Minden - ROSE Marathon Minden am 06. Juni 2004 - "Powerschnecke bei den Ostwestfalen"
Der Minden Marathon läßt sich für gewöhnlich in 5 Punkten abhandeln: Sonne pur, Hitze extrem, Schwitzen total, zweite-Hälfte-Einbruch massiv, Zeiten katastrophal. So zumindest die Minden Marathons 2002 und 2003 für Powerschnecke - jedes Jahr noch mehr Sonne, noch heißer, usw. Trotzdem, wer das Minden Gehopse nicht mag, dem ist nicht zu helfen. Also auf zum 4. Rose Marathon in Minden.
Anfahrt auf Autobahn und Schnellstraße ist prima (außer dieser ewigen, unnötigen Blitzerei wegen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 - am Sonntag Morgen zwischen 7 und 8! - da sind doch nur die bekloppten Läufer, ein paar langweilige Angler und die gefährlichen Jäger unterwegs), Minden ist leer, einfach nur geradeaus, Parkplätze für Tausende Autos, 300 Meter Fußweg zum Weserstadion, Unterlagen picobello geregelt, Startnummer-im-Wäschesack-Ausgabe unchaotisch, alles mit einer Lässigkeit und Routine - wer da Probleme und Stress kriegt, der kann sich auch nicht mit der linken Hand kämmen (als Rechtshänder). Die sind so unaufgeregt und “laid back” wie die Amis sagen würden, bis 20 Minuten vor Start war die Hauptstraße, wo der Start erfolgt, immer noch nicht gesperrt - aber null Problemo, auf die Sekunde genau wird geschossen. Wichtiger Punkt: genügend Toilettenhäuser - man muß nur wissen wo, nämlich vor dem Museum.
Und man trifft Hinz und Kunz - man denkt an nichts Böses, da parkt Heiner Schütte mit seiner Riesenkiste (hat schon mal jemand die Lehrergehälter von Regierungsseite in die Diskussion gebracht? nur mal so angedacht?) neben dem Powerschneckschen Winzling. Man denkt immer noch nicht an Böses, da lümmelt Meister Affenzahn (Spitzname: Affenraucher) neben der Damentoilette. Hey, das war ja gar nicht abgemacht, das war ja nicht mal bekannt. Dann tauchen noch HaJo Meyer und Joachim Hoier und andere bekannte Missetäter auf. Eine Minute vor dem Start meint Jürgen Kuhlmey: “Ich dachte gar nicht, dass Du so sportlich bist”. Da muß man erst mal drüber nachdenken, was das bedeutet. Keine Zeit, HaJo drängt nach vorne, Powerschnecke quetscht sich zwischen Affenzahn und Heiner in den schnellen Block. Es wird heftigst am Rande getrommelt - aber mit Rhythmus - viele hopsen im Takt herum, alle quatschen, eigentlich wie auf einem Straßenfest, total relaxed.
Peng - der schon erwähnte Schuß. Affenzahn hängt sich an Powerschnecke dran. “Hey, was soll das? Los nach vorne mit Dir!” - “Nee, heute laufe ich mit Dir” - “Nichts da, verschwinde, hau sofort ab, Du kriegst n Tritt in Hintern, ich hole Dich später wieder ein. Bleib an Joachim dran!” - “Biste meschugge? Der brettert ja wie ein Irrer.” Na endlich düst Affenzahn los. Wo ist Heiner geblieben? Dranbleiben. Au Mann, erster km in 5:05 km - Heiner bei km 2 eingeholt: “Biste verrückt? Fast Fünferschnitt. Das halten wir nicht durch.” - “Wieso nicht? Läuft doch prima.” Von wegen, Pulse average 175 und Pulse max 204 und keine Läufer zunahe dran und keine Oberleitungen von wegen Interferenz - sowas treibt einem ja den Marathonangstschweiß auf die Stirn. Aber nach 2 kms beruhigt sich das ganze wieder, da muß irgendetwas unter der Hauptstraße liegen, was da zwischenfunkt. Leute überholen rechts und links - schade, dass man sich die nicht alle merken kann - ob man die wieder überholt? später dann vielleicht, wenn’s heiß wird? Einen konnte man sich merken: die Nummer 1593 (da Nummer auf’m Rücken - sowieso schon doof), muß schon vor km 5 den Weg der anderen schneiden, ruft seinem Mitläufer zu “wir sind zu langsam”, gibt Gas, tropft vor Schweiß; häh häh, “am Ende wird abgerechnet”, nämlich 8 Minuten länger unterwegs kleine dicke langsame Powerschnecke. Schon mal vorweg: es wird nicht heiß, es bleibt bedeckt - dieses Mal sind die Duschen aus den Gartenschläuchen der Anwohner während den ersten 10 kms und den letzten 6-7 kms nicht nötig und auch gar nicht da.
