Minden - 5. Rose Marathon am 5. Juni 2005 - “Zum ersten Mal Regen in Minden! Juhu!”
Heiner Clochard Schütte steht grummelig-brummelig-ungekämmt kurz vor Acht am Eingang zum Mindener Weserstadion, es gießt in Strömen und Wind stürmt dazu: “Unser Wetter! Heute gibts eine neue Jahresbestzeit - ich habe 4 kg abgenommen und am Freitag lief ich in Hannover eine 47 auf zehn kms!”. Holy Shit, der Mann wird wieder gefährlich. Aber er hat Recht, 13 Grad und Regen und Wind, das ist Schneggis Wetter - wenn nur die Form stimmen würde und es nicht das Seuchenjahr wäre. Der Vater von Volkerssohn kommt dazu, Horst Preisler läuft vorbei und guggt nicht rechts oder links, wir lassen ihn ziehen.
Dies ist der vierte Start in Minden:
- 2002 zusammen mit Michele Rizzitelli und Angela Gargano, eine Affenhitze, eine 458 (oje oje) und Platz 840;
- 2003 die erste Hälfte mit ex-Schäf-wieder-Schäf Christian, dann zog er davon, Wahnsinns-Riesen-Affenhitze, eine 433 und Platz 555;
- 2004 mit Affenzahn und Hajo der Gelbe Meyer, beide haben unfairerweise eine Schwächephase im 30er Bereich schamlos ausgenützt, immer noch Sonne und Hitze aber mit Wolken, eine 347 und Platz 310 - so darfs weitergehen.
Auf dem Parkplatz meint ein M60er, dass er endlich mal wieder eine sub-4 laufen wolle, seit seiner Prostatakrebs-Operation schafft er das nicht mehr - in Hamburg im April 2005 eine 406 - er laufe immer VollePulle - falsche Taktig sagt doch immer der Besserwisser von Trainer (“ich habe immer Recht” - solange er den zweiten Platz beim Isarlauf macht, muß er wohl Recht haben) - und in der Tat, Schneggi versägt den M60er bei km 34 - “Ey, bleib dran, wir machen das ganz lässig” - “Ich kann nicht mehr” und verliert 8 Minuten auf Lahme Ente Schneggi auf den letzten 8 kms - tja, Trainer haben einfach zu oft Recht.
Start dieses Jahr nicht auf der Hauptstraße, sondern auf dem Simeonsplatz vor dem Preussen-Musuem - der Chlochard wills vorher nicht glauben - Mist, hätte ne Wette hierzu abschließen sollen. Die üblichen üblen Marathonpänner hängen am Ende des Feldes rum, tun total cool und völlig uninteressiert, Stretching und Aufwärmen sind verpönt, “wir-sind-zu-cool-dafür” - Schneggi läßt sich nicht einschüchtern und saust kreuz und quär über den Riesenplatz, an den Baum hinten links gepinkelt, in ein Dixie noch reingehüpft - äh Dixies, vorbildlich, kann man nicht anders sagen, keine Schlangen davor gar nie nicht nirgends, sauber, Klopapier auch 5 Minuten vor dem Start en Masse und nicht im Loch und nicht vollgepisst, einfach luxuriös hier.
Hey, ist das nicht Bernd Adonis Gämlich? - mal von hinten anschleichen und in die Wampe von hinten reinpieksen - aber Heike HeiHei Heide verrät die Absicht - Konrad Schwarz steht auch dabei und mault: “Wo ist der Bericht zum Isarlauf?” - “Woher weißt Du, dass ich beim Isarlauf war?” - “Tja, meine Spione und Quellen wissen alles!” - HeiHei mahnt, nix mehr in Schneggis Anwesenheit zu sagen: “Das kommt alles in die Berichte”, gibt aber selbst noch pikante Details preis.
