Nürnberg - 6-Stunden-Lauf SCMT am 13. März 2004 - "Powerschnecke bei den Franken"

Montag, 15. März 2004


Nach dem Stein-Läufchen meinte Robbo SoftEgg, dass Powerschnecke jetzt die zweiten sechs Stunden angehen könne. Jawohl, Herr General, zu Befehl, wird gemacht (Robbo war in der glorreichen Britischen Royal Army). Aber nicht gleich, sondern eine Woche später. So ging’s also zu den fränkischen Schlappohren, wo im Jahr zuvor Powerschnecke schon um die Wöhrder Wiesen raste - äh, manchmal auch ein klein wenig spazierte. Damals war nach 4 Stunden die Luft total raus und nur Thomas Miksch, der Sieger mit irgendetwas um 85 km, konnte noch helfen, er ist ja Arzt - halt, er ist Chirurg, das ist was anderes (Insider-Scherzchen). Powerschnecke erdreistete sich, ihn anzulabern und neben ihm mitzulaufen, d.h. mitzusprinten. Angesichts der akuten Luftnot und den sich ankündigenden Zeichen eines baldigen medizinischen Notfalles meinte Thomas dann nach etwa 100 Metern, dass man besser nach dem Rennen miteinander reden sollte. Immerhin ist Powerschnecke danach nicht mehr gegangen, sondern ist in seinem ersten 6er den Rest wenigstens durchgelaufen.

Apropos General Robbo SoftEgg: Mit dieser Rotznase hat Powerschnecke noch ein Hühnchen zu rupfen; schreibt der doch glatt auf der 100 MC-Webseite, so dass alle es lesen können, dass Powerschnecke besser schreiben als laufen kann. Der Mann hat keine Ahnung, Ex-Militär, was will man da schon erwarten, auch noch Engländer dazu. Powerschnecke kann nämlich weder schreiben noch laufen. Es gibt da Ghost Writers, die für viel Geld sich dieses Gesabber aus den Fingern ziehen. Und was das Laufen betrifft, muss hier einmal Meister Affenzahn zitiert werden: “Mensch Powie, auf den Fotos von Marathons siehst Du immer so total fertig aus” - Powerschnecke: “Mann, Affe, das ist gut, dass die Foto so sind - die Fotos zeigen die Wirklichkeit - ich bin nämlich immer total fertig”. Übrigens haben wir 2004 das chinesische “Jahr der Affen” bzw. das “Jahr der Affenzähne”.

Also auf nach Nürnberg, zum Sri Chinmoy Marathon Team 6-Stunden-Lauf. Dieses Mal im noblen Mercedes der Profesora Espanola - leider nur ein Diesel 190D. Früher sind mit sowas im Schwabenland die Bauern auf den Feldern rumgefahren. Der Mercedes hat sich spontan wegen dieser Verunglimpfung gerächt, er hat zurückgeschlagen, mit seinem Kofferraumdeckel mit dem Resultat einer saftigen Beule an Powerschneckes äusserem Hirn, kein Kratzer am Mercedes.

Beim Rodgau 50 km-Getrampel durch zuerst Schneematsch und dann Dreckmatsch Ende Januar erkannte Powerschnecke bei einer Überrundung in einem der Läufer den Klaus Schulz, den Organisator des SCMT-Laufes in Nürnberg. Nach den paar Minuten Small-Talk verabschiedete sich Klaus und wollte noch Powerschneckes Namen wissen; meinte er: “Ach, Du hattest letztes Jahr angerufen; aus Braunschweig, nicht wahr?” Meine Güte, da ruft ein Penner aus der Provinz in Berlin an und Klaus kann sich ein Jahr später an Namen und Ort erinnern, was für ein Gedächtnis, unglaublich. Er wird aber fuchsteufelswild, wenn jemand denkt, dass die Sri Chinmoy-Sache eine Sekte sei; nein, das sei ein Lauftreff, eine Laufphilosophie.

In Nürnberg fand sich wieder das “Völklein der Multiläufer” ein. Im Märzheft von Runner’s World steht auf Seite 27 am Ende des Artikels: “Sportmediziner raten zu einem Marathon pro Jahr, höchstens zwei”. Da liegt ja Powerschnecke voll im Trend und befolgt brav die Anweisungen der Sportmediziner, natürlich alles Superexperten (wo wären wir ohne diese Experten?). Den eklatanten Druckfehler von Runner’s World (es muss natürlich heissen “pro Woche” und nicht “pro Jahr”) verzeihen wir nochmal, kann ja mal passieren. Diesen “einen Lauf” pro Woche hatten auch noch etliche andere im Sinn, berühmte und weniger berühmte; von der 100er-Bande: Sigrid (Eichner), Klaus (Neumann), Thorsten (Themm), René (Wallesch), Karl-Heinz (Jost). Andere bekannte Figuren wie Ingo Schulze, Uli Welzel, Horst Preissler, Robert Wimmer, Bernhard Sesterheim, etc. lungerten auch herum. Big Man Robert Wimmer wollte beim Heimspiel nur einen Trainingslauf absolvieren - plötzlich wurde man dann während des Rennens von ihm nicht mehr überholt. Hmm, seltsam. Thomas Miksch wollte angesichts der Deutschen Meisterschaft in Grünheide/Kienbaum über 100 km genau 2 Wochen später auch nur einen Trainingslauf machen. X andere sprachen auch von Trainingsläufen. Sogar die Webseite notierte: “Ein Schnupperlauf für alle, die einmal mehr als einen Marathon laufen wollen, und für Alte Hasen ein Trainingslauf in lockerer Atmosphäre”. Holla, holla, holla. Schnupperlauf für Powerschnecke? Mit bereits 12 absolvierten Ultras? Nee! Trainingslauf? Auch nee! Mehr oder weniger lief dann Powerschnecke als einziger ein Wettrennen, alle anderen “trainierten “nur.

Etliche Schnarcher in der Turnhalle schauten am nächsten Morgen ziemlich müde aus den ungewaschenen Gesichtern - es gab soviele und äusserst produktive Schnarcher, dass sie sich gegenseitig störten. Aber auf der Wiese war dann alles vergessen: es war doch tatsächlich hell und trocken und sogar sonnig. Alles schien total ruhig und locker und unaufgeregt abzulaufen. Der einzige, der irgendwie Eile hatte, war Thomas Miksch, der ratterte und ratterte die Runden weg - Trainingslauf, was? - aha!

Profesora Vi hatte einen ganz schweren Tag erwischt. Aufgrund des fantastischen Sonnenscheins musste sie sich auf eine Parkbank am Rande der Strecke setzen und immer in die warme Sonne blinzeln. Etliche Läufer bedauerten sie wegen dieser Mühsal doch sehr. Bekanntlich ist die fünfte Stunde beim 6-Stundenlauf die “tote Stunde”, über die man sich hinwegretten muss. Auf ein “Venga, venga! Du musst Dich beeilen!” gab es dann auch nur ein rotziges “Sei ruhig! Tu mi rompes los cojones!”

Notiz für Begleitteams von Marathon- und Ultraläufern. (1) Sagt uns nie: “schneller, schneller”; abgesehen von diesen “Trainingsläufern”, die ja doch immer rudern wie die Wilden, laufen die meisten von uns schon ziemlich flott, halt im Rahmen von unseren meist doch bescheidenen Möglichkeiten; wenn wir könnten, würden wir auch von selbst schneller laufen. (2) Ruft uns nie zu: “nur noch eine kurze Zeit!” (und es sind zum Beispiel noch 73 Minuten beim 6-h-Lauf); denkt Ihr, wir sind blöd oder haben keine Uhr oder tragen die Uhr nur als Accessoire? (3) Sprüche wie “nur noch wenige Kilometer” (und es sind zum Beispiel noch 8 km beim Marathon) können ganz schön nerven; die meisten Marathonbeknackten können bis 50 zählen - viele sogar rückwärts - und wissen meist, wo man gerade ist. (4) Die Schlimmsten sind die, die vielleicht aus Mitleid oder aus einer intellektuellen Überlegenheit heraus, mit fröhlichem Gesicht lügen: “nur noch 2 km” (und es sind eigentlich noch 3) oder “nur noch 500 Meter” (und es sind tatsächlich noch mehr als 1200 Meter). Also, Vorsicht, wir können auch beissen und spucken, wenn man uns zu sehr ärgert. Noch etwas: Einer konnte sich nicht verkneifen, als Powerschnecke eine neue persönliche Bestzeit im Elbtunnel Januar 2004 lief, zu bemerken: “unglaublich, bei diesem Laufstil”. Uaaaah! Gelbe Karte, eigentlich schon orange.

Beim letzten Überqueren der Startlinie blieben Powerschnecke noch etwas weniger als 4 Minuten übrig bis zum Tuten der Hupen. Da kam von hinten der Angriff der Rentner. Karl-Heinz Jost, schon in Stein unangenehm als notorischer Überholer aufgefallen (mit 400 Meter am Ende mehr als Powerschnecke) schoss vorbei und zog von dannen. Kleines, dickes, müdes (sehr müdes) Powerschneckchen hinterher (“dieses Mal aber keine 400 Meter weniger”), immer 5-10 Meter dahinter, auf leisen Sohlen, unbemerkt vom Rentner. Da, um 5:59:50 h dann der entscheidende Endspurt - um 5:59:55 h an Karl-Heinz vorbei - um 5:59:56 h setzt dieser zum Gegenangriff an (“hey, so geht das aber nicht”) - um 6:00:00 h hatte der rasende Rentner dann 12 Meter Vorsprung. Tja, diese Rentner, haben den ganzen Tag Zeit zum Trainieren. Karl-Heinz: “Seitdem ich Rentner bin, habe ich keine Zeit mehr, man kommt zu nichts”. Diese Sprüche kennt man, jaja: bis 9 Uhr morgens schlafen und dann am Vormittag eine 10 km-Tempoeinheit, eine Stunde Mittagsschlaf, im Garten in der Sonne die Zeitung lesen, am Nachmittag einen langen ruhigen 20 km-Lauf, und am Abend zum Einkaufen gehen (sonst wären die Supermärkte ohne all die Rentern für die, die tagsüber malochen, viel zu leer). Man muss aber ehrlicherweise folgendes hinzusagen: Als in den ersten Runden Horst Preissler an Karl-Heinz und Powerschnecke vorbeidonnerte, rief der Kieler Multi-Triathlet ihm noch hinterher: “Horst, abgerechnet wird zum Schluss”. Recht hatte er - was wären wir nur ohne unsere Rentner?

Also kurz vor Powerschnecke beim Stehenbleiben nach 6 Sunden, äh, auf-den-Boden-sich-hin-pflatschen-lassen, Sprinter Karl-Heinz und - Überraschung - kurz dahinter der Sieger Thomas Miksch, allerdings mit ein paar mehr absolvierten Runden (es können auch aber kaum mehr als zwei oder drei Runden mehr gewesen sein, ähem). “Hey, Thomas, nicht schlecht für einen Chirurgen”. Thomas: “Ja, danke, auch nicht schlecht für einen Internisten” (er meinte eigentlich Hämatologen - aber so komplexe Wörter können die Chirurgen nicht aussprechen), offensichtlich nicht wissend, wie wenige Kilometer der Braunschweiger hingelegt hatte. Aber an Thomas gibt’s überhaupt nichts zu meckern. Schöner Laufstil, immer freundlich und so höflich (“Entschuldigung, darf ich mal überholen”) und hat Respekt vor der Leistung der Langsamen; für Sigrid ist es vielleicht schwieriger, 50 km zu laufen als für Thomas über 80 km. Ein Klasse Mann, bescheiden, nicht arrogant, rundum sympathisch - eben ein Allgäuer (fast ein Schwabe!).

Zum Abschluss: Es gab drei Männerumkleideräume, einer davon ohne Licht, vermutlich defekt (oder hat niemand auf den Lichtschalter gedrückt?); dahinein kamen die alten oder häßlichen oder beides Männer. Trotz Dunkelheit, man kennt sich oder lernt sich schnell kennen. Noch nicht einmal geduscht, werden schon die nächsten Läufe besprochen. Ja, so sind wir: eine rare Ansammlung von Bekloppten, ein Haufen von exzentrischen Individualisten, eine komplett verrückte große Familie. Man kann sich darin sauwohl fühlen.

Bis zum nächsten Mal

Grüzi
Eure Powerschnecke


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