Stein (NED) - 6-Stunden-Lauf am 07. März 2004 - "Weltrekord in Stein - Powerschnecke war dabei"

Montag, 8. März 2004


Die Steiner Käseroller haben gerufen und Powerschnecke folgte dem Lockruf - und hat es nicht bereut. Wenn die Tulpenzüchter einen Lauf organisieren, dann klappt das - aber sie sind dabei auch noch lustig, fröhlich, freundlich, einfach gut drauf diese Typen. Es macht Spaß mit Ihnen zusammen zu sein, bei Ihnen durch die Gegend zu trampeln. Der halbe Spaß ist schon das holländische Gequassel, das einfach urkomisch ist. Man kann linguistisch immer wieder Neues dazulernen: Dieses Mal: “Ultraloopers” sind wohl Ultraläufer - oder Ultrabekloppte? Vieles versteht man ja nicht, manches kann man erahnen. Aber “trekken” an den Türen würde jedes Amateursprachgenie ja ohne mit der Wimper zu zucken als “drücken” übersetzen - allerdings bei übermässigem oder ungestümen Drücken geht dann bald die Hand durch die Glastür, das heißt nämlich “ziehen” - auch noch Scherzbolde, unsere Nachbarn. Allerdings meinten unsere zugereisten Robbo (ein Mister von der Insel) und Victoria (eine Senora von der Halbinsel), dass sie froh seien, nicht auch noch Holländisch lernen zu müssen - deutsch sei schon schwer genug. Ein sympathischer Haufen, diese Käsetreter, abgesehen von ihrer Manie mit den Wohnwagen. Allerdings war kein einziger Wohnwagen auf dem Parkplatz - sind wohl alle auf Deutschlands Autobahnen, damit der Verkehr nicht zu flüssig läuft.

Lauf am Sonntag; da Powerschnecke schon am Samstag Freigang erhielt und den Käfig verlassen durfte, gings am Samstag Nachmittag gegen Tulpenland. René (Wallesch) wurde in Köln aufgegabelt. Die Kölner Jecken, ja so sind sie nun mal, schilderten die Richtung nach Aachen (nach Westen) erst einmal mit Richtung Dortmund (nach Osten) aus. Daraus wurde dann ein Ausflug nach Düsseldorf (nach Norden). Kein Problem, es waren ja noch 14 Stunden bis zum Start, und erstens ist der froschgrüne Mini-Ferrari (ein Opel Corsa, ein Frauenauto!) superschnell, zweitens braucht er auch Auslauf, und drittens bildet Reisen ja. René wurde gleich daran erinnert, wie er im November beim Troisdorfer 6-Stunden-Happening von Powerschnecke circa 20 Mal überrundet wurde - er meinte allerdings, es seien nur 3 Mal gewesen und dass das am Sonntag nicht vorkommen würde, ätsch. Schau mer mal.

Der erste, dem man im Organisationszentrum in die Arme lief, war Robbo SoftEgg. SoftEgg ist die spontane Anglifizierung des allseits beliebten Terminus “Weichei”. Letzte Woche lief Robbo den Bad Salzuflen-Katastrophen-Marathon so knapp unter 6 Stunden, anstelle der üblichen 2:45 oder so ähnlich. Daraufhin meinte die Familie, allen voran Sohnemann Fynn, dass er langsam alt und weich werde. Capito? Robbo gewährte Powerschnecke die Gnade, seine Milch in seinem Proviantkorb am Rande der Strecke zu stellen (Mann, hatte der Unmengen an Essen und Trinken bereit gestellt). Ob dieser Güte ermöglichte Powerschnecke Mr. SoftEgg dann auch ohne Dagegenzuhalten (zum Beispiel Rempeln, Fuß stellen, etc.), dass er dreimal überrunden durfte. Man muss ja auf diese Insulaner Rücksicht nehmen - englischer Humor ist sehr limitiert und der Bursche sieht unter der Dusche ziemlich stark und durchtrainiert aus, ganz zu schweigen von den vielen Furcht einflößenden Tattoos - außerdem kommt der Mann aus Newcastle, da ist er schon gestraft genug.

