Köln - 8. Ford Köln Marathon am 12. September 2004 - "Powerschnecke in Kölle"
Jedem, der es nicht hören wollte, hat Powerschneggi gepredigt: “In Köln muste Marathon laufen - da ist Karneval - da ist Stimmung - da gibts km-lange Zuschauerspaliere”. Dort kann sogar ein “unbegabter Läufer” (Coach Hotzenplotz) einen negativen Split laufen - so wie letztes Jahr. In 2003 war allerdings das Gehopse im Oktober und kühler. Der Start war und ist rechtsrheinisch in Deutz - letztes Jahr war die Abgabe der Müllbeutel, äh Kleiderbeutel, neben dem Dom, also linksrheinisch - schnell über die Brücke zum Start latschen - von wegen - totaler Fußgängerstau auf der Rheinbrücke, Gedränge, Quetsch, Chaos, die ersten Opfer der Massenfußgängerhysterie, einige sprangen schon in den Rhein und wollten rüberschwimmen. Dieses Mal alles relativ nahe zusammen in den Messehallen, neben der Startstraße.
Gleich eine Woche nach dem Spreelauf einen der schnellen Marathons? Victoria: “Du bist verrückt” - Dromeus: “Ich sach nur, Du läufst zuviel” - Topolina: “Mach Dich nicht kaputt”. Hier passt super das Geschriebse von Gerald Baudek (Agentenname Smeagol) in seinem Steppenhahn-Profil:
“Wer weniger läuft als ich, ist faul;
wer mehr läuft als ich, ist verrückt;
wer langsamer läuft als ich, hat keinen Ehrgeiz;
wer schneller läuft als ich, macht sich kaputt!”
Ja, man kann hier auch “einen Marathon weniger als ich” oder “einen Marathon mehr als ich” einsetzen - und es passt.
Problem Nummer eins: ist das ewig weit weg, glatte 360 kms - früh aufstehen, Spreelauf-Weckzeiten so knapp nach vier (diese Irren!)? - ach was, Marathon fängt kurz vor elf erst an - die A2 und A1 Autobahn-Rennstrecken sind jedoch voller unbegabter Leute und wenn da nur einer einen Fehler macht und *quietsch* und *aua* einen Unfall baut, steht man da stundenlang rum - also doch früh aufstehen und lieber in Köln rumstehen und die weibliche Laufkonkurrenz inspizieren.
Große Überrraschung: nicht eine einzige Visage kommt einem bekommt vor - ganz ungewöhnlich. Na ja, dann mal loslaufen im blauen Block. Die Schafsherden der einzeln Farbblöcke werden in zeitlichen Abständen an die Startlinie von weit weit hinten herangeführt. Irgendwie war letztes Jahr mehr los, mehr Zuschauer, mehr Stimmung. Und es lief sich auch leichter. Bei km 14 kommt einer von hinten rangepirscht und fragt: “Du bist doch auch in Leipzig gelaufen? Ich bin bei km 80 ausgestiegen. Ich habe Dich an Deinem Laufstil wiedererkannt. Es laufen nicht viele so wie Du. Aber jetzt ist mir das Tempo zu hoch.” (Besagter 100-km-Abbrecher kommt von hinten in der letzten Kurve bei ca. km 41 und sägt sägt sägt). Dann wird noch ein Rudel vom MTV Amelinghausen mit Rüdiger Carlberg (Entertainer beim Elbtunnel und 6-Stunden-im-Kreis-Tigern in Amelinghausen) überholt (er erinnert sich!).
Bei km 16 auflaufen auf Uwe Schwensfeier, der etwas lustlos dahintippelt: “Hallo, wie gehts? - wir haben uns zuletzt in Davos gesehen” - “Ja, aber der Swiss Alpine Marathon macht mich immer total fertig, da brauche ich Wochen, um mich davon zu erholen”. Plötzlich brüllt einer von schräg hinten, der Mann kann Tote aufwecken mit seinem Organ: “Powerschnecke”. Es ist Il Capo Christian, wie letztes Jahr dabei für ne Pharma Firma, die Ärzte sponsert, damit für Kinder Geld gesammelt wird, diesmal Kinder im Irak. Il Capo daher heute ganz in Alarmrot. “Wie geht es Barbara? wie war es gestern in Gardelegen?”, noch ärztliches Schnickschnack zu Diagnosen und Therapien und schon wieder ein km vorbei - aber zu langsam für die Zielzeit, also Abschied - und er schreit noch hinterher: “Hau rein”, wirklich, der Mann kann brüllen. René Wallesch soll auch dabei sein, wird aber nicht gesichtet.
Diese km-langen Spaliere haben sich dieses Jahr auf Meter verkürzt, Musik gibt es ganz wenig. Irgendwann war mal zu lesen, dass die Gebühreneintreiberung für das öffentliche Spielen von Musik das ziemlich abgewürgt hat. Letztes Jahr waren da mehrere Bands an der Strecke. Aber die Zuschauer sind gut drauf und (dank des Vornamens auf der Startnummer, was man natürlich vergißt) hört man links und rechts so oft seinen Namen, dass man sich fragt, woher die einen alle kennen.
Coach Dromedar hatte angeregt, in die Fernsehkameras zu winken - gewollt gemacht. “Ich habe Dich nie gesehen - Du mußt 2:10 laufen” - “Ich habe mindestens fünfmal mit der linken Hand gewunken und mit der rechten den Mittelfinger hochgehalten” - “So kommst Du doch nicht ins TeeVau, Knallbirne” - “Aber Stefan Effenberg und viele andere unserer Elite machen das auch immer und sind immer im TeeVau” - “Ja, aber Du muss benehmen gut, nur dann ins TeeVau, weil Du nix reich, nix berühmt, nix Vollidiot”.
Wer zwischen drei und vier Stunden braucht, hat die Auswahl zwischen starkem Gegenwind und leicht aufwärts oder knallende Sonne und Kopfsteinpflaster. Bei der Gegenlaufstrecke so um die km 31-33 schaut man gerne in die Augen der weit hinter einem liegenden Treter, die gerade kms 24-26 abgrasen - und freut sich insgeheim diebisch - gemein. Zwischen km 36 und km 37 denkt man: “Verdammich, hier war icke doch schon mal - das ist aber schon lange her” (war kms 4-5).
Zickzacklaufen durch die Altstadt, 1-km-langes-Rumeiern auf Kopfsteinpflaster, der Dom bei km 40 und noch mal so richtig viel Leute. Das Ende ist neu: über die Brücke zurück (ätsch auf der anderen Fahrbahn) und immer supergut: leicht abwärts ins Ziel. Uaaaaaa - heut wars doch noch heiß geworden. Das “Rewe-Dorf” ist gegenüber dem letzten Jahr, wo man sich kugelrund hinter dem Dom futtern konnte, ein Rückschritt. Aber die warmen Open-Air-Duschen im Innenhof der Messehallen sind der Triumpf von “Vorsprung-durch-Technik”.
Alles hat geklappt, nur die Sonntagsfahrer auf der Autobahn müssen wieder Staus und Staus und Staus produzieren. Aber wenigstens darf Powerente wieder nach Hause fahren. Fan No. 1 hatte vorab gedroht: “Über 4? - dann brauchste gar nicht erst nach Hause kommen”.
Fazit: Köln-Marathon ist prima - auf jeden Fall ein Erlebnis - aber nach dem Spreelauf mit stundenlanger Einsamkeit in freier Natur erstickt man in den Menschenmassen, den Bergen von Müll - es hat sich gelohnt, dorthin zu fahren - die Empfehlung gilt weiterhin: “In Köln mußte mal laufen”. Bestes T-Shirt: “Rasende Hasen Düsseldorf”.
Grüzi
Schneggi
<< zurück zur Übersicht
Früherere Berichte/News:
Kommentare ...
Vergiss niemals beim Verfassen Deines Kommentars, dass auf der anderen Seite des Bildschirms ein Mensch sitzt!
Kommentar schreiben