Von hinten schleicht sich der Schäf der Grünen Handschuhe an, Mister Old-Holzfäller-Hemd, und präsentiert stolz das Team Grüne Handschuhe und zwei Typen neben ihm niggen dazu. Vor lauter Gequassel werden alle Reden der Politiker und sonstiger Quassler verpasst - Bernd meint, es gab gar keine Reden - Startschuß, keiner will loslaufen - dann doch auf die Hauptstraße - HeiHei wird gleich abgehängt - Bernd ist das nächste Opfer - “Bis später dann!” - “Hey, Du glaubst wohl, dass Du mich versägen kannst? nix da, in Dortmund lief ich 402" - “Haste abgenommen?” (heimlicher Bligg nach rechts auf die gelbe Wampe) - keine Antwort.
Das Kopfsteinpflaster im Mindener Zentrum ist glitschig, igitt - ansonsten läufts ganz gut - Bernd im Schlepptau. Da-legst-dich-nieder, diese superbraungebranntenBeine sind doch bekannt, das darf doch nicht wahr sein - Hintergrund: in 2002 lief Schneggi hinter der schönsten Marathonläuferin, die er je gesehen hatte (muß wohl die Hitze gewesen sein), quasi 30 kms hinterher, zum Schluß aber versägt - leider hatte die olle Nudel einen Typ auf dem Fahrrad so ab km 10 neben sich, ziemlich lästig sowas und überhaupt nicht erlaubt - auf jeden Fall der süsseste Po, der je vor Schneggi dahintrampelte, Beine wie diese griechische Göttin, hübscher blonder Pferdeschwanz - lief post-5 in 2002.
Auf jeden fall, dieses Häschen tänzelte jetzt vor Bernd und Schneggi dahin: “Ey, gugg mal, Bernd! phantastisch, nicht?” - “Für mich zählen nur noch innere Werte” - Schneggi weicht gleich auf die andere Straßenseite aus, der Mann ist komplätt meschugge geworden - “Das hättest Du jetzt nicht von mir erwartet? ich habe nur Augen für Horst Preisler!” (10 Meter vor uns) - diesen Bernd muß man jetzt sofort loswerden, aber er fängt netterweise ein Gespräch mit Häschen an, Schneggi ist ja der total-schüchterne Typ (“dankeschön Adonis, jetzt kannste Dich verpissen, ich versäg Dich später”).
Schneggi zu Häschen: “Bist Du in 2002 gelaufen? so in etwa eine 5er Zeit? mit männlicher Fahrradbegleitung? ihr habt Euch am Schluß gestritten?” - “Ich laufe jedes Jahr - ja in 2002 auch, aber gestritten haben wir uns nicht, ich war nur so färtisch” - hmmm, nice try, hat nicht funktioniert - “Was biste denn letztes Jahr für eine Zeit gelaufen” - “eine 4....” - “Ah, jedes Jahr besser! willste unter 4? bleib an mir dran!” - “Nee, Du bist zu schnell, ich laufe lieber mein eigenes Tempo” - jetzt eine ganz ganz schnelle Gewissensentscheidung: Häschen zu neuer Bestzeit führen oder eigene Bestzeit oder in deren Nähe! - ein wahrer Läufer entscheidet sich immer für Nike, die Göttin des Sieges oder irgendsowas, also schweren Herzens Bernd hinterher, der Bursche hat 500 Meter gleich an Vorsprung rausgelaufen.
Entlang dem ödesten Stügg, die Hauptstraße runter mit rechts den Bundeswehrkasernen - und jetzt fängt es richtig an zu schütten und den Wind voll dazu noch in die Fresse - kurz vor der Mühle (km 10) wieder auf Bernd aufgelaufen, von Häschen gleich erzählt: “Die ist doch höchstens ... Jahre alt - nicht unsere Kampfklasse!” - “Meinst Du Gewicht oder Alter? Du mit Deinen zwei Tonnen und M70, ist klar!” - Bernd zieht los, ist wohl sauer.
Jemand anderen anquasseln? - der hüpfende Vorfußläufer bei km 12: “Sieht ja super aus! hältste das voll durch?” - “Ich versuchs, ich lauf mein Tempo” - sieht ächt gut aus, aber erst mal versägen. Die kms sind mit roter Farbe in Zahl und als Querstrich aufgemalt, die Zehner und die meisten Fünfer haben dazu noch Schilder - es gibt 50 bis 100 Meter nach jeder Zahl dieselbe nochmals, etwas blasser, muß die vom letzten Jahr sein - ein Nebenläufer, der sich den Kopf darüber zerbricht, wird aufgeklärt - Nebenläufer: “Läufst Du öfters Marathons?”.
“Nö, nur zwei pro Monat” - “Das ist mein erster wieder nach 15 Jahren, ich habe das nicht nötig, diese Viellauferei” - sprichts und fängt an zu gehen, uaaaaaa.
Bernd wird auf der Brügge über die Weser (km 16) eingefangen - “Was hat Dich denn heute gebissen?” - “Ich sach doch, ich bin gut drauf! aber lauf mal zu!” - er ist jedoch nicht abzuschütteln - auf der anderen Seite beim Hintunterbrettern zur Weser runter stürzt die gelbe Masse wieder vorbei - jetzt reichts aber, bei km 18 wird er ein-für-allemal versägt.
Regen und Wind jetzt im freien Feld wieder voll, aber gnadenlos, frontal gegen - jaja “unser Wetter” - wo ist dieser Knallkopf von Clochard? - der muß zur Strafe geschupst werden. In der Kurve zur Straße, die zur Weserautobahnbrügge führt, sticht es mehrmals sakrisch an einem der Quadrizepsansätze über dem rechten Knie - toll, dass die Anatomiekenntnisse voll da sind, aber nützen jetzt auch nix - und gleich ist die Meute von hinten aufgerüggt, darunter Herr Vorfußläufer - “Ab jetzt tuts weh in den Waden” und will vorbeitänzeln - nix da, Beißen und Gas-geben und Schneggi setzt sich ab, auf der Autobahnbrügge hat Vorfußmann keine Sonne mehr (es regnet sowieso) - man trifft sich wieder am Getränkestand - allerdings im Ziel und mit 3 Minuten Vorsprung, muhahahaha.
So runter von der Autobahn und ab jetzt aber Rüggenwind, bitteschön - kommt wie bestellt und die km-Intervall-Zeiten werden besser. Km 26/27: da vorne läuft doch einer glatt im gelben Hemd und in gelber Hose, mal ranpirschen, ist das die 100MC-Uniform? - “Armarbeit und Kniehub” predigt der Trainer immer, kann der leicht sagen, dem tut ja nicht der Rüggen rechts unten und der Quadrizeps vorne rechts und irgend etwas tief im Hintern (Piriformis?) weh - aber der Gelbe schwächelt und in der Tat, der Laufstil ist eindeutig der eines pensionierten Lehrers - die Revanche für das ganz üble Versägen in 2004!!! juhu - aber zu früh zum Versägen, “taktisch laufen”, moniert der Trainer (eine echte OberNervensäge, wie man inzwischen wohl allseits gemerkt hat - aber er hat halt Recht, das MegaSchlabbohr).
Ach Highway-to-Hell für den Trainer und angreifen, versägen - HaJo Meyer ist so überrascht, er versucht gar nicht erst zu kontern - aber noch 14 kms, wird das gutgehen? - da kommt dieser Heiner wieder in den Sinn - das kann doch nicht sein, der war sicher beim Start ganz ganz hinten - Caramba, madre mia, da läuft einer wie ein Ex-Fußball-Spieler und sieht aus wie Herr Schütte - Holy Shit, das ist Heiner, das darf nicht wahr sein, der muß abgekürzt haben, das kann gar nicht anders sein, seine Schüler haben ihn per Schlauchboot über die Weser gehievt, hat so 6 kms gespart - “Ey Heiner, was hast Du denn getrunken? Das ist ja unglaublich!” - “Jaja jaja jaja (er ist in Ekstase !), neue Jahresbestzeit, und jetzt will ich noch unter 412!”.
Das war bei km 32-35, irgendwo dazwischen - ab km 36 gehts wieder zurück in die Mindener Vororte - zwei kms lang klatschen die Leute und schreien ihr das-sieht-ja-noch-gut-aus - Schneggi winkt huldvoll - Big Irrtum, gilt alles einer holden Amazone, die sich unbemerkt auf leisen Sohlen 2 kms lang an Schneggi geklemmt hat - sieht auch noch gut aus, “nur äußere Werte”, würde Bernd sagen - aber keine Gnade, den Turbo anknipsen und sie wird im Rüggspiegel immer kleiner.
Jetzt kommt bald diese elendigliche Fußgängerbrügge, ah was für ein unnützes Berg-und-Tal-Gequäle, wenigstens ist dann “unten” das Schild 40 - links und rechts wird ab jetzt gebrettert - wieder der Schwätzer von Trainer: “zu früh, lass sie ziehen” - der Knaggfrosch hat wieder Recht, die meisten werden beim “Anstieg” zu km 41 und auf dem letzten Vollgas-km wieder versägt (man muß sich die T-Shirts merken oder sonstiges ulkiges Zeugs wie lange Hose bei 16 Grad oder Getränkegurthalter mit 10 Flaschen).
Ab km 41 dann leicht runter und nach 500 Metern rechts zwischen den Tennisplätzen und wieder links neben den Ruderboot-Clubheimen - mit letzter Kraft-und-Spugge sich bis zum Stadioneingang retten - ab da läufts von selbst - für so einen relativ kleinen Marathon ist das Stadion brechend voll und die TartarenBahn ist weich und geschmeidig - übrigens geschmeidig, Häschen wurde nicht mehr gesehen, schade.
Hajo kommt mit einer 400 und M70-Teufelskerl Preisler mit 403 und der Clochard mit 404 rein - alle sind primaprimasuperprima zufrieden. Trainer hat ja immer was rumzuquaken, aber vielleicht stimmt ihn der negative Split (158 + 156) gnädig und stopft ihn wenigstens für Sekunden die Gosch (schwäbisch für Mund). Die Duschen sind dieses Jahr nicht überflutet und die Umkleideräume noch weniger. Die traditionelle Schüssel mit Nudeln schmeggt, Bernd lümmelt derweil am Bundeswehr-Getränkestand im Ziel: “Suchst Du mich? ich bin schon lange da!” - “Ach was, ich schaue, ob Häschen zufällig gerade reinkommt! geh mir mal aus der Sicht!”. Joachim Hoier sucht HaJo, man fragt aber Joey Sogge lieber nicht nach seiner Zeit, ist eh nur deprimierend - Helmut Braun, der Typ hat komischerweise sein Hemd ausgezogen, so was hat man ja noch nie gesehen, blubbert, “mein Azubi ist 333 gelaufen - da bildet man die Leute aus und zum Dank ....”.
Das Einzige, was es zu meggern gibt: der km 42 ist nicht ausgezeichnet - oder die Zuschauer stehen drauf - und die Colas muß man sich selber schnappen (Tipp: immer auf dem letzten Tisch, sagt Heiner).
Fazit: der Rose Marathon (man läuft an der Firma namens Elektro-Rose oder so ähnlich bei km 13 vorbei) in Minden ist ne Nummer für sich, aber eine gute Nummer - klasse organisiert (inklusive Laktattest nach dem Lauf - wer braucht denn sowat?) und alles nahe beieinander - und man trifft die verrüggten Freunde und es macht einfach Spaß mit dieser Affenbande zusammen zu sein - wenn nix dazwischen kommt (z.B. ein nerviger Trainer), dann nächstes Jahr wieder in Minden - vielleicht mal, was die Zeit angeht, einen Marathon opfern und sich als Schrittmacher und on-the-spot-Direkttrainer für junge Frauen opfern.
Grüzi
Schneggi
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