Teichwiesen (# 269) - Juan Ramón Jiménez Marathon am 24. Dezember 2004 - “Schlappohr Schneggi läuft allen davon, uaaaaa”

Mittwoch, 29. Dezember 2004


Jawohl am 24. Dezember wird auch Marathon gelaufen! “Du bist ja krank”, ist ein telefonischer Nachkommentar aus der Ferne - seltsam wie heute auch Nicht-Mediziner zielsicher solche Diagnosen zu stellen vermögen - aber hey, Diagnose stimmt 100% - Prognose: unheilbar - Therapie: viel Schokolade, viele Negerküsse, viele andere Küsse, viel Streicheln.

So gegen 10 Uhr am Freitag schleicht eine armselige Truppe von Kranken, sozusagen die Elite der Kranken, über einen gefrorenen Trampelpfad, über den sie selbst gleich trampeln werden. Manche der Kranken tragen gelbe Anstaltskleidung, zumindest ein gelbes Hemd. Das Radio hat bei der Anfahrt im Krankenwagen was von Sturmflut an den Teichwiesen gelabert, Schauer ohne Ende.

Zwei Oberkranke, Jürgen Kuhlmey und Peter Wieneke, konnten es nicht erwarten, Delirium marathonensium, fast Endstadium, jedenfalls unkurierbar - man konnte sie nicht mehr bändigen - sie mußten schon um 7 Uhr starten und hatten jetzt so gegen 10 Uhr gerade mal ihre dritte Runde begonnen (so in etwa) - aber keine Bange, alles unter Kontrolle und mit Genehmigung der Aufsicht Christian - aber hier hat man den Gärtner zum Bock gemacht, oder wie der Spruch heißt - ob der Bursche nicht auch krank ist?

Bernd Adonis (früher mal, muß man hier ächt anmerken) Gämlich schleicht in Richtung Krankenzelt - nächstes Mal machen wir Gitter an die Plastikfenster - und will doch tatsächlich einen Marathon laufen - bringt noch neue Frauengeschichten mit - super, müssen wir gleich mal in seiner Bude, ein ausrangierter Wohnwagen gezogen von einem ausrangierten Golf, alles bequatschen - dem Jungen laufen die Weiber nach, das ist ein Phänomen - total irre - kann auch selbst Kaffee kochen - ah, Mist, vergessen zu fragen, was sein Geheimnis und sein Ratschlag als der größte Liebhaber unter der Erde von Dortmund ist - keine falschen Intuitionen, Adonis ist Bergbauingenieur - heute will er mit Liebling Sigrid um den vorletzten Platz kämpfen - miserable Renneinteilung, er hat die Rechnung ohne il Capo gemacht, der ihm den vorletzten Platz wegschnappt.

Lothar Gehrke hat sein Zelt aufgebaut - und ist die Ein-Mann-Bar-mit-Imbiss-Bude - zum Glück läuft er heute nicht, der wäre eine harte Nummer zum Knacken geworden - alle anderen, Hartmut Feldmann, Dietrich Eberle, Christian, Sigrid und Rosi, sehen ziemlich lustlos und übernächtigt und schlaff und schlapp aus - hey, Leute, mehr Zink und Zinn und Eisen und Magnesium und Kadmium und Strontium und Radium und Phosphor und so nen Kram einnehmen, dann leuchtet Ihr wenigstens im Dunkeln.

Lothar Gehrke ist ein Mann von Welt
hier baut er auf sein Partyzelt
Lothar ist der liebe Talismann,
ein Weihnachtsmann, der immer kann.

Tja, das wird doch heute nicht etwa ein Kampf um die Spitze, häh? - so viel Sträss! - ah, da ein Neuer, er trägt eine orangene Jacke vom New York Marathon, passende Kappe dazu, was will er uns damit sagen? - gleich man verhören - Name? “Thomas” - Bestzeit: “3:19 h” - Wo? “In New York, vor 2 Jahren” - Versuch der totalen Einschüchterung: “Wir laufen hier nicht über 3 Stunden!” - alle beobachten ihn aus dem Augenwinkel, hält er das aus? Er zuckt nicht mit der Wimper, hat keinen Nervenzusammenbruch, grinst nur als er die Wampe von Adonis sieht - Adonis hat ein Erbarmen: “Er meint Halbmarathon” - da läßt er doch noch heimlich ein Pfffffffuh raus - okay, darf starten.

Da taucht noch Sylvia Rehn auf - okay, dann doch heute nicht, Silvia ist zu schnell, womöglich taucht dann dieser Oberflitzer mit seinen langen Haaren auch noch auf, keiner weiß mehr wie er heißt.

Beim Start brüllt Christian dreimal:  “Los! Los! Los!” - keiner bewegt sich, entweder festgefroren oder im Stehen eingeschlafen - ja dann muß halt Schneggi als Führungsaffe mal vorneweg - gemeine unfaire Bande, schonen sich für die zweite Hälfte, lassen die Führungsarbeit die jungen unschuldigen naiven Kranken machen - an der Wende denkt Lothar, dass er eine Fata Morgana sieht: “Schneggi Du schon, wo sind die anderen? - normalerweise bist Du letzter!” - “Milch, Lothar, jede zweite Runde bitte Milch!” - “Alles klar, in die Schlacht Schneggi! zeig es Ihnen! die machen wir fixxundfärtisch!”. Da kommt im Gegenverkehr (ah, heute wird gewendet und in die richtige Richtung gelaufen) Adonis dahergewalzt - besser 2 Meter rechts und links Abstand lassen - der will’s wissen.

Vor kurzem dem Fränkieboy eine 12er-Runde versprochen - hmm, das wird happig, und wenn dann doch nur am Anfang, also jetzt oder nie - *keuch* eine 12:20, holy Shit, und das bei dem Krankenstand - gleich weiter so oder lieber langsam oder ne 11er-Runde probieren - die Dampfwalze Adonis war im U des großen Hügels noch knapp dahinter, so etwa 200 Meter - ne 11:00-Runde wäre eine knapp-3 - nee, heute nicht, sonst müssen die Best of Five für Thorsten Red Bull nochmals geändert und neu ausgerechnet werden, ach zuviel Action.

Irgendwie ist das heute total einsam, nur Lothar hat immer nen Spruch drauf und reicht die Getränke beim Vorbeifliegen - schade, kein Gegner da, wo ist eigentlich dieser Bruder Affenzahn, wenn man ihn mal braucht? - heute könnte er mal die Schneggisäge spüren - alle außer Sylvia werden überrundet, die Gelbhemden kann man immer gut auf der anderen Seite und davor und dahinter an den passenden Ausguckecken ausspächten - aber wo ist das Mädel? die ist gefährlich! - zur Halbzeit meint Il Capo, dass sie eine drei Viertel Runde zurück sei, es sei niemand zum Versägen da - der New Yorker läßt sich zurückfallen.

Sturmflut der Teiche gibt’s keine, aber dafür einige Schauer, mit dazu passenden Böen und Sturmfetzen - besonders beim Runterkommen vom großen Berg rüber und rauf zum Baumstumpfberg, wo man links rechts läuft, an einer Bank vorbei und voll offen ungeschützt dasteht - beim ersten Mal lupft es einen heute da schier aus den Latschen, voll gegen den Wind - bei den nächsten Malen rattert man schon mit eingezogenem Kopf ganz nahe an der Hecke entlang (Gefahr von volles Reintrampeln in Fahrräder, Gören, Omas und Hunde) - das andere Katastrophenstück heute ist die letzte gerade Strecke vor dem Zielhügel, auch hier Böen voll auf die Birne.

In der 11. Runde wird Adonis kurz hinter der Startbank erwischt - “Ich hätte Dich früher erwartet!” - “Tschuldigung, was erwartest Du von einer lahmen Schnegge?” - das Rumgepowere in den ersten sechs, sieben Runden wird noch seinen Blutzoll verlangen, im Moment sieht es noch nach 34x aus.

Zwei ziemlich ältere Semester sind dabei, sich pausenlos zu dehnen, einer am Baumstumpfhügel, tatsächlich am Baumstumpf sälber, der andere irgendwo an ner Bank am Startrunterhügel - sind das Zwillinge? - keine Ahnung, nicht so genau hingeschaut, aber ganz supereifrige Dehner und Stretcher. Der der versucht, den Baumstumpf zu entwurzeln, fragt: “Welche Runde?” - “Fünftletzte!” - in der nächsten Runde stemmt er immer noch den Baumstumpf, der sich noch keinen Millimeter hat bewegen lassen: “Welche Runde?” - “Eine weniger als letztes Mal, müßte vierletzte Runde sein!” - dreizehn Minuten später lehnt er am Baumstumpf, hat aufgegeben, fragt auch nicht mehr: “Nur zur Information: drittletzte Runde!” - nächstes Mal war er weg, so was!

In der 15. Runde dann der Einbruch, Christian meinte: “Das sieht aber schwer aus!” - ausgerechnet jetzt kommt der größte Schauer runter und der Sturm treibt einen rückwärts - aus den 34x wird’s nix mehr - “Zaubermaus hilf mir!” - schnelle telepathische Verbindung zur Zaubermaus:
- “Bleiben Sie auf der Wellenlänge - sobald Zaubermaus frei ist, wird sie sich um Sie kümmern”.
- “Donnerkeule, ZAUBERMAUS, jetzt sofort, ich brauche Hilfe!”
- “Wer schreit denn hier so rum? - natürlich Nervensäge Schneggi, haste wieder Potenzprobleme? vermutlich Marathonprobleme? ich habe gerade Elvis auf ner anderen Wellenlänge! der ist wichtiger!”
- “Elvis? was willste denn mit dem? den habe ich neulich in meinem Wald als Walker rumgurken sehen!”
- “Elvis Presley, huh? in Deinem Wald, häh? als Walker, häh? wieder zuviel Waschpulver in der Milch gehabt, was? also was willste?”
- “Heute gewinnen und neue Teichwiesenbestzeit!”
- “Beides geht nicht, sagt mir meine Kristallkugel - was willste lieber?”

In dem Moment brüllt einen Lothar aus der Trance heraus: “Letzte Runde, Mann! vier Minuten Vorsprung! hau rein!”” - vier Minuten? das schafft Sylvia nicht mehr - aber lieber in den offenen Kurven nochmals heimlich umblicken und wieder Beine etwas höher, wenigstens ansatzweise, und weg von dem patentierten Schneggi-Schlurf-Schlapp-Schritt - die 350 muß stehen, los jetzt - “Lothar, Lothar, wo ist das Zielband?” - das sollte man einführen - Sylvia entgegengehen und per Abklatschen im Ziel begrüßen, klar das Mädel ist nicht außer Atem, das Haar sitzt perfekt, kein Schweißtropfen, sie läuft gleich weiter noch 30 km nach Hause, vermutlich flötet sie zu Lothar: “War nur ein Trainingsmarathon, ich wollte gar nicht so schnell laufen.”

Sigrid kommt durch: “Hey, Liebling, ich habe gewonnen!” - “Ja, hab ich gesehen - aber nur knapp!” - knapp? knapp? KNAAAAAAAPP??????? dreieinhalb Minuten!!!!! - aber so sind sie, die scharfen Damen mit den kurzen blonden Haaren, gönnen einem nix. Christian schreibt: “Powerschnegge verfehlte zwar seine persönliche Streckenbestzeit vom 5.12.2004 um 4 Sekunden (zu lange von Zaubermaus geträumt!), aber gewann zum zweiten Mal einen Marathon!”.  Grande errore, zum dritten Mal: 2002 den Vaclac Havel Marathon und 2003 den Doris Sagasser Marathon - tja man muß wissen, wann starten und wann einigermaßen schnell laufen! - heute wie damals in totaler Abwesenheit der Flitzer - aber wer nicht kommt, braucht nicht maulen oder neidisch sein, außerdem HEUTE wären auch Christoph Randt oder René Wallesch oder Quenchieman oder Affenzahn (der sowieso) und Supermario und all die anderen Schlappsoggen schancenlos gewesen - hähähä, Ihr könnt das Gegenteil nicht beweisen, uaaaaaaaaaaaaaaa!

Schneggi hat heut alles gewonnen,
Affenzahn sieht nie mehr keine Sonnen.
Christoph und René werden versägt,
Quenchieman ist ganz bewegt,
Iceman wird ganz grau und blaß,
selbst Supermario macht er naß.
Fränkieboy bleibt die Spucke weg,
er läuft sie alle in Grund und Dräck.
Keiner der Flizzer ist hergekommen,
Schneggi hat den Titel gern mitgenommen.
Sigrid sagt, der Sieg war knapp,
Sylvia hielt Dich schön auf Trapp.
Sicher ist Sylvia die schnellere Maus,
jetzt wird gefeiert in Saus und Braus!

Grüzi
Fastflizzer Schneggi


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