Nach ewigen Laufen durch Vororte und Siedlungen dann ins Freie, Ostwestfalen pur, die bei Sonne und Hitze gefürchteten Wege entlang Feldern ohne Wind und Schatten, rechts oben grüßt Kaiser Wilhelm, links die veranstaltende Firma Rose (der Marathon hat also nichts mit Blumen zu tun), bei km 16 über die Weser drüber und dann gleich runter zu ihr - der erste Geher, schon bei km 18? - Industriegelände, die letzten Häuser markieren den Halbmarathon, dann ab in die Wildnis (fast) - oje, die Sonne kommt raus - jetzt geht’s los, bei km 25-26 wieder über die Weser mittels der Autobahnbrücke (irre, ein Fußgängerweg parallel zur vierspurigen Autobahn nur durch ein läbisches 60 cm hohes Geländer abgetrennt - es wird, so muß es ja in Deutschland sein, dort überschalllmäßig gerast), endlich auf der anderen Weserseite wieder runter und schön zwischen den Felder hindurch, nun endlos lange die Weser zur Rechten, zurück in die Vororte, links steht auf dem Asphalt die 15 (Gottseidank steht auf unserer Seite die 38), nochmals über eine unnötige Fußgängerbrücke, immer noch Felder, scharf links und geradeaus, am Tennisplatz vorbei, am Ruderclub, auf die Bahn des Weserstadions, großer Empfang - Einläufe in Stadien auf Bahnen sind doch etwas Besonderes.
Powerschnecke zu Heiner bei km 5: “Da vorne läuft HaJo ganz in gelb. Den behalten wir im Auge. HaJo hat während der Woche keine Zeit zum Laufen, er trainiert nie.” - “Ich auch nicht, höchstens ein bißchen Fußball.” Meine Güte, alles Spitzensportler, Affenzahn, HaJo, Heiner, keiner läuft wochentags durch die Gegend. Naja, Heiner ist Lehrer, da hat er ja unter der Woche genug Zeit und die endlosen Ferien! Trotzdem geht Heiner dann in den 10ern verloren. Bei ca. km 28 signalisieren der sehr besorgte Blick und die Frage “geht’s noch?” einer Zuschauerin, daß Powerschnecke wieder mal fix und fertig aussieht. An dem gelben Mann dranbleiben - auf der Autobahnbrücke bis auf 50 Meter rangearbeitet - aber HaJo nimmt unfairerweise nicht alle Verpflegungsstände an und läuft einfach durch - trotzdem bei 30 km dann an ihm vorbei - da guckt er aber aus der gelben Wäsche: “Aber hallo, was ist heute los?” Obwohl HaJo pensionierter Lehrer ist (heute wird mal über diese Spezies gelästert), hat er Ehrgeiz und läßt sich so etwas nicht gefallen - bei km 37 dann schleicht er wieder vorbei und zieht unnötigerweise auch noch an, ein wahres Kraftpaket. Später meint HaJo, er wollte nicht überholen, aber eine Läuferin habe ihn inspiriert - huhuhu - HaJo ist ein Kämpfer, ein zäher Bursche, der um jede Minute und Platzierung fightet - richtig so, das ist ein Wettkampf, und nur so wollen wir es haben. Wenn bei km 41 wie auf ein Signal hin Powerschnecke links und rechts von 5 bis 6 Draufgängern überholt wird, dann wird da gegengehalten, dranhängen, Gas geben, einfangen und versägen (zwei sind aber entwischt - macht nichts, nächstes Mal eben).
