Powerschnecke in Bayern – Tag 1 des Isarlaufes 2004, am 17. Mai 2004

Dienstag, 18. Mai 2004


Montag, erster Tag des Isarlaufes. Um 6:30 Uhr muht entweder eine Kuh oder es bimmelt ein österreichischer Alarmwecker. Uli Schulte quasselt beim Frühstück immer noch von Werder Bremen – nichts wie weg. Um 8:30 Uhr (spätestens!) Einladen des Gepäcks, sonst kann man mit eigener Sporttasche oder Rucksack laufen – Uli Welzel führt ein strenges Regiment – vermutlich nötig.

Im Hotelfoyer hängen noch die Cracks des Transeuropalaufes rum und reminiszieren in Erinnerungen. Robert Wimmer lobt schon mal prophylaktisch Uli Welzel: „Das war gestern Abend das beste Briefing, das ich je erlebt habe. Kompetenz pur“. Uli bekam fast rote Ohren. Oberexperte Markus Müller schrieb mit Hand in ein Schulheft – ob er das alles notiert hat?

Wer ist eigentlich alles vom 100MC dabei? Klaus Neumann, Sigrid Eichner, Bernhard Sesterheim und Powersnail.

Gemeinsames Watscheln zum Parkplatz, wo der Start ist. Alle Läufer mit blauen Erdinger- Alkoholfrei-Laufhemd. Aufstellung zum Gruppenstartfoto. Die ganze Bande steht unter dem Banner „Start“ – gegenüber die Phalanx der Fotographen, ungefähr 6 Leutchen. Blitzlichtgewitter – Ingo Schulze: „Wie lange dauert das noch? Ich kann die Luft nicht mehr anhalten, zum Baucheinziehen.“. Dann spricht noch der Bürgermeister von Scharnitz, ein Typ wie einst Franz-Josef Strauss. Plötzlich ein Startschuß – ui, wo ist der Knopf zum Drücken der Stoppuhr?

Erst einmal geht’s noch weiter die Isar entlang rauf. Nach 100 Metern kommt ein Anstieg (circa 1 Höhenmeter). Heinz Jäckel, noch geschlaucht vom Rennsteig, zu Willem Mütze, Käsetreter und auch beim Rennsteig gewesen: „Willem, ich kann nicht mehr“. Willem: „Es ist nicht mehr weit.“ Von da ab nur noch ein Bilderbuchlauf, 11 km und wieder zurück in der Idylle, Schluchten, Wasserfälle, Schnee auf den Bergspitzen, Sonne, blauer Himmel – fehlen nur die Adler und Gemsen.

Es pendeln sich die Laufgruppen ein. Die Sprinter kommen bald wieder entgegen – Robert Wimmer und Eberhard Bergner vorne weg. Nach hinten sichert erst mal Sigrid Eichner ab – sie wird aber nicht Letzte werden. Davor ein permanentes Hin und Her, es findet sich diese Zweiergruppe, es bildet sich jene Dreiergruppe. Eberhard Ostertag und Bernhard Sesterheim erzählen vom Marathon de Sable. Bernhard versucht, uns zum Ile de Reunion-Lauf zu verführen. Edgar Kluge berichtet vom Yukon-Lauf. Willem Big Cheesefoot schwärmt: „Damals in den Ardennen, 100 km, Mann, das war hart“ (war letztes Wochenende). Heinz Jäckel ist ein linksfüßiger Fußballspieler. Heinz und Willem jagen sich gegenseitig, ein Foto von Willem vor der Bergkulisse muß abgebrochen werden: „Da kommt schon Heinz, der darf mich nicht kriegen“. Harald, der einzige Österreicher, schimpft über den großen Wien Marathon.

Wie erkennt man den Weg? Nicht den anderen Dusseln hinterherrennen, sondern selbst nach ca. 3 cm roten Aufklebern mit schwarzen Pfeilen gucken – an Verkehrsschilderpfosten, Brückengeländern, etc. Auf dem Boden, allerdings in der gleißenden Sonne und auf den Schotterwegen schwierig zu sehen, sind drei gelbe Punkte, hintereinander in Laufrichtung. Endlich haben die permanent-auf-den-Boden-vor-sich-Hinglotzer auch mal einen kleinen Vorteil.

Der Grenzübergang von Ossieland zu den Bayern besteht in einem alten Schild: „Landesgrenze“. Bernhard Sesterheim schreit: „Juhu“. Die Verpflegungsposten sind optimal. Bei Posten 4 steht Uli mit dem weißen Hemd mit dem grünen W drauf und labert immer noch über die W-Fußballer. Danach wird’s knackig, auf die Hügel und auf Schotter, rauf und runter. Zwei weitere Käsetreter tauchen vor Powerschnecke noch auf, zuerst Theo und dann noch Jan – beide werden höflichst überholt. Der vierte Holländer, noch ein Jan, ist verletzt, aber trotzdem dabei. Was für ein Teamgeist, diese Oranje-Boys.

Im folgenden Naturschutzgebiet ist weit und breit keine Seele, niemand zum Einfangen, niemand dahinter. Es wird mächtig heiß und Durst und Müdigkeit kommen auf. Jetzt den Kopf beschäftigen. Was für ein Tag heute? Ah, Montag, Vorlesung an der Uni – heute B-Lymphozyten und Immunglobuline. Dann können die Tannen und Eichhörnchen die Vorlesung hören. Aber nach 10 Minuten verbalen Diskurses kamen immer noch keine Fragen, allgemeines Desinteresse - dann eben nicht. Ins Naturschutzgebiet dürfen die Helfer nicht mit Autos reinfahren. Aber die super-Jungs vom ersten Stand sind auf Fahrräder reingedüst und haben ein paar Sachen zum Trinken mitgenommen.

Kurz vor dem heutigen Ziel, bei km 56, taucht noch Ingo Schulz vorne in der Distanz auf. Sehr schlechte Laune. Zieleinlauf mit Computer direkt an der Berghütte. Urige Berghütte hieß es am Vortag. Alles wie beim Schullandheimausflug – später Essen und Briefing auf der Wiese. Sigrid hatte sich auf den vorletzten Platz vorgekämpft und hält einen richtigen Siegerinneneinlauf: „Wer hat diese Strecke ausgesucht?“. Einer, Rudi mit Schnauzer und ansehnlicher Wampe, hat’s beinahe nicht geschafft – wegen Verlaufens kurz vor dem Zeitlimit reingekommen.

Eigenes Fazit des ersten Tages: zu schnell gelaufen? sind die Überholten langsamer oder einfach klüger und erfahrener? Sonnencreme drauftun vergessen, Lobster-aus-dem-heißen-Wasser-artiger Kopf. Lob für Uli Welzel nach dem Zieleinllauf: „Klasse, fantastisch, super, Note 1, nee, Note 1 mit Stern“.

Was kommt morgen? 62 km und viel viel heiße Sonne. Die Meute wird in die Eliteläufer und in die Schneckenläufer eingeteilt – Platz 1 bis 30 die Ersteren, die dann um 8:00 Uhr starten sollen, und Platz 31-44 die Letzteren um 7:00 Uhr. Powerschnecke ist auf dem ersten Platz der Schnecken, als doch „diplomierter Schneckenführer“.

Grüzi
Powerschnecke


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