Die Laufstrecke ist prima und nur 3,1 km lang, so dass man bald alle Ecken und Gemeinheiten kennt: Erster km mit dem Verpflegungszelt und genügend Park und Bäumen zum Pinkeln, dann kurvig minimal aufwärts, am Schwimmbad vorbei, 30 Meter über eklige in den Rasen gesetzte Steine (keine Ahnung wie die Dinger heißen, sieht man oft in Parkeinfahrten bei Reihenhäusern), an einer Art Jugendzentrum mit entweder bekifften oder besoffenen oder einfach nur holländisch-lustigen Teenies vorbei (unbekannt, ob die anfeuerten, was das Zeug hielt - oder sich über uns Bekloppte total lustig machten), links entlang der Hauptstraße mit bald Schild “1000 Meter”, lange geradeaus und schön abwärts (ah, der leichteste Teil) mit Schild “2000 Meter” - unten wieder linksrum, dann auf den Gehsteig hopsen (zum Schluss war das Hochhopsen nicht mehr lustig) und rein in den “Recreations Park”, geschlängelt zwischen Gärten und Parklandschaft (hier standen jede Menge NL und B und D Autos mit offenen Kofferräumen und Tischen), endlich Schild “3000 Meter” - für die letzten 100 Meter noch mal Gas geben und Brust raus und Atmung flach halten und Kopf hoch - ah, man konnte sich schön in die Rechtskurve legen, jedesmal voll in das Matschloch stapfen und da abwärts geneigt mit ein wenig Speed über die roten ChampionChip-Matten brettern. Der Ansager laberte per Lautsprecher ununterbrochen und hatte auch einen Heidenspaß an Powerschnecke: “nun kommt schon wieder die 52 - Dr. Hans Dr. Hans Dr. Hans Dr. Hans”; er beruhigte sich gar nicht mehr. War echt klasse, seinen sonst so unwichtigen Namen laut über den ganzen Park zu hören.

Es waren einige der 100 MC-Armee und andere Bekannte präsent: Robbo, Thorsten Red Bull (Themm), Sigrid (Eichner), Steppenhahn, Ben (Mol), Heiner (Schütte), Wolfgang (Schwabe), Horst Preisler, Sjoerd Slaaf - und weiß der Geier wer noch alles. Die Nordstemmer Fraktion hatte auch ihren Spaß: Bei ca. 3:58 h lief Heiner rückwärts (in Richtung seiner Baseballkappe) und rief zu Powerschnecke: “Das sieht auch nicht mehr rund aus”. Ei, Herr Lehrer, Powerschnecke ist noch nie rund gelaufen. Wolfgang lag in der letzten Runde 300 Meter vor dem Ziel auf dem Boden - aber, niente paura, es sah nach Krampf aus, da eine Amazone an seinem Fuß und Bein rummachte. Laufgigant (so sein Name beim Kilometerspiel) Robert Wimmer gab sich auch die Ehre. Auf die Ankündigung von Powerschnecke, dass man sich beim Isarlauf wieder treffen werde, Robert aber keine Angst vor Powerschnecke haben müsse (“Ich werde um den letzten Platz kämpfen”), entgegnete der Champion: “Keine Angst, ich werde Erster” - aber trotzdem sympathisch gesagt. Außerdem schau mer mal.

[Wie recht Powerschnecke doch hat: Laufgigant Wimmer wurde inzwischen für die deutsche Nationalmannschaft bei der 24-Stunden-WM in Apeldoorn nominiert und muß daher auf den Isarlauf und seinen sicheren Sieg dort leider verzichten! Anm. der Red.]

Ein echtes Original ist Holland’s RiesenPowerWalker Willem (Mütze); er ist schon eine harte Nuss zu knacken: Obwohl er geht (äh, walkt), kommt man nur mühsam an ihn ran, da er Riesenschritte macht; endlich überholt, wird man ihn nicht mehr los, da er noch größere Schritte macht. Wenn man unvorsichtigerweise mal irgendwie trödelt, ist er sofort wieder da und natürlich vorbei, gnadenlos. Überhaupt ist das mit dem Überholen und Überholt-Werden bei dem 6-Stunden-Geeiere so eine Sache: man pendelt sich in seiner Speedklasse irgendwann mal so ein und hat dann niemanden mehr zum Überholen, zum Beispiel zwecks Motivation (“ah, den da vorne, den schnapp ich mir”). Okay, man überholt ab und zu die noch langsameren, aber die motivieren einen ja nicht. Anderseits wird man pausenlos selbst überholt von den Rasern und Flitzern und Weltrekordlern. In der vorletzten Runde ratterte plötzlich Steppenhahn in kanarienvogelgelber Jacke mit einem Affenzahn vorbei: “Ey, was ist los?” - “Ich bin im Cola-Rausch”. Gleich dahinter Ben Mol mit irre Geschwindigkeit. Ein bunt gekleideter Läufer schlich sich von hinten an und weckte Powerschnecke auf: “Hey, nicht so erschrecken” - er: “Bist Du im 100 Marathon Club?” - Powerschnecke: “Ja, woher weißt Du? Sieht man das am Laufstil?” - er: “Ich hatte deinen Namen vom Ansager gehört und hatte die Teilnehmerliste im Kopf”. Sprachs und war nach 2 Minuten schon 500 Meter weg. Der drahtige Bursche (Karl-Heinz Jost) war fünfeinhalb Stunden lang in der selben Runde wie Powerschnecke und begann 30 Minuten vor Ende seinen Endspurt und schaffte 400 Meter mehr als Powerschnecke (hehe, muss wohl zum Schluss noch etwas eingeknickt sein).

Ja, es gibt viele Taktiken und Tricks, wie man an Powerschnecke vorbeikommt: (1) Manche sind total unhöflich und warten nicht, wenn Powerschnecke gerade einen Baum umarmt und bewässert; (2) andere nutzen den Moment aus, wenn Powerschnecke wieder mal mit zittrigen Händen (Entzug? Delirium?) den Tee im Versorgungszelt über sich verkleckert; (3) wenn Powerschnecke träumend und dösend dahertrudelt, schleichen sie sich von hinten lautlos an, ziehen leise, still und heimlich ohne Weckrufe an ihm vorbei; letztlich gibt es noch die Proleten, die einfach vorbeibrettern und denen Powerschnecke schnurzegal ist, schniefschnief.

Apropos vorbeirasen: Ungelenk wie Powerschnecke nun mal ist, rempelte er (aber nur ganz ganz leicht) 10 Minuten vor Schluß den polnischen Weltrekordler - der warf einen bösen schlawischen Blick in Richtung des Trampels und dazu noch ein “TsTsTs-mit dem-Zeigerfinger-Wackeln”. Hombre, Verzeihung, hat 5 Zentimeter Deines neuen Weltrekordes gekostet - wie kann man das wieder gut machen. Startverbot für Powerschnecke? In Ketten legen und in den tiefsten Käsetreterkerker damit? Füße in frischen Zement und ab damit in den kleinen See des Stein-Recreationparkes? Oder zur Strafe 1 kg holländische Tomaten essen müssen, die rot angemalten?

Was bleibt noch? Gibt es irgendwas zum Meckern? Na klar, das Wetter. Zuerst kühl und regnerisch, dann kam die Sonne raus und Powerschnecke fing an, zu schwitzen - Schwitzen hört sich nach Anstrengung an und wer will beim Hobby schon schwitzen? Also runter mit dem schwarzen langärmeligen Hemd und nur noch das kurzärmelige blaue Hemd. Keine 2 Minuten später fing es an zu schütten - ja so sind sie, die Käseroller, immer zu einem kleinen Spässchen bereit. Über das gemeinsame weibliche und männliche Duschen kann man auch nicht meckern, wenn aber auch Brillenträger da eindeutig diskriminiert werden, Gemeinheit.

Übrigens, um Punkt 6 Stunden stehen bleiben: ein rettender Betonsitz war in Sicht. Platsch endlich wieder sitzen. So dachte auch ein gewisser holländischer “Jan” (guter Läufer mit 3:09 h Marathon und 65 km in Stein nur so zum Zeitvertreib). Jan meinte, dass ihn meine Kosenamen wie “Käsetreter, “Käseköpfe” etc. nicht stören würden - das Wort “Tulpenzüchter“ hatte er nicht kapiert. Nun denn, Käsetreter, wann immer Ihr wollt, Powerschnecke kommt gerne wieder. Läufe bei denen sind jedem zu empfehlen.

Das war’s mal wieder, bis zum nächsten Mal

Eure Powerschnecke


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