Nächstes Mal vielleicht genauso mit HaJo, dieses Mal (noch) 32 Sekunden Vorsprung - Affenzahn dreieinhalb Minuten Vorsprung (typisch Affenraucher, erste Hälfte brettern, dass die Gummisohlen qualmen, siehe Formel-1, zweite Hälfte spazierengehen mit Krückstock, siehe Seniorenausflug der M95) - Jungs, paßt auf, Powerschnecke kriegt Euch bald - wenn Ihr nicht daran denkt oder rumtrödelt. Affe meinte hinterher: “Wenn Du mich einholst, muß ich anfangen trainieren. Wenn das auch nichts hilft, dann werde ich aufhören zu rauchen.” Woa, alle haben’s hier gelesen. Affenzahn gibt alles, ein wahrer Marathonläufer. Allerdings hat er was auf den Ohren. Er behauptet stur und steif, dass der Stadionsprecher “Hansi ... aus Braunschweig” sagte; “nein hat er nicht” - “doch hat er, ich bin ja nicht blöd” (über das blöd müssen wir diskutieren, aber die Ohren sind definitiv für den Jahres-ASU dran - bzw. das einmal-im-Jahr-Putzen). Der Sprecher, übrigens derselbe wie beim Münster Marathon, holt HaJo ans Mikrophon und will Genaueres über die 806 bei der Anmeldung aufgeschriebenen Marathons wissen - HaJo korrigiert das auf 815. Der Herr Sprecher renkt sich nicht mehr ein und faselt minutenlang über diese 815. Wir sind alle schon unter der Dusche, da labert er immer noch über die 815, war total von den Socken. Man sollte ihm mal das 100 MC-Heftchen schicken.
Übrigens Dusche. Hannover mit seinen Duschzelten, in denen 10 bis 20 Zentimeter das Wasser stand, war schon klasse - die Mindener setzen noch eins drauf: Duschraum ohne Sockel oder so Kram und, da absolut null Abfluß, ist das Wasser im Duschraum circa 10 Zentimeter hoch, fließt ungebremst mit Schaum und Pflaster und weiß der Geier alles drin direkt in die Umkleideräume und von dort ins Stadion - eine fast schon geniale Erfindung.
Affenzahn mault noch über die Getränkeversorgung - einen Tee, “da kriegt man Würmer” (Hamburger Redensart?), kein Cola, nur stilles Wasser ohne Kohlensäure (jeder normale Marathonrenner möchte eigentlich nur stilles Wasser, aber dieser Herr wie immer konträr). Er meint, was die Getränke angeht, sei man von den Teichwiesen dermaßen “verwöhnt”... Aber dafür bekommt er dann doch endlich die schon lange versprochene Riesenknackigebockwurst auf dem Weg nach Hannover. Beim Knacken der Knackwurst meint Affenzahn, daß er seit dem Beginn des Marathonlaufen ganz schön Muskulatur aufgebaut habe. “Ach was? wo denn, Du Klappergestell?” - “Na an den Beinen, wo denn sonst?”. Wie hat diese dürre Vogelscheuche denn vorher ausgesehen? Die Frauen in der Firrma bei der Arbeit würden jetzt beim Grabschen seines Pos anerkennend von “aha, ein Marathonläufer” sprechen. Hey, Mann, das ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Paragraph dingsbums des Blahblahgesetzes.
Zum Schluß wird Affenzahn dann noch zum 4. Braunschweig Marathon am 24. Oktober 2004 (alle aufschreiben!) eingeladen. Da quakt er mächtig rum: “brummel, brummel, mecker, mecker” - beim 1. Braunschweig Marathon in 2001 wurden ihm die Schuhe in der Umkleide geklaut - wer mopst denn diese alten, dreckigen, ausgelatschten, stinkenden Schuhe von einer Marke, die sowieso keiner läuft (Puma)? War bestimmt die Putzfrau, die dachte, daß es sich um Müll handelte. Auf jeden Fall fordert Affenzahn persönliche Bewachung seines Hab und Gutes durch den Veranstalter. “Nicht nötig, kannste bei mir duschen” - “Nicht so gut, da muß ich ja zwei Stunden im Stadion auf Dich warten”. Elender Rotzer, Du wirst in den Braunschweiger Hügeln das Kriechen lernen.
Fazit: ein toller Marathon in Minden, eine prima Organisation, eine angenehme und abwechslungsreiche Strecke, zufriedene Kunden, leckere Nudeln mit Bologneser Sauce hinterher, kein Stress, keine Hektik, keine Berge (obwohl Affenzahn, als Ausrede, öfters von “ist nicht ganz leicht”, “diese Hügel” oder ähnlichen Kram labert) - kurzum ein angenehmer Lauf mit vier Marathonsternen - bleibt im Kalender - sowieso wenn es jedes Jahr Verbesserungen in den Zielzeiten gibt. Übrigens die schnellsten Beiden gingen Hand in Hand über die Ziellinie - auch nicht alle Tage sowat.
Grüzi - bis denne
Powerschnecke
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