Hamburg-Winterhude - 3. PSD Alster Marathon am 17. Oktober 2004 - "Powerschnecke schon wieder in Hamburg"

Mittwoch, 20. Oktober 2004


Der größte Vorteil von Samstag-Marathons ist das Auspennen am freien Sonntag - außer man ist so bekloppt und läuft am Sonntag den zweiten Teil eines Doppeldeckers - man hat ja schließlich einen freien Tag geschenkt bekommen, also was Besseres tun als durch die Gegend sausen? - logisch oder?

Der Hamburger Alster Marathon bietet sich nach dem Abenteuer in den Bergen des Westerwaldes als Sonntagsausflug an. Außerdem langt es dann für den Heimmarathon zu einer schönen runden Marathonzahl in 2004. Vor zwei Jahren in seiner ersten Fassung schon mal beim Alster-Marathon dabei gewesen - damals die “guten alten Zeiten”? Wir kamen vom Brocken-Marathon am Samstag - leider nicht mitgelaufen - zum ersten und letzten Mal bei einem Marathon live zugeschaut - nie wieder, bricht einem ja das Herz (und ist ährlich gesagt auch ziemlich langweilig) - Michele Rizzitelli in kurzen Hosen direkt vom noch heißem Süditalien hoch in den eisigen Regen-Schneesturm aufm Brocken - danach die ganze Bande ins Hotel Il Capo da Hottas - Michele und Angela ins blaue Zimmer, Sigrid und Powie ins Kinderzimmer. Sigrid: “Schnarchst Du? sonst raus hier!” - “Nöö, völlig unmöglich, wer macht denn sowas?”. Trotzdem die Nacht in der Wäschekammer verbringen müssen. Am nächsten Morgen zu sechst (oder waren es sogar sieben) im Corsa-Ferrari rüber zur Jahn Kampfbahn in Ohlsdorf. Heiligsblechle (Vorsicht hier wird schwäbisch parliert), das waren noch Zeiten.

Aber was sagen denn die Trainer unten links in der Ecke (auf einer Karte) zu einem Doppeldecker? Gar nix - weil sie nicht gefragt werden. Außerdem haben sie, höchstwahrscheinlich absichtlich, das arme Schneggi böse geärgert - nach Übersenden der Essen-Marathon-Superduper-Fotos kam nur: “Schneggi, Dich leichtfüßig rennen zu sehen ist doch immer wieder ein Genuss!” und “Dieter Bremer bekäme Zahnschmerzen, ah dieser gestreckte Fuss (schwäbisch für Bein), dabei die Ferse satt in den Asphalt rammend!”. Wer zum Teufel ist dieser Bremer?

Dieses Mal quasi als Zwischenstopp von Pfuiteufel-ewig-weit-weg-hinter-den-Hexenbergen am Samstag zuhause übernachtet und früh morgens nach Hamburg gedüst. Der noch vor dem ins-Bett-hüpfen entdeckte Brief vom “Regierungspräsidium Kassel” verhieß nix Gutes: ei ei ei, schon wieder ein Speeding Ticket. Schlappe 16 kms zuviel und das auf der Autobahn A7, allmählich werden sie aber wirklich kleinlich - und ein miserables Foto dazu. Also da liegen bessere Fotos auf Strafzetteln aufm Schreibtisch rum. Folglich schön brav auf A2 und A7 nach Hamburg rasen - und dann noch in Hamburg rumgurken - keiner kennt Ohlsdorf - kalt ist es auch noch, aber wenigstens trocken.

Die Veranstaltung ist ein big-get-together von 100 MC-Verrückten. El Jefe zählt 26 Mitglieder und dazu etliche “Freunde des 100MC”(falls wir überhaupt Freunde haben) - mehr sinds wohl nur beim Elbtunnel-Gerenne. René Wallesch, ungewohnt wie ein Weihnachtsmann ganz in knallrot, trägt ein weißes aufgenähtes Poster auf der Heldenbrust spazieren: “500" - Fünfhundert was? keine Ahnung!

Nach dem Start in in einer kalten Seitenstraße - man kann die blauen Polizisten bewundern (blaues Auto, ob sie blau sind, keine Ahnung) - Supermario Sagasser wird aufmüpfig und fängt wieder an schnell zu laufen - jede Woche 5 Minuten schneller - wie wird das erst im Januar enden? Frank Berka hängt sich dran - Mike Friedl, gleichfalls Überlebender der Hachenburger Schlachten, gesellt sich dazu - die Jungs sind einfach zu ehrgeizig, sprich zu schnell - also macht mal, vielleicht bricht der eine oder andere ein.

Unser Lothar Gehrke läßt es sich nicht nehmen und radelt parallel zum Pulk mit. Großes Hallo undsoweiter - er ist später im Stadion mit Hartmut Feldmann präsent und die beiden bilden die randalierende Südkurve, Hooligan-artige Bengalische Feuer unter Schlachtgesängen usw.

Die Strecke läuft meistens mehr oder weniger nahe am Flüßlein Alster entlang - meistens flach, aber mit gehörigen Huppeln zwischendurch - sogar Treppen haben sie gefunden, die man einbauen konnte - so gegen Ende der ersten Hälfte läuft man 2-3 km im Gegenverkehr und bespuckt auf der Gegenseite die, die vor einem sind, und belächelt später die, die hinter einem auf der Gegenseite rumtreten.

