Hannover - Spielbanken Niedersachsen Marathon am 02. Mai 2004 - "Powerschnecke bei den Niedrigen Sachsen"

Montag, 3. Mai 2004


Hannover, Hauptstadt der Niedersachsen, ist der Erzfeind von Braunschweig - aber was juckt das einen Schwaben? Daher nichts wie hin, zum schnellen Marathon in Hannover. Nach dem letzten Bericht über die Dortmunder Chaoten meinte eine Blondine, daß der Bericht zu lang gewesen sei - tja, so viel lesen und sich so lange zu konzentrieren bei so vielen (verschiedenen!) Buchstaben ist eine echte Herausforderung.

Trotzdem ein kleiner Rückblick auf 2003: Bombenwetter, nicht zu heiß nicht zu kalt, blauer Himmel, leichte Brise - und es gab fast nichts zu meckern. Außer - äh - es sind zwei gleiche Runden - erste Runde mit den Halben zusammen, die dann natürlich gegen Ende brettern, wie eben nur die Halben es können. Da muß man sich widerwillig zurückhalten. Dann unmittelbar nach dem ersten Zieldurchlauf ist man fast mutterseelenallein - 100 Meter vor einem jemand, 100 Meter hinter einem jemand - vielleicht noch 25 Zuschauer von km 22 bis km 40 - hat alles Vor- und Nachteile. Aber es war ein angenehmer Marathon Hannover 2003, das Ergebnis stimmte, und der Lauf bekam eine sehr gute Note (im lädierten Hinterkopf). Und das Beste: Da Start um 900, kann ein Braunschweiger ausschlafen - und ist um 1500 schon wieder zuhause, zum Weiterschlafen

Schau mer mal, wer antanzen wird: “Ihr müßt alle erst an Powerschnecke vorbei”! Affenzahn hatte schon von vorneherein gekniffen und sich nach Dusseldoof abgeseilt.

Wettkampftag: Es schifft aus allen Löchern, mehrmals super-Aquaplaning schon vor dem Lauf auf der Autobahn (erste Tests, ob der Puls hochgeschraubt werden kann); bevor alles abgesperrt ist, schon mal denselben Parkplatz wie im letzten Jahr gesichert, 200 Meter von der Start-Zielstraße. Beim Marathon selbst, führt die Strecke 30 Meter vom Auto entfernt vorbei; zweimal per Telepathie beim Vorbeilaufen zum froschfarbenen Corsa gefunkt: “Dauert noch” am Ende der ersten Runde bzw. “Komme gleich” am Ende der zweiten Runde.

Heute erste Devise: nach dem Desaster in Dortmund erst einmal die Darm-Entleerungs-Angelegenheit in Griff bekommen. Wichtiger noch als Startnummer abholen, dat kann warten, die läuft nicht weg. Vor dem Rathaus (allgemeine Kommandozentrale, Organisationshauptquartier, trockener Platz für nicht-naß-werden-Wollende, etc.) waren keine Klos ersichtlich - im Rathaus wurden immerhin zwei entdeckt, jawohl zwei Stück, eigentlich drei: einmal Herren, einmal Damen im Parterre und einmal Herren im ersten Stock. Beide schon fast 2 Stunden vor dem Start hoffnungslos überfüllt, was die Schlangen anging. Siggi aus Kiel meinte: “Eigentlich ist es um die Uhrzeit zum Sch... noch zu früh”. Nee, war es nicht. Zur Sicherheit später nochmals; ein Braunschweiger Freund meinte, er habe draußen links im Park drei Dixies entdeckt - war nichts zu finden. Dann eben in den schönen Park, in die Büsche, hinter den dicken Baum (sah exotisch aus); nun ja, von Hundesch... bezüglich Form und Farbe nicht zu unterscheiden. Wichtige neue Regel: immer Taschentuch dabei haben, z.B. am Knöchel hinter die Socke.

Und wer sich da alles in Hannover einfand: zwei Studenten aus der Vorlesung, Weicheier wollen nur den 10er laufen - da müssen wir morgen um 900 mal drüber reden (Montagsvormittags immer Powerschnecke-Märchenstunde, z.B. alle Großtaten und Bosheiten des Laufwochenendes müssen sich die armen Studenten anhören). Ah, da ist Turbo Christopher, ein früherer Student von Powerschnecke, ein “unter 3"-Mensch; auf die Hand hat er mit rotem Kuli die 5 km-Zwischenzeiten für sub-3 gekritzelt; flirtet aber gerade heftigst mit Maschinenbau-Studentin (auch von der TU Braunschweig), die sich mit blauem Stift die Zeiten auf die Hand gemalt hatte (eine 3:07 war zu erkennen, aber nicht zu welchem km). Hoppla, die vier Jungs aus der Zeitung. Die weltberühmte Braunschweiger Zeitung hatte unter der Woche einen Artikel über vier “Jungs” (so stand es in der Zeitung - eigentlich aber 50-56 Jahre alt), die gemeinsam den Biel 100er angehen wollten. “Können unter 3 laufen” - trotz der Angeberei, nette “Jungs”, man wird sich in der Schweiz sehen.

Noch ein Zusammentreffen aus der Heimat, sogar aus dem Dorf (Mascherode ist eigentlich Stadtteil von Braunschweig, aber ...): der Anästhesist und der Banker (schon wieder ein “unter 3" - da soll man keine Komplexe bekommen!); vor Jahren hatte Powerschnecke das Haus des Bankers gekauft (ätsch, damals lief er noch nicht “unter 3"). Fehlt nur noch der Neurochirug aus unserem Mascherode, auch ein Marathon-Flitzer - von dem besser wegbleiben, sonst diagnostiziert er gleich einen akuten Notfall bei Powerschnecke und will dessen Birne öffnen und da rumwühlen; eigentlich besser gleich Kopf-Transplantation. Der Hamburger Patrik Schmidt hatte es sehr eilig, sich noch nachzumelden; der gelbe Chef Christian wurde bei km 2 später erst begrüßt.

Im Startblock findet man HaJo, wie immer, mit kurzer Hose und Trägerhemdchen, natürlich fröstelnd - aber in Clubuniform! Wolfgang Weitkämper stachelt erst mal an: “Heute überhole ich Dich bei km 42". Oho! Das muß man sich merken. Aber Powerschnecke hat heute zwei Hasen engagiert: beide Lehrer! Nämlich Heiner Schütte, der sich heimlich bei km 3 vorbeimogeln wollte, wurde gnadenlos verfolgt, eingeholt und bequasselt - zwischendurch seilte er sich wieder ab. Jedoch ein Schrei bei km 12: “Da vorne ist Powerschnecke” resultierte in einen-Gang-drauf-legen und das-sich-wieder-Schnappen von Heiner. Junge Freunde, quasi Jungspunde, aus Braunschweig wollten, so wie es aussah, einmal Powerschnecke zeigen, wie er alt er wirklich ist. Heiner beschleunigte, Powerschnecke dahinter, dann daneben. “In der zweiten Runde, beim Güterbahnhof breche ich jedes Jahr ein” flötete Heiner, für ihn ist Hannover der Heimatmarathon und sein erster überhaupt gewesen (1995). Glücklicherweise wußte Powerschnecke nicht, wo der Güterbahnhof ist - daher gab’s auch keinen Einbruch in der zweiten Runde. Plötzlich stürzte Heiner bei ca. km 14 auf den Gehsteig und brüllte: “Handtuch, Handtuch”. Es war nicht klar, ob er eins kaufen wollte - oder ob da die Familie stand. Vergessen zu erwähnen: Es regnete.

Okay, erster Hase weg. Aber da vorne - in dem gelben Hemd, graue Haare: HaJo - noch ein Lehrer, aber im Ruhestand (wie bei unseren Rentnern zu erwarten, hat er unter der Woche absolut keine Zeit zum Laufen - das Thema hatten wir schon). Verfolgungsjagd über 5 km - von 500 Meter Rückstand auf 30 Meter vor der letzten Kurve. Bei km 20 rief noch ein übermotivierter Conferenzier: “Da kommt die Nummer 234 - wer ist denn das? Ah, ....... (Name) aus Braunschweig vom Marathon Club” (das heißt 100 Marathon-Club, Knallfrosch). Der letzte km (von km 20 bis Ziel und von km 41 bis Ziel) ist in Hannover prima-Ballerina: teils leicht abwärts, drei Kurven, endlich mal Zuschauer, eine Wahnsinnstrommler-Meute, man hört den Zielsprecher, und nach der letzten Kurve (man sollte sich die Ampel als Anvisierpunkt vor der Kurve merken) noch 400 Meter bis zur Matte. Bei km 21 überholt Powerschnecke im schlecht überlegten Zwischenspurt den verdatterten Altmeister: “Hey, was ist denn heute mit Dir los?” so der Lehrer. Aber es tat gut.

Von da ab gab’s ein Jagen zwischen Lehrer und Schnecke: gegenseitiges Überholen, aus dem Augenwinkel beobachten, beim Gasgeben des Gelben gleich kontern. HaJo probierte es zweimal, wurde aber gleich wieder eingefangen. Allerdings bei einer kurzfristigen Unachtsamkeit beim Verpflegungsstand bei km 35, eigentlich nur Splitsekunden, ging der gelbe Lehrer gnadenlos vorbei. Da sind halt 700-Marathon-Erfahrungsunterschiede evident geworden. War dann aber weiterhin ein eben-200-Meter-voraus-Hase. Der Zielsprecher half auch noch mit, da er per Lautsprecher ankündigte (Powerschnecke war auf der Zielgeraden): “Jetzt spielen wir die Nationalhymne für den neuen Deutschen Marathonmeister” (Hannover hielt die Deutschen Meisterschaften ab). Hey, nichts wie ins Ziel und nicht noch diesen öden Song unterwegs hören. Und da war ja noch die Ankündigung: “Heute überhole ich Dich bei km 42!” von Wolfgang, die Beine machte.

Ein Highlight der allerfeinsten Art war dann noch das Duschen im Innenhof des Rathauses: Duschzelte Marke Bundeswehr oder Feuerwehr oder ähnliches; ca. 5 x 5 Meter, mit ungefähr 20-50 nackten Männern drin; der Abfluß war wohl verstopft, so stand die Brühe 20 cm hoch drin (man hätte fast tauchen können) und schwappte über die Ränder drüber. Das war die größte Gaudi beim Duschen, die Powerschnecke jemals sah; die Badelatschen schwammen von den Füßen sogar weg und mußten unter Einsatz von Schubsen und “weg-da” zwischen den nackten Männerbeinen wieder eingefangen werden. Ein richtiges Happening - dazu noch kostenlos, das Ausziehen- und Umziehen bei frischer Luft und Nieselregen zwischen den riesigen Mülltonnen des Rathauses - einmalig, grandios!

Die Strecke ist schnell, aber langweilig, und die Geraden dehnen sich zu lange aus; die Zuschauerbegeisterung reicht von mäßig bis saumäßig, jedoch gibt es ein paar Punkte, wo mächtig Radau gemacht wird, ansonsten interessiert der Marathon die Hannoveraner nicht die Bohne - die Organisation im Rathaus ist chaotisch, aber es klappt - wie fast überall (außer im nunmehr immer noch mehr geliebten Hamburg) gibt es einfach keine oder zuwenig Scheißhäuser, wenn man es mal so drastisch sagen darf, sagen muß.

Und zum Schluß das noch

Bei neuer Powerschneckscher Bestzeit stellt sich die Frage nach Doping. Jawohl, es wird gestanden, sowohl physisches als auch psychisches Doping. Von 6:30 Uhr bis 7:00 Uhr einen Liter Milch (Vollmilch, höchste Fettstufe!) zusammen mit einer Tafel Schokolade (heute Lindt Mocca, hmmmmmmmm); um 8:00 Uhr dann 500 ml Coca-Cola; bei km 26 und bei km 36 je einen halben Becher Coca-Cola, irgendwo mal eine Drittel Banane, ab und zu mal Wasser. Dazu noch die offensichtlich geniale vorab-Psychobetreuung durch den gelben Chef C aus Hamburg und die blonde Rotznase V aus Braunschweig bezüglich Fern- und Nahziele-Setzung. Was auch immer die iberische Hexe zusätzlich an metaphysischem Hokuspokus und Voodoo in Bewegung gesetzt hat, es hat gewirkt. Die Rechnungen werden bald eintrudeln.

Und was meinte Affenzahn?

SMS aus Dusseldoof: “He Power - Gratulation super - bei mir ist nur ne Jahres PB geworden, 3:27:27 - Grüße Affenbande - ähm bei mir wars trocken ...”

Bis zum nächsten Mal
Grüzi, Powerschnecke


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