Schmallenberg - Härdlerlauf am 10. Juli 2004 - "Ultrahalbmarathon Schmallenberg - Powerschnecke sauer im Sauerland"
Der Härdlerlauf über 44,5 km in Schmallenberg im Sauerland wurde von mehreren Leuten als schöner, aber schwieriger Landschaftslauf gepriesen. Sogar Il Capo Christian persönlich hatte ihn in Amelinghausen unter der Dusche wärmestens empfohlen. Also, dann fahren wir halt dahin. Wieder eine lange Tour, zwar nur 260 km weit weg, aber knapp 4 Stunden Fahrzeit, da es über Berg und Tal geht. Die 12 km- und die 26 km-Strecke hat man so mit dem linken hinteren Auge auf der Webseite beiläufig registriert.
Auf der Autobahn A7 erst nochmal Crosschecking, wat der Meister Affenzahn vorhat. SMS wieder in Hamburger Realpoesie: “He Power, fällt aus von wegen Scheiß Wetter und zu weit weg” (er meint den Unna-Marathon am Sonntag). He, weißt ja, Affen hassen Regen, gehen die Kippen immer aus. Na dann auch viel Spaß und grüße mal die Affenbande von mir.” Wird prompto erledigt. Nach dem ziemlichen Gegurke durch diese Berggegend erscheint Schmallenberg - unser neues Spiel: Autokennzeichen HSK (für Hochsauerlandkreis) - ab heute umgetauft auf “High Shit Kicker” (Übersetzung fällt flach - aber Erklärung: einfach weiterlesen). 100 MCler Christof Otto auf dem Parkplatz ist gleich superwitzig: “Der Lange fällt heute aus”. Powerschnecke glaubt kein Wort. Jedoch Tatsache bleibt Tatsache.
Ausgehändigter Zettel:
“Achtung — Achtung — Achtung”
Herzlich willkommen zum diesjährigen Härdlerlauf im Schmallenberg Sauerland
Aufgrund einer bis zum 09.07.04, 21:00 Uhr fehlenden behördlichen Genehmigung muss die Strecke über 44,5 km in diesem Jahr entfallen. Eine Absage bzw. rechtzeitige Information an Sie war leider nicht mehr möglich. Als Alternative können Sie nur die 26,2 km Strecke um 16:00 Uhr laufen. Bitte haben Sie für diese Änderung Verständnis. Wir haben alles Erdenkliche versucht, bis zum gestrigen Abend die entspr. Genehmigung zu erhalten. Leider ohne Erfolg.
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So ein Mist -“Benachrichtigung nicht mehr möglich”- Heiliger Strohsack - muß das denn in letzter Minute alles gemacht werden? Torsten Red Bull Themm ist auch ziemlich angefressen, immerhin schlappe 470 km von den Tiefen Schleswig-Holsteins bis hierher. Die meisten, so scheint es, steigen tatsächlich auf die 26-Tour um, die auch noch aus demselben Grund verkürzt wurde. Diejenigen, die in alten Finisher-T-Shirts rumschleichen (zum Beispiel Finisher Köln-Marathon, Finisher Duisburg-Marathon, etc.) haben erheblich grantige Gesichter aufgesetzt und sehen eher gefährlich aus - aus dem Weg gehen - nur nicht ansprechen - die schlagen alles kurz und klein. Auf dem Parkplatz randaliert (verbal nur) ein Typ mit dem gelben “Non-Stop-Ultra-Spaß”-Hemd, das man ja auch öfters sieht.
Werner Yuppie nimmts eher gelassen, das Urwolk aus dem Westerwald kann man nicht so schnell aus der Fassung bringen. Rainer Pizzamann Wachsmann aus Münster, noch vor knapp 2 Monaten Partner im nächtlichen Bettgeflüster beim Isarlauf, glaubt noch an die üblichen “blöden Powerschnecken-Scherze” (was für übliche Scherze denn? “blöde” schon gleich gar nicht!). Den Vogel schiesst Heiner der Clochard Schütte ab. Mit wilder Mine, wirrem Blick, zerzaustem Haar kann der Lehrer sich endlich mal so richtig austoben. Er kann sich nicht mehr beruhigen - er ist schon vor dem Lauf bei neuem Maximalpuls angelangt - er fordert die 11 Euro Einschreibegebühr zurück, verzichtet auf die Siegprämie, läuft aber trotzdem inkognito mit - zur Strafe zieht er eine Art Putzlappen aus der Autowerkstatt über den Kopf, war früher mal weiß mit roten Buchstaben drauf (so was mit 100 und Biel und km) - seine Socken seien noch schlimmer. Er sieht auch total fertig aus - 3 Nächte ohne Schlaf quasi - und das in den Schulferien.
Zuvor soll noch dieser Quatsch mit dem “Du-hast-aber-abgenommen” behandelt werden. Christof als zweites nach dem “heute-laufen-wir-nicht-sehr-lange-Witz” zu Beginn: “Du hast abgenommen” (zuletzt gesehen in Arolsen November 2003). Dann der Pizzamann: “Du hast abgenommen” (zuletzt gesehen in Bayern Mai 2004). Während der Woche wurde der Braunschweiger Marathon-Pfarrer getroffen (zuletzt gesehen vor ca. 1 Jahr): “Woa, Du hast aber ziemlich abgenommen”. Vor drei Wochen Fan No. 1 klopft auf den Bauch: “Hast wohl abgenommen?” Spinnen die alle? - oder wo liegt das Problem?
Andererseits kam diese Woche die CD zum Bonn-Marathon (April 2004). Normalerweise sind die Dinger eher nutzlos, meistens nur Ergebnislisten und endlos Werbung drauf, die man auch sonstwie kriegt. Aber okay, schauen wir mal die Action an: das Übliche, Cheerleaders hüpfen, Zuschauer klatschen, Normalpenner stretchen, Bürgermeister schießen den Startschuß, Zuschauer halten doofe Schilder hoch, Schneckenläufer strahlen, Eliteläufer brettern ins Ziel - woa, was ist das denn am Schluß? - nach noch ein paar Normaltypen ins Ziel kriechend, ein Junge in gelber Jacke mit dem Arm voll Medaillen, noch ein Normalschleicher vor der Kamera vorbeischleichend - und jetzt kommts: Powerschnecke im Trainingsanzug (blau!) auf einer Sitzbank im Fressalien-Hof beim Post-Marathon-wie-Fressraupe-Futtern - ganze 1,73 Sekunden!
Zurück zum Härdlerlauf. Der Clochard mault bei km 5 immer noch - okay, abhängen, sich nichts vermiesen lassen - nachdem man ihn wieder rankommen läßt bis km 10: er meckert immer noch - Junge, jüngste Forschungsergebnisse in der Mongolei zeigten eindeutig, dass Meckern Pickel an den Fußsohlen und hinter den Ohren macht. Werner Yuppie ist relaxed und plaudernd und angenehm, da kann man noch Tipps bekommen, wie zum Beispiel eine Marathontotalschnecke zur Halbschnecke und ein- oder zweimal im Leben zur Nicht-Schnecke wird. Mit Christof wird der Lauf zur Trainingseinheit mit Intervallen. Es geht viel rauf und nochmehr runter, da ein Bach, dort ein paar kms Matsch, irgendwie juckts überhaupt nicht, man plätschert so dahin, irgendwelche Distanzschilder gibts auch nicht (nur die letzten drei werden angezeigt), Wettkampfatmosphäre null, ein Spazierlauf.
Hinterher faseln noch andere, dass dies nie und nimmer 26 oder 25 km waren. Heiner redet in der Halle mit Händen und Füssen mit einem Offiziellen - alles vergebens - er hat jetzt schon rote Augen (oder kommt das von dem Duschen? - Wasser sind die Augen vielleicht nicht gewöhnt). Red Bull ist wohl so angefressen, dass er sicher durchgebrettet ist, ins Auto gesprungen und gleich nach Schweinfurt zu einem 60er gedüst ist.
Die Laune ist dahin, der Spaß ist weg. Nur Affenzahn bringt noch Lachen ins Haus; SMS: “He he, läufst Du ab jetzt etwa ULTRAHALBMARATHON?”.
Aber auch Fan No. 1 (Präsidentin und einziges Mitglied des Powerschnecken-Fanclubs) am Telefon hat nur Spott zur Hand. Hier Teile des Gedächtnisprotokolles:
Fan: “ ... und wie waren die 26 km?” (Lachen muß man sich dazudenken).
Powerschnecke: “So wie wenn ich hier durch den Wald renne, nur noch matschiger, und noch ein paar Hügel eingebaut - da lustlos, quasi nur ein Trainingslauf” (aggressive Stimme muß man sich dazudenken).
Fan: “Wie lange bist du denn gefahren” (lachen).
Powerschnecke (grantig): “4 Stunden hin”.
Fan: “Dann warst Du also sauer im Sauerland?” (lacht über die eigenen Wortspiele, doofe Nuß).
Powerschnecke (bissig): “Ja logisch”.
Fan: “Hast Du eine Medaille bekommen?” (lacht immer noch).
Powerschnecke (immer noch bissig): “Nö - natürlich nicht - außerdem wer braucht schon ne 26km-Medaille?”.
Fan: “Konntest Du duschen? Na, wenigstens etwas fürs Geld!” (Diesmal nur kichern).
Fan: “Mußtest Du ganz früh aufstehen - so um 4 Uhr?” (brüllt vor Lachen).
Powerschnecke (relaxed): “Nein, um 9 Uhr hier weg - um 23 Uhr zuhause”.
Fan (kann kaum noch reden vor lauter Lachgegacker): “Den ganzen Tag unterwegs für ein Training - huhuhuhuhuhuh - muß ein toller Tag gewesen sein - hähähähähähäh - hat sich echt gelohnt - uuuuuuaaaaaaaa - aber man muß ja Erfahrungen sammeln.” (inzwischen ohrenbetäubendes brüllendes Gelächter, man muß den Telefonhörer 10 cm vom Ohr weg halten).
Powerschnecke, den Tränen nahe, sagt nichts mehr - ist fassungslos.
Fan : “Das ist doch super lustig - so was habe ich noch nie gehört - hihihhihihihihihi”.
Powerschnecke (beißt schon in das Telefonkabel, das er um den Hals gewickelt hat): “Schön, dass es Dich amüsiert”.
Fan: “Soll ich weinen? hähähähähähhuhuhuhuhuh - auf den Bericht bin ich gespannt uuuuuuuuuuuuuaaaaaa” (die rollt wahrscheinlich auf dem Boden, liegt unter dem Tisch - Du kommst drin vor, Riesenschlappohr).
Fan: “Heute ist doch schönes Wetter - da kannst Du doch gleich hier nochmal 26 km trainieren - hähähähhähäh - und brauchst nicht 4 Stunden wo hin zu fahren - uaaaaaaaaaaaaaa”.
An diesem Punkt hat jemand die Telefonleitung aus der Wand gerissen.
Fazit: Mit diesem Fiasko (okay Probleme gibts immer mal und sind oft zähneknirschend-und-runter-Schlucken-akzeptabel; aber wie das hier ablief ist das in-den-Hintern-kräftig-treten-unakzeptabel) haben sich die Schmallerberger Schmalspur-Spezialisten keinen guten Dienst erwiesen und schon gar keine neuen Freunde gewonnen. Heiner: “Die wollen uns nicht haben, die sind nur an den Mountainbikern interessiert”. Christof: “Sowas merk ich mir, das kann ich dann nicht mehr verdrängen und kann somit nie mehr hierherkommen - da bin ich eigen”. Man hat doch schon zuviel Ärger und Probleme beruflich und privat, dann möchte man bei seinem verrückten Hobby ärgerlos-problemlos dahinsegeln - oder nicht? Hat Powerschnecke Recht oder nicht? (Grundregel Nr. 37: Powerschnecke hat immer Recht). Übrigens nächsten Samstag gibt es in Christchurch auf der Südinsel von Neu-Seeland einen super-duper 5 km-Lauf (Hinflug über USA nur 30 Stunden, Rückflug ca. 28 Stunden - Flug über Asien schlappe 34 Stunden, zurück 36 Stunden, aber billiger).
Grüzi
Powerschneckerl
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