Bei km 5 liegt schon einer aufm Boden - zwei Hilfsfeuersmänner halten ihn den Kopf hoch - Bursche ist aschfahl, zappelt aber noch und grimassiert und rollt die Augen, wenn man seinen Fuß ankickt - also noch ansprechbar und bei Bewusstsein - die Jungs haben wohl ein blaues Obersheriffauto herbeigewunken - der blaue Sheriff ist schon am Walkie-Talkie und quasselt was rein - also, wohl alles okay soweit - dann mal weiter. Aber die nächsten kms erscheint doch das schlechte Gewissen (jawohl, das gibts), hätte vielleicht doch dabei bleiben sollen. Nach 5 Minuten oder so, das Tatü-Tata - aha, die Bahre wird schon rangekarrt. Bei km 11 stehen zwei Rotkreuzler, einer mit Sprechfunkapparatus (also wichtige Leute): “Hey, ist der Typ bei km 5 jetzt okay?”. Alles unter Kontrolle - prima, die nächsten kms können wieder schneller angegriffen werden - wenn nur diese dauernden Huppel nicht wären.

Die Stationen sind rar gesät und man hört bei Nebenleuten schon das eine oder andere Gemecker. Es gibt auch Staffeln, und wenn man nicht intensiv nach den Tischen sucht, würde man sie unter dem Gewusel der wartenden Staffeltypen schlecht finden. Bei 323 Finishern gibt es nicht viele, die man überholt - es wagt sowieso niemand die olle Poppelschnecke zu überholen - außer dieser Jürgen Kuhlmey, der es dreimal probiert - und schafft, Frechheit. Aber Freund Jürgen wird dafür bezahlen müssen:  nämlich beim Eingang zum Stadion, also noch dreihundert Meter vor dem Ziel, gibt es keine Gnade mehr - noch 18 Sekunden abgenommen, uaahaha - das wird er Schneggi nächstes Mal büßen lassen, oje. Aber das war nicht das einzige Massaker - das sind die schönsten Tage, wenn man mal die schnellen Jungs, die richtigen Flitzer, die einen jedes Mal demütigen, selbst versägen darf (völlig wurscht warum, versägt ist versägt) wie Joachim Hoier bei km 34 und Ole Sporleder bei km 41.5 - aaahh, “what a lovely Day today”!

Dass Schek-Kee noch bei km 41 mit Babyjogger vorbei will (und es auch leider noch hinkriegt - trotz Kampflinielaufen “wer-gewinnen-will-muß-erst-an-mir-vorbei!”), muß man seiner unerfahrenen Jugend zuschreiben. Auch noch Lübecker Piratenmaus Bianca Gudd, die eigentlich seit den Mitte 20er kms schon im Sack war, muß noch einen gemeinen 3 km-langen-mich-kriegste-nicht-mehr-Endspurt machen. Naja, alle kann man nicht besiegen - so springt wenigstens der 7. Platz unter den 100MClern raus (und 7. Platz in der neuen Altersklasse KUH = “knapp-unter-Hundert”). René läßt man den 100MC-Sieg davontragen, als Geschenk zum 500.

Tja, einer fehlte: Bruder Affenzahn schwänzte - wohl noch verletzt - oder die Kippen sind in Hamburg übers Wochenende ausgegangen - schade, den Burschen niederzuringen wäre das Highlight des Jahres geworden - verletzt oder nicht verletzt, nur der Sieg zählt.

Zwar sind die Stationen selten und nur mäßig bestückt - jedoch wird das im Stadion mit heißer Brühe und etlichen Getränken und Bergen von Blechkuchen wieder halbwegs wettgemacht. Mit 35 Euros ist die Affäre doch relativ teuer - die Polizisten, die rumstehen und hier und da zum Schluß Straßen absperren, kosten wohl etwas Zaster. Die letzten 3 kms gehen durch den riesigen Stadtpark, ein wenig kreuz und quer, zwischen Sonntagnachmittagsausflüglern Slalom laufen.

Bei km 32 spricht ein Spaziergänger: “Das kann doch nicht gesund sein, Junge!” Ist das nun speziell auf Powerschnecke gemünzt (wohl wieder fix-und-färtich-ausgesehend) oder allgemein gemeint? Keine Zeit zum Nachfragen. Wenn er wüßte, wieviele Tausende summierte Marathons hier durch die Alsterauen trabsen - klar alles Verrückte - wollen wir auch sein. Die Tatsache, dass Powerschneggi hier 2002 schon mal lief, zeigt die Ergebnisliste: Verein Lauftreff Braunschweig - na na na, nicht richtig überschrieben, fehlendes Update - Arne Quatsch Franck taucht zweimal auf, René wird trotz Klassezeit nach hinten in der Rangliste verbannt (Platz 278).

So, Hamburg 2004 nun komplett gesammelt: Elbtunnel, großer Olympus, Blankenese (buh!) und Alster - plus ein paar Teichwiesen - ganz klar, deutsche Marathon-Hauptstadt.

Fazit: schöner Landschaftslauf mit Teilen Stadtlauf - kleine Meute, also familiär - bietet sich als “zusätzlicher” Lauf (wenn man mal nix anderes zu tun hat - haben wir Verrückten ja fast nie) geradezu an - ein Laufrhythmus ist aufgrund der vielen Ecken und Kurven und Huppel rauf und runter und Treppen hier und Fußgängerbrücken da und 180 Grad-Wenden und Straßenüberquerungen schlecht zu finden - also abwechslungsreich (es gibt keinen km mal nur so stupide geradeaus) - die Werbung sagt: “Alster Marathon - auf Hamburgs schönster Laufstrecke”.

Grüzi
Powerschneggi


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