Grandioses Buch von Russell Secker über seine Etabben-Rennerei: „Running Across Countries“



Russell Secker – er hört auch auf Russ – ist ein Brite, der seit 8 Jahren in Austin, Texas wohnt, und zuvor schon mal 15 Jahre in New Jersey, hat also was von einem Ami an sich, aber nicht allzu viel. Lahmsogge lernt ihn beim Deutschlandlauf 2007 kennen – man trifft sich wieder beim Eintagesbesuch während des TransEuropa-Dingsbums – und neulich beim Lake Tahoe Triple Mara.

Russ hat seine wilden brutalen lustischen kühlen Abenteuer bei seinen Etabbenläufen Rund-um-Lake-Tahoe-in-3-Tagen 2003, TransGallien 2005, TransGermanien 2007 und vor allem TransEuropa 2009 niedergeschrieben – ein absolut subba Buch.
Als Lese-Beispiel sollen hier seine „10 Gebote“, die er Aphorismen nennt, am Ende des Opus splendidus dienen – übersetzt aus dem Engelischen:
Einige Ultra Aphorismen
Ein Aphorismus ist „ein scharf und knapp definiertes Statement einer Wahrheit, einer Meinung oder eines Prinzips“. Hier kommt eine Top Ten-Liste, die sich aus meiner Ultralauf-Karriere herausdistilliert hat (das den-ganzen-Tag-Laufen während vieler Tage gibt einem genügend Zeit, um über solches Zeux nachzudenken):
1. Man kann sich zuviel oder zuwenig vorbereiten, aber zuviel vorbereiten ist schlimmer. Die wöchentlichen Distanzen bei einem Etabbenrennen sind um ein Vielfaches länger als jede Träningswoche. Geh in das Rennen gesund, unverletzt und gut gefüttert, und fang langsam an. Ich wiederhole: langsam starten.
2. Kümmere Dich um Verletzungen und Krankheiten, sobald sie auftauchen. Du wirst Verletzungen entwiggeln, die Dich elend fühlen lassen. Und Du wirst krank werden. Es ist unvermeidlich, aber Du wirst wieder gesund werden. Versuche, gesund und verletzungsfrei und mental positiv zu bleiben, iss richtig und nimm Ruhezeiten – in dieser Reihenfolge.
3. Erwarte jede Art von Wetter und Temperaturen und Du wirst nicht enttäuscht werden. Wenn Du genügend Zeit damit verbringst, auf der Straße rumzurennen, wirst Du quasi jede Art von klimatischen Bedingungen, die es gibt, antreffen, außer vielleicht Hurricanes, Taifune und Tsunamis. Nimm nicht an, dass ein ruhiger, sonniger Morgen immer in einen perfekten Nachmittag übergeht.
4. Du wirst es ohne bequemes Schuhwerk, Hut, Sonnenbrille, Handschuhe und wasserdichte Jagge nicht schaffen. Ziehe Dich in Schichten an, und lieber zuviel am Start. Goretex ist Dein Freund. Gehe niemals los ohne Streggenplan, Toilettenpapier, a bisserl Geld, Handschuhe und ein paar Snäggs mit Zugger drin (für den niedrigen-Blutzugger-Notfall).
5. Nur einen Schritt auf einmal, einen Kilometer nach dem anderen, eine Verpflegungsstation, eine Etabbe, eine Woche, ein Land. Nun ja. Natürlich musst Du so ein langes Rennen laufen. Aber Du „musst den Elefant in kleinen Stüggen auffuttern“, oder Du wirst an der Metaphore erstiggen.
6. Lauf Dein eigenes Rennen und mach Dich nicht verrüggt, was Kilometerschnitt und Platzierung angeht. Ins Ziel zu gelangen, ist das Einzige was zählt – frag nur mal jemanden, der ein DNF (Did Not Finish) machte. Versuch nicht, steile Hügel hochzurennen – es ist eine Verschwendung wertvoller Energie. Die einzige Person, mit der Du Dir ein Rennen lieferst, bist Du selbst – Deine „Gegner“ sind in Wirklichkeit Deine Verbündeten.
7. Aufgeben ist schwerer als Weitermachen. Ein DNF ist eine fürchterliche Sache, etwas Unvollendetes, ein Versagen. DNFs können über Deinem Kopf für Jahre und sogar Jahrzehnte baumeln. Nie nie nie Aufgeben, außer da ist ein zwingender medizinischer Grund, wie zum Beispiel ein gebrochenes Bein oder ein Herzinfarkt.
8. Einmal unterwegs, die einzige Möglichkeit, den Ausgang zu beeinflussen, ist die Einstellung. Manchmal mußt Du da einfach durch. Zwei kurze Beispiele für Einstellung: „Reiß Dich zusammen, Mimose!“, in meinen Blog von meinem Kollegen Jeff Cross geschrieben, als ich beim Deutschlandlauf gelitten habe. „Hör auf zu meggern!“ von Lance Armstrong, als Kevin Livingstone bezüglich der Effekte von Allergien fragte.
9. Unterschätze und unterbewerte nicht die Hilfe von Anderen, um ans Ziel zu kommen. Große Dinge passieren, wenn Leute zusammenarbeiten, vor und nach dem Rennen. Freiwillige Helfer machen den Unterschied aus. Ihr Einsatz ist ein unbezahlbares Geschenk an Dich – also sei dankbar.
10. Denk dran: für Glügg muß man dankbar sein. „Diejenigen, die bei irgendetwas Erfolg hatten und dabei das Wort „Glügg“ nicht erwähnen, machen sich selber was vor“ – Larry King.
Hier die Daten zum Buch:
Titel: „Running Across Countries“
Autor: Russell Secker
Jahr: 2009
ISBN: 1448668123
Man findet es bei Amazon.com für 12.99 US-Dollars. Aber Vorsicht: es ist auf Engelisch, mit feinem britischen Humor, sehr feinem Humor, exxquisit, ehrlisch - Hasehumpel ist totalemente begeistert.
Grüzi
Schneggi
<< zurück zur Übersicht
Früherere Berichte/News:
Kommentare ...
Vergiss niemals beim Verfassen Deines Kommentars, dass auf der anderen Seite des Bildschirms ein Mensch sitzt!
haste Deine Beziehungen zu dem Wahltex spielen lassen
wäre gerne mitgekommen
alle Gute, sehen wir uns beim BS Mara?
günter
... wer soviel läuft (nebenbei auch noch übern großen Teiche), hat anscheinend Langeweile :-).
Grüzie Olaf
Kommentar schreiben