Eisenach - 32. Gutsmuths Rennsteiglauf Supermarathon am 15. Mai 2004 - "Powerschnecke in Thüringen"
Nach dem "Festmahl" im Zelt der Organisation und nachfolgender Bratwurst und noch einem Eis, sitzen jetzt Affenzahn und Powerschnecke im Hof des Elisabeth-Gymnasiums in Eisenach und futtern Schmalzbrote (hier heißt das Fettbrote) mit Essiggurke und (ausnahmsweise zur Feier des Tages) mit Eisenacher Wartburg Pils. Affe ist schon besoffen und frech wie immer. Wenigstens gibt er zu, daß er für Fressalien käuflich ist: eine Pizza ist 10 Minuten wert und eine Schachtel Kippen 20 Minuten; also Deal für morgen, den langen Rennsteig, 3 Pizzas und 1 Schachtel Zigaretten = 50 Minuten bei km 50 zehn Zigaretten rauchen, im Sitzen - und auf Powerschnecke warten . Aber plötzlich will er von dem Geschäft nichts mehr wissen ? aha, hat doch Angst, daß er überholt wird.
Während er letztes Jahr bei der gemeinsamen Fahrt stundenlang nervte mit: "schaff ich das? schaff ich das?" usw. (war der erste Ultra des Jünglings), ist dieses Jahr die Nervensäge: "was ziehe ich an? kurz oder lang? lang oder kurz?" Angeblich stand laut Affenzahn ("ohne Scheiß - ich bin doch nicht blöd!") im Internet eine -12 °C für Eisenach. Früstück um 3:30 Uhr (nachts!), Abfahrt um 4:30 Uhr - was soll man eigentlich um 5:00 Uhr am Marktplatz am Start, wenn der Start um 6:00 Uhr erst ist?
Affenzahn liest mit und möchte, daß Folgendes hinzugefügt wird: Affenzahn ist heute zuerst angekommen und Powerschnecke stand stundenlang im Stau (wie immer).
Aus der roten HH-Schrottkiste, die im Formel-1-Stil auf dem Parkplatz noch Staub aufwirbelt, entsteigen Norbert Bergziege Schmidt, Christian El Jefe Hottas und Lothar Uns Opa Gehrke. HaJo Eisenmeyer und Sigrid den-jungen-Amerikanern-zeig-ichs-mal Eichner schleichen auch herbei. Also wieder großes 100MC-Stelldichein.
Die Nacht war taghell, da in dem Klassenzimmer ein unsäglicher Bewegungsmelder installiert war, der bei jedem Umdrehen einer der Schnarcher (komplette Männerriege in unserer Klasse), super arbeitete. Nach langem Suchen wurde die verdammte Sicherung im Flur gefunden und gekillt. Trotzdem mußte Affenzahn, dieses nervöse Hemd, schon um 3:00 Uhr rumrumoren. Wenigstens bei der Frühstückausgabe zweiter und dritter Platz, juhu.
Auf dem Marktplatz um 5:00 Uhr wird Werner Sonntag erspechtet - gleich hin zu ihm. In seinem Bericht bei www.laufreport.de über den Dortmund-Marathon hatte er den Powerschneckschen Report zitiert und geschrieben: "Powerschnecke und Affenzahn - die beiden merke ich mir". Powerschnecke zu Werner: "Hallo, wir beide sind Powersschnecke und Affenzahn". Er guckte, war wohl noch zu früh am Tag, als ob einer sagte: "Wir sind Dick und Doof" (könnte ja gut sein).
Während Affenzahn auf dem Marktplatz noch etliche Zigaretten schnorrte (hatte nur noch zwei am Tag des Wettkampfes und die waren schon um 4:00 Uhr weg), kämpfte Rosi von Kocemba in der Schlange vor dem Dixie mit den Vorderleuten: "Beeilung, Beeilung" - Sina half mit und bellte, was das Zeug hielt - als es losging. Den Lauf und die Strecke und die Landschaft und die tollen Läufer und und und werden andere politisch korrekt und mit schönen Bildern und linguistisch stilvoll besser schildern.
Christian wurde gleich am ersten Anstieg kassiert - dann folgten Jürgen Kuhlmey und auch noch Barbara - heute lief es aber - oder sparten die nur ihre Kräfte? Affenzahn muß sich beim Start nach vorne gemogelt haben und war auf und davon. Rosi kam dahergeflogen, halb in der Luft wie ein Segel, gezogen von Sina. Dranhängen? Letztes Jahr hatten die beiden eine 8:19 oder so ähnlich. Nee, lieber nicht, es kommen noch 430 km (siehe unten). Als es weiterhin super lief, kam die Völlerei des Vorabends zum Tragen: fünfmal in die Büsche und zwar mit Karacho. Mindestens 10 Minuten gingen drauf. Aber wenigstens konnten Jürgen und Barbara so bei km 30 wieder eingefangen werden.
