Uraltomas frisch aus dem Cafe sich orientierungslos auf der Rennstrecke im Kreise dreht und Schneggi brüllt: “Aus dem Weg, aus dem Weg” - wie die jungen Hühner sind sie in alle Richtung gestürzt - Tschuldigung, klar, macht man nicht, aber besser als eine oder zwei umnageln (Schenkelhalsbruch undsoweiter). Die Verpflegungsstände sind routiniert besetzt und standardmäßig mit Wasser, Iso, Tee (einmal sogar auf der zweiten Runde Cola erwischt), Bananen bestückt.

Zur Unterhaltung gibts drei, vier Trommelmannschaften - am besten war die Antonius Grundschule, die Kleinen hatten den Rhythmus voll drauf. Hier am See stört die Zwei-Rundigkeit überhaupt nicht, sehr abwechslungsreich und man merkt sich schon beim ersten Mal, wos dann leicht abwärts geht (km 36) und wo die vier, fünf Brücken sind (eigentlich nur Huppel) usw. Sogar Kastanien liegen auf dem Boden rum, wunderbar für verspielte Finger, hat man was zu tun.

Bei km 1 wird Ryan überholt, es sieht eher eckig und eierig aus - er hatte am Vortag den Rhein-Kultur-Ultra hinter sich gebracht, war wohl zu schnell gewesen. Bei km 7 dann Prinzessin erwischt: “Was hast Du heute denn vor? Haste Dich wieder in der zweiten Startreihe hinter den Negern aufgestellt?”. Nach zwei, drei kms meint sie: “Bevor meine Pulsuhr explodiert, laufe ich mal langsamer, geh mal zu!”. Nächstes Opfer ist Christof Otto, auch vom 100 MC und ebenfalls frisch runter vom Brocken. Ja, den Brocken-Marathon muß Schneggi auch mal machen. Beim Rauslaufen aus dem Mascheroder Wald, Heimat der untalentierten Schnecken, so bei etwa km 4 der Hausstrecke, einen Blick nach rechts: und meistens isser da, der Brocken, mal schärfer, mal schemenhafter, ca. 50 km Luftlinie. Also, Christof möchte nach 2-3 kms auch lieber seinen ursprünglichen Trott beibehalten.

In der ersten Runde gibts eine prima Gegenlaufstrecke (2-3 kms), da kann man nochmals super die vor einen und vor allem die hinter einem anguggen. Ein Läufer mit gelbem Swiss-Alpine-2003-Hemd und eine “Hosanna Runners”-Frau mit extralockerem Laufstil dienen unwissentlich abwechselnd als Hasen. Was auffällt ist, dass keiner hier drängelt oder zum Beispiel quer über die Füße in die Lücke links rennt, alles Halbprofis hier, routinierte Läufer - es gibt kein einziges lustiges T-Shirt und auch keine lustigen Pappkartons von den Zuschauern - eine 100%ige Laufveranstaltung ohne viel Schnick-schnack. Außer ein paar Zufallszuschauern (Papa zum Sohnemann: “...  und die machen das auch noch freiwillig” - “Nee, wir sind hier für die Preisgelder!”) scheinen die meisten Läuferanhang zu sein - und wissen entsprechend Bescheid.

Bei Halbmarathon stimmen die Zeitenvorstellungen nicht mehr, sowohl für Zeit 1 als auch Zeit 2 gibt es Bonus. Hilfstrainerin Zebra wird toben: “einen Bonus rauslaufen - Sauerei - das gibt es nicht - Zeter Mordio”. Aber am Ende ist der Cheftrainer Dromedar doch zufrieden mit den fast gleichmäßigen 10 km-Zeiten (lapidare Antwort: “gut”) und dem negativen Split (“wow”). Auf die Bemerkung: “Wenn Coach nicht loben, dann Coach gefeuert” gibts: “Hey ned gmäggert is gnug globt” (hochdeutsch: “nicht gemeckert ist genug gelobt”), hängt aber noch ein “Lob Lob Lob” dran.

Bei km 28 wird noch kunstvoll eine Banane in drei Teile zerquetscht und mit zwei Nebenläufern vernichtet. Die Handvoll Kastanien fliegen beim Überqueren der Brücke über die Ruhr (km 35) in den See (“aua” ruft der Rudervierer - welcher Depp schmeißt hier Steine von der Brücke?”). Bei km 39 ruft ein Streckenposten und lacht dreckig: “Hey, toller Laufstil, kannste den mir mal beibringen!”. Caramba, Tio de Mierda, das ist aber nicht nett, das ist richtig böse, das hätte eigentlich einen saftigen Tritt in tus Cojones verdient - kostet aber nur Zeit und man kriegt die Flecken von den Schuhen so schwer ab.

Zieleinlauf ist nochmals so richtiges Spalierlaufen (100 Meter, aber immerhin) - statt die Toiletten zu inspizieren, wäre besser gewesen, den Zieleinlauf zu beguggen: man denkt beim Endspurt (Puls jenseits von 500), man ist da hinten am Ende der Seepromenade, wo keine Leute mehr stehen, endlich färtich - nee, das geht noch mal um ne Kurve, 180 Grad und dann noch 100, 200 Meter - Gemeinheit. Die Zuschauer sind ja zum Schluß nie eine große Hilfe, zum Beispiel: “ ... noch 500 Meter ...” (wers glaubt ... eigentlich entweder noch 200 oder 1500) oder “... gleich da ...” (immer sehr hilfreich).

Duschen sind prima, wieder die einzig warme erwischt, Medaille ist auch okay, Rücklaufen zum Auto war zu weit (Schuld von Prinzessin). Erst mal auf den Gehsteig vor dem roten Westerwald-Luxusauto hinsitzen, die Beine ausstrecken und den Liter Milch in der prallen Sonne geniesen. Es hatte ganz schön gewindet, unten am See - wenn die Boote ihre Segel änderten, knallte es richtig hinter einem - besonders die Gegenseite der Laufstrecke war voll gegen den Wind - aber es war sonnig. Nach 5-10 Minuten (“haste lange gewartet?” - “nö, nur so ne Stunde”) kommt Prinzessin, erst mal Picknick auf dem Gehsteig, daneben die Autoschlange auf der Rückreise, noch ein bißchen quatschen und “Tschüß bis nächsten Samstag”. Dann gibts den Westerurwald-Marathon in Hachenburg. “Wenn Du Probleme hast, dann pieps mich an und ich hole Dich da raus”. Hört sich an wie eine Kommandoaktion im Irak, da bei den Ureinwohnern des Westerwaldes.

Fazit: wie Affenzahn oben angemerkt hat, ein affengeiler Lauf, schnell (selbst Lahme werden weniger lahm, a bisserl) und Klasse insgesamt - absolut empfehlenswert.

Grüzi
Schneggi


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