Teichwiesen (# 277) - Tia Carrere Marathon am 02. Januar 2005 - “An manchen Tagen sollte man im Bett bleiben”

Mittwoch, 5. Januar 2005


Letzter Tag der Teichwiesenoberbeklopptensuperserie - da muß Schneggenmann dabei sein - zumal es die Gelegenheit gibt, diesen Herrn Affenzahn zu versägen.

Affenzahn soll Schneggis Säge spüren
und gleich noch einen Maradonn verlieren.
Sechzehn Mal um die Teiche flitzen,
lassen den Affen dann ganz schön schwitzen.

Aber an manchen Tagen sollte man im Bett bleiben - am besten mit einer Marathonläuferin (darf auch eine Ultra sein). Der Tag fing schon beschisssssssen am Tag zuvor an:  Wetterbericht sagt Windstärke 12 und Sturmflut und Böen und Graupelschauer und alles Grauselige, was sie auf Lager haben, voraus - klar, nachdem sie so oft in der Vergangenheit richtige Stürme verpännt hatten, übertreiben sie jetzt meistens immer lieber etwas - dennoch Windstärke 12, uh uh uh! Wie sich’s rausstellen sollte, stürmt es in Niedersachsen, in der Mitte und im Süden, wesentlich heftiger als an den Teichwiesen, eine Oase des Sonnenscheins - folglich schlecht geschlafen, weil irgendetwas rattert draußen ja immer, wenn es bläst.

Außerdem schlechtes Gewissen:  Coach hatte noch geschrieben: “Lauf nicht so viel in 2005" - Topolina wünschte jeden Marathon unter 345 - und drei Marathons und zwei 10er in 10 Tagen, eigentlich kein Problem, aber die ersten beiden Maradonns doch schon ganz schön flott und die beiden 10er ziemlich am Limit, fast, das sollte eigentlich nicht so gesund sein, was man immer hinterher besser weiß. Lösung des Problems: so schnell wie möglich beginnen und guggen was passiert.

Heute ist die Bude voll, die Straße zugeparkt, nur noch der letzte Platz vor der Straße frei - vor dem schicken Mercedes SLK mit PI-Kennzeichen - Heiliger Bimmbamm, das ist ja Norbert Schmid da rin, der Ärmste muß im Sommer immer mit alten zerschlissenen Unterhemden rumrennen, sollte mal Meister Braun vom Team vergilbte Handschuhe ein paar seiner alten karierten Hemden rüberschieben, zieht er ja eh immer aus - in Lothars Zelt ist kein Platz mehr, Ellbogen müssen eingesetzt werden, erst mal die schnellen Leute, die sich auf den Stühlen hier breitmachen (so diesen Joachim Joey Sogge Hoyer) rausschmeißen.

Thomas Affenzahn gibt sich von vorneherein geschlagen - ganz übler Trigg, dieses Einlullen - Heiner Clochard Schütte bejammert seine Formlosigkeit, seine vielen Kilos und die schlechten Zeiten, aber er bewegt sich noch, muß nicht gerollt werden - das sieht eine Fahrradfahrerin anders und ziemlich häftig mault und gestikuliert sie: “Was soll denn das hier werden? mitten auf der Straße stehen? weg da!” - mit Straße ist der Fußweg gemeint, kurz vor der ersten Rechtskurve im Uhrzeigersinn - und auch noch n olles Klappfahrrad - nachgemessen: 2 Meter 50 breit ist hier der Weg - Zimmtzigge, hamburgische!

So wie die erste Runde läuft, so läuft der ganze Teichwiesenmarathon: heute absolut bescheuert - auf der Gegengerade, die noch nie gerade war, erst mal diese paar Höhenmeterchen hoch zur Startbank, boah, volle Sonne, *schwitz” - hatte nicht Heiner gesagt: “kurze Hosen heute” - wieso hört denn niemand auf diese Lehrer? - Heiner hat wie immer Recht, der alte Specht - so miserabel haben sich die Fußgänger noch nie benommen, total danäben, die brauchen ne Schulung - hinter der Holzbrücke ist alles voll mit Pfützen, nur die Ränder sind frei, meinste die Ochsen machen Platz? - zwei Riesenpfützen hinter der Aussichtsplattform am unteren Ende: kommen Gören und rempeln, die Eltern glozzen voll zu, und um die Rabauken nicht über den Haufen zu rennen bleibt nur das Pfützentauchen, Schneggi patsch und patsch, beide Pfützen voll getroffen - dann Völkerwanderung, mindestens 50 Leute blockieren voll den Weg, als ob sonst niemand da wäre, entgegenkommende Spaziergänger, Läufer, Fahrradfahrer haben keine Chance zum durchkommen - wir von hinten, auch keine Chance - also in den Drägg jenseits des Wegrandes rein und durchrobben - keine Ahnung, was die hier eigentlich wollen - und so ist die Laune schon ziemlich hinüber.

Es gibt heut viele viele Pfützen
und einige ziemlich doofe Mützen,
verdammt viel Matsch und Drägg,
schnell laufen hat da keinen Zweck.

Die Flizzer und die, die es werden wollen, gleich vorneweg beim Start: zuerst Supermario Sagasser, der sich ja auch das ganze Jahr ausgeruht hat - dann die LaOla-Welle Sporleder, der auch eine 100 MC-Fahne mitgebracht hat - gefolgt vom Trio Joey Sogge, ein Jürgen aus Brämen und unser Affenzahn - der weiß ganz genau, dass seine einzige Chance in Vorsprung-rauslaufen-bis-km30-und-dann-sich-irgendwie-ins-Ziel-mogeln besteht. In der zweiten Runde hat der Junge genau 2 Minuten Vorsprung: Punkt zwischen Aussichtsplattform und Sitzbank nach dem großen U vor dem Anstieg zum Baumstumpfhügel (bei 3:50-Tempo).

Affenzahn weiß, er hat nur eine Chance,
wie bring ich Schneggi aus der Balance?
Verführe ihn zum wilden Brettern,
die Hügel rauf- und runterklettern.
Ab km dreißig wird die Puste fehlen,
Affe kann das nicht verhehlen.
Dann wird die Säge rausgeholt,
und das Ganze umgepolt.

Fränkieboy Berka nimmt die Rundenzeiten und gibt die Abstände nach vorne und hinten an: “Von hinten kommt da nix, aber auch schon gar nix!” Irgendwie “zwickts” heute mehr und an mehr Stellen als sonst - klar dass der Ischiasnerv links sehr gerne die Rolle des Dauernervers nach der Kurierung des Achilles übernommen hat, läuft sich meist im Laufe der Stunden weg, genauso wie die leichten Rückenschmerzen - letztere denken aber, “hähä, heute ist unser Tag, den machen wir färtisch” - “Euch überliste ich, hähä” - nur noch 14er-Runden (obwohl Heiner 13er-Runden angefordert hatte, aber man hört ja nicht auf die Lehrer) - 14er-Runde schmerzt genauso wie eine 13er-Runde, also dann lieber eine 13er-Runde - wird gleich bestraft, jetzt tuts doch ächt langsam weh.

Schon mal dem versägten Christian in der 5. Runde den Abbruch beim Überholen ans Herz legen, “Hey, mach keinen Scheiß” - bis zum Halbmarathon könnte es noch gehen, dann neuer Wind? durchbeißen? - in der 8. Runde dann wieder diese Hammelherde, dieses Mal am großen Berg, geht keiner zur Seite, nicht einmal 10 Zentimeter rechