Marburg - Nacht-Marathon am 16. Juli 2004 - "Powerschnecke bei den Hessen"

Montag, 19. Juli 2004


The good news:  the Marburg Marathon fand tatsächlich statt; the bad news: es war heiß und schwül - wie letztes Jahr. In 2003 beglückten das Dick&Doof-Trio Affenzahn und Powerschnecke den Marburg-Marathon. Letztes Jahr hatte Affenzahn an den Ständen bei Bullenhitze immer alles weggesoffen, so dass es für die Schleicher weiter hinten an einigen Punkten nichts mehr gab - bei der Hitze ein echtes Fiasko - wenigstens eine gute Ausrede für die lahmen Zeiten. Alfredissimo Waßmer hatte Powerschnecke die Ehre erteilt, letzteren ab ca. Halbmarathon mit seinem unendlichen Geschichten vollzulabern. Im Dunkeln bei ca. km 35 trat Alfredissimo in ein Loch, stürzte auf die Birne und seitdem ... ist es noch schlimmer mit ihm. Auf jeden Fall wurde er damals gezogen und gepusht - zum Dank legte er dann 500 Meter vor Ende den Turbo ein und spurtete los, schönes Dankeschön fürs Ziehen: “Auf Einzelschicksale kann ich keine Rücksicht mehr nehmen!”, meint er.

Bei Dauerregen die ganze Woche über und angesagter Schwüle ist ein Start beim Nachtmarathon Marburg 2004 nicht von vorneherein eine sichere Sache. Affenzahn muß in Hamburg bleiben, um im Falle eines Brandes schnell zur Stelle zu sein, um erklären zu können, warum seine Brandmelder wieder mal versagt haben. Dann eben ohne den Bolzer - schade, die heiße senfige Riesenbockwurst auf der A7 nachts um 3 Uhr auf der Heimfahrt macht allein keinen Spaß. In der Zeitung steht, dass Sonnenbaden die Freisetzung von Endorphinen (in der Laienpresse immer als “Glückshormone” bezeichnet) bewirkt. Woanders ist zu lesen, dass Schokolade auch mittels der Endorphine glücklich macht. Also, klarer Fall, Marathonlaufen in der Sonne und dabei Schokolade essen. Wo wären wir ohne diese Endorphine?

Das einzig Spannende unter der Woche ist die Action in Badwater in Kalifornien. Die Berliner Freundin meint dazu am Telefon: “Das machen wir beide nächstes Jahr auch - das schaffen wir - ist besser als Teichwiesen.” Woa, 135 Meilen (= 216 kms) in 60 Stunden bei Affenhitze und die Berge rauf und runter - hört sich nicht so toll an - macht das noch Spaß? - müssen wir noch mal drüber reden.

Aber erst ist Marburg dran. Die Atmosphäre ist dort immer ziemlich cool und relaxed, man lungert bis etwa halb sieben abends im Universitäts-Stadion herum, besichtigt vom Rasen aus die weibliche Konkurrenz (informiert-sein-ist-alles!), watschelt im Gänsemarsch 10 Minuten zum Start auf dem Markptlatz (das treibt einem schon mal den Schweiß raus, diese Kletterei hoch zum Markplatz) und hängt da noch am Brunnen herum. Vom 100 MC sind die Wetzlarer Alfredissimo (der sich mit 100 Marathon Club angemeldet hat - bravo) und Werner Frech (der leider nach 3 kms wegen Knöchelproblemen aussteigt) präsent, der “Kleine” Berthold hat sich entschuldigt (angeblich notwendige Überstunden); Christof Otto (auch aus der näheren Umgebung); der Osten, spezifisch Drääääsden, schickt Ekki Steuck und Thomas Schiebel (mit neuer Punk-Frisur). Während die Therapie gegen die Tumorzellen helfen wird, ist sie bei der Verbesserung der deutschen Sprache bei Thomas bisher wirkungslos geblieben (der Mann benützt Wörter und einen Dialekt, da braucht man immer einen Übersetzer - typische Frage an Nebenmann: “was hat er gesagt?”). Thomas ist ein Schlitzohr - nun wissen wir auch, warum sein Arzt den Marathon während seiner Behandlung erlaubt hat: “Ich sagte, dass es sich um ein kurzes Läufchen handle - er hat nicht gefragt, wieviele Kilometer”. Thomas hat von Fressraupe Affenzahn gelernt und will noch ein Steak im Stadion direkt vom Grill weg verschlingen - dauert zu lange, also dann eine Riesenwurst. Die Delegation vom Urvolk aus dem Westerwald umfasst Prinzessin Biene, Werner Yuppie (der die wundersame Metamorphosis vom Fußballspieler, bäh, zum Schnellläufer, bäh-bäh, und nun zum Vielläufer, bravo, gerade durchmacht) und einen Frank.

Start Punkt 19 Uhr, die goldene Rathausuhr hoch am Turm gibt das Startsignal - die Meute stürzt sich in die hohle Gasse bzw. enge Gasse - das hält auf, aber nach 2-3 Minuten sind alle auf der Piste und nach 5 Minuten oder so hat jeder seinen Platz gefunden. Prinzessin und Yuppie wollen heute langsam laufen (wenn 3-Stunden-Läufer schon mal von heute-langsam-laufen reden, weiß jeder, dass die 3:10 meinen - aber heute ist tatsächlich bummeln gemeint). Also, dann bis später im Ziel - jetzt aber los und schnell weg, bevor die sich das anders überlegen. Die ersten 2 kms gehen bergab im großen Linksbogen durch die Stadt raus zum Fluss Lahn - später ists nur noch flach (bis auf ein paar Wellen) - die Marburger sind zum-Dazulernen-fähig und bestücken vorbildlich die Wasserlöcher, übereifrig das komplette Vollfüllen der Becher - lieber zu viel als zu wenig oder gar nix wie letztes Jahr schon bei km 8. Der Lauf besteht aus vier Schleifen, jede ca. 10 km plus ein paar Meter - erste Schleifen auf der Karte nach oben (keine Ahnung, ob nach Norden oder Westen oder wat sonst noch - schaut das bei www.laufreport.de nach, die werden das sicherlich superexakt mit klasse Fotos haarklein zeigen - die Laufreport-Wagners wurden gesehen), am Stadion wieder vorbei und nun dreimal die gleiche Runde in die andere Richtung durch Felder, einen Vorort, auf nem Fahrradweg und vorbei was aussieht wie die Schüler-Studenten-Besauf-Bekiff-Wiese zurück über zwei Holzbrücken zum Ziel im Stadion (letztes Jahr mit einer Abschlußrunde auf der Bahn – dieses Mal nicht) - die letzte 10 km-Runde läuft man im Halb- oder Ganzdunkel, zumindest die nicht-Flitzer - wissenschaftliche Erkenntnis eines Genies:  je langsamer, desto dunkler. Ganz kluge Menschen, wie zum Beispiel Prinzessin Biene, bringen eine Taschenlampe mit (aha - die Dame ist lernfähig nach dem letztjährigenTrapsen durch die dunkle Nacht), muß sie allerdings 4 Stunden plus tragen - wenigstens hat dann Werner Licht.

Der Schlußspurt für die Halben und die Ganzen findet dann über die einen halben-Meter-breite Brücke statt - dabei Wegschreien von übereifrigen Zuschauern und Leuten, die unbedingt spät nachts mit Kinderwagen und Hund über die Brücke müssen. Es soll kurz vor Halbmarathon just dort Einen umgehauen haben - drei Typen mit so einem Kreuz in roter Farbe sollen sich auf ihn gestürzt haben - na ja, schlimmer kanns dann nicht mehr kommen. Prinzessin: “Da mußt Du doch dann anhalten - oder nicht?”. Powerschnecke: “Wieso ich? Du doch auch! Erste-Hilfe-Pflicht eines braven Bürgers - na vielleicht besser nicht. Außerdem muß ich da schon durch gewesen sein”.

Die Schwüle zehrt gewaltig, ein wahres Schweißfest, zum Schluß ist alles patschnaß - außer bei den Kaltblütlern wie Fische, Skorpione, etc. Ekki, der kurz vor Ende der zweiten Runde eigentlich schon “renntot” war, hat zum Schluß noch die Frechheit, bei km 38 vorbeizubreschen - nun, was kann man von Drääsdenern anderes erwarten? Einer, der mit 20 Gürtelbomben, zwei unter-den-Knien-Bandagen und Sonnenbrille (eisern aufbehalten, auch noch um 11 Uhr nachts), läuft, meint: “Du überholst mich jetzt schon zum mindestens sechsten Mal - jetzt ist ein Bier fällig”. Zum Schluß hat er 1-2 Minuten Vorsprung - das soll bedeuten, dass heute kein negativer-Powerschnecken-Split zu begratulieren ist, im Klartext: Einbruch bei exakt km 36, aber durchgelaufen ohne Gehen - ach was von wegen Jammern: 35 Minuten besser als im Jahr zuvor ist ein Grund zum Jubeln - irgendjemand sagte, ab dem 55. Lebensjahr gehts abwärts, dann werden die Zeiten nur noch schlechter - nun dann sind ja noch 20 Jahre Zeit zum Verbessern.

Am Zielmasten hängt eine CIA-KGB-raus-mit-der-Wahrheit-oder-wir-kitzeln-Dich-Lampe - dermaßen blendend, man weiß gar nicht, wohin mit dem Endspurt und rennt noch einen Helfer um (was steht der da auch im Weg?). Ätz, auf den feuchten Rasen sich fallen lassen, die Beine ausstrecken (schon mindestens 1000 Marathons lang keine Krämpfe mehr gehabt - heißt das, dass Powerschnecke zu wenig oder das Falsche getrunken hat? - weiß der Geier, auf jeden Fall müssen die Beine ausgestreckt bleiben, Anwinkeln führt zum Krampf). Passt auch prima, im Ziel auf Prinzessin warten - das ist doch romantisch - wo sind die Gänseblümchen auf dem Rasen für einen Blumenstrauß? Aber das kann natürlich lange dauern - erst mal zum Auto humpeln (noch ein Plus: wer rechtzeitig kommt, kann 30 Meter vom Ziel/Halle weg parken - optimal, nur keine Energie vorher oder nachher vergeuden) und aus den feuchten Klamotten raus.

Danach wieder in Beine-ausstrecken-Position und Empfangs-Teebecher-haltend einen Meter hinter der Ziellinie warten - als Blumenstrauß gibts nur drei Brenneseln vom Parkplatz. So gegen 23:45 Uhr, also 4:45 h Laufzeit, dachte Powerschnecke: “Die sind aber langsam geworden, meine Güte”. Falsch gedacht, da kommen die drei aus der Halle, frisch geduscht. Woa, erstens müssen die nur knapp dahinter gewesen sein (Yuppie: “Wir hatten Dich immer unter Kontrolle - hast Du nicht unseren heißen Atem gespürt? - wir sassen Dir richtig im Nacken” - so ein Quark! sind das Westerwälder Scherze? huhuhuhu) und zweitens Duschen - seit wann machen die das denn? Ist das der positive Einfluß des zivilisierten Kulturmenschen Powerschnecke? Eigentlich wäre Duschen erst wieder in 2005 dran gewesen. Werner Yuppie faselt Philosophisches, etwa wie: dieser Marathon ist jetzt in der Geschichte, den kann keiner mehr ändern oder mir nehmen, blah blah blah. Er will, dass das hier niedergeschrieben wird. Leider hat keiner so richtig zugehört und kann es nicht mehr wiedergeben - selbst Werner erinnert sich nicht mehr (nach 2 Minuten!) an das, was er gesagt hat. Prinzessin muß sich dringend hinsetzen. Das Duschen bekommt dem Urvolk nicht so - geht vielleicht alles einfach zu schnell: neulich erst Einführung der Elektrizität, dann Toiletten mit Wasserspülung und nun so schnell Duschen - das packen die nicht alles auf einmal. Außerdem müssen diese Hinterwäldler, äh, Westerwäldler jetzt schnell zurück in ihre Höhlen, bevor die Bretter wieder angenagelt werden.

Unter der Dusche stellt Alfredissimo fest, dass die Mannschaftswertung im Herren-Duschen ganz klar an den 100 MC geht, da drei dieser Wahnsinnigen gerade gleichzeitig in einer Reihe stehen. Am Grill, der aber jetzt um 0:30 Uhr leer und aus ist, sitzen die Pappenheimer wie Hühner auf der Stange: Werner Frech, Thomas (der Kämpfer schaffte es trotz extra-kms innerhalb des Zeitlimits, bravo-bravo), Christof und Alfred (wo steckt Ekki?) und quasseln. Vielleicht sitzen sie immer noch dort. Abschiedsspruch: “Hey, Powerschnecke, bessere Dich mal!”. Von was reden diese Eulen? Alfredissimo mault noch, dass die Power-Berichte zu lang seien und er nicht so eine lange Aufmerksamkeitsspanne besitze.

Fazit: prima Marathon, immer zu heiß und zu schwül (nicht Bestzeiten-fähig), zu duster (aber wenn man schneller wieselt, schaffts man im Halbdunkeln - Alternative: mit Amazonen laufen, die Taschenlampen mitschleppen), sehr angenehme Atmosphäre, macht Spaß, langweiliger Einlauf im Stadion (da könnte man mehr draus machen), empfehlenswert, nächstes Jahr wieder.

Grüzi - man sieht sich
Powerschnecke


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