Beim Monsteranstieg bei km 25 kam mit Riesenschritten Mr. Big Cheesefoot (deutsch: der große Käsetreter), Willem Mütze - der Riesenkerl hat einen Zug, der ist nicht zu stoppen. "Hey, Willem, läufst Du heute oder gehst Du" - "Ich gehe" - "Beim Isarlauf, gehst Du oder läufst Du?" - "Ich gehe". Viel quatschen tut Big Cheesefoot nicht. Zwei Frauen, die er wohl schon zuvor mehrmals überholt hatte, riefen: "Da kommt das Tier!" - "Was für ein Tier" - "Ein Rottweiler". Wo niemand laufen kann, brettert Willem die Hügel rauf und runter, ohne Gnade oder Mitleid, ein Kraftpaket - nur 10 Minuten am Ende langsamer als Powerschnecke. Den muß man echt niederkämpfen.
Wenigstens zweimal kam dieser "Rausch". Dem Volk wird das als "Endorphine" vorgegaukelt. Wo sind diese Endorphine? Wie sehen die aus?. Wieso gibt es das nicht zu kaufen? Das wurde doch bestimmt schon längst gefunden und kann produziert werden! Da stecken doch Regierungen und Geheimdienste und ganz bestimmt das Militär dahinter. Wer an Verschwörungstheorien glaubt ("hat der britische Geheimdienst Prinzessin Diana ermordert?" - "war Ronald Reagan nur eine ausgestopfte Puppe?"), findet da sicher viel Material. Bei jetzt knapp 30.000 Genen des Menschen müßte man doch jetzt bei Bekanntsein des gesamten humanen Genoms diese verdammten Gene identifizieren können. Der Rest ist nur noch ein Klacks: Klonieren, in einen Vektor rein, in eine Produktionszelllinie damit, den Überstand purifizieren und schon haben wir das Protein - können wir alles, machen wir alles. Woa, was könnte man da Kohle machen? Als Erste würden die Radprofis die gesamte Jahresproduktion der ersten beiden Jahre aufkaufen, mit Optionen auf die nächsten 5 Jahre. Noch eine bessere Idee: Gentherapie. Das Gen in adulte Stammzellen transfizieren, den Schlamassel ins Knochenmark bringen - und dann das ganze Leben lang Marathons im Endorphinrausch am Limit laufen. Das können ja Angela und Edmund und Gerhard nicht gut heißen - und erst recht nicht unserer früherer Vorzeigemarathonpolitiker, kleines dickes Joschkalein.
Aufgrund des elenden Dünnpfiffs gabs nur noch Tee und Schleim. Letztes Jahr kam irgendwo zwischen km 50 und 60 ein Helfer auf dem Hohlweg entgegengelaufen: "Willste aufhören? Willste aufhören?" - "Warum? Sehe ich so miserabel aus?" Das war leider dieses Jahr nicht passiert. Schade, mit gewachsenem Selbstvertrauen hätte ihm Powerschnecke in den Hintern getreten. Die Wanderer machen einem zwischendurch das Leben schon etwas schwerer - aber okay, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. War es dieses Jahr matschiger, steiler, wurzeliger, steiniger als letztes Jahr? Keine Ahnung - jeder kämpft sich durch. Wie sagte eine wieselflinke kleine Läuferin: "Der Schluß ist das beste - da kann man lange durchziehen." Offensichtlich wie üblich steht das km 70-Schild total falsch: in 2003 viel zu früh, in 2004 viel zu spät.
Auf dem Parkplatz des Gymnasiums zurück in Eisenach zieht Bergziege Norbert einsam seine Kreise, er muß noch auf Lothar und Christian warten. Selber schuld, wenn er so schnell läuft. Die Zeiten der 100 MC-Bekloppen hat sicher El Jefe schon in seinem Bericht sauber aufgelistet.
Auf der Fahrt raus aus Thüringen ruft Affenzahn auf dem Weg nach Hamburg an: "Hey, Power, wieviele Würstchen haste auf der Wiese gefuttert?" Klar, der Mann denkt nur ans Essen. Er hatte 3 Würstchen, 2 Knackwürste, 5 Schmalzbrote, andere Brötchen, usw. verdrückt und von jedem Getränk getrunken. Unglaublich. "Affe, wegen Dir hatte ich Durchfall - Du mit Deiner Fresserei. Das geht auf Deine Kappe" - "Was! Du brauchst doch Energie" - "Ohne den Dünnschiß hätte ich Dich gekriegt". Affenzahn war nur 12 Minuten früher ins Ziel gekommen. Ehrlicherweise wohl mit umgeknickten und lädierten Fuß, so bei km 42 - wollte wohl schon aussteigen (ging aber kein Bus nirgendwohin - die faule Eule lief dann lieber weiter). "Hey, nächstes Mal kriege ich Dich Rotznase - in Biel solltest Du Dich ab und zu umdrehen, hahaha".
So, das war die erste Etappe des großen Mailaufes, quasi die Vorspeise. Gleich werden Powerschnecke und Alte Socke (Uli Schulte) nach der Übernachtung im Elternhaus aufs Ulmer Münster klettern, 500 Stufen auf den höchsten Kirchturm der Welt (kein Fahrstuhl) - und dann gehts zum Isarlauf, der am Montag anfängt, 328 km in fünf Tagen. Falls möglich (Internetanschluß?) kommen dann immer täglich Powerschnecksche Berichte. Falls Saft und Kraft und Schmalz am nächsten Wochenende noch da sind, gibts noch eine siebte Etappe, als Nachspeise.
Bis denne
Eure Powerschnecke (dick oder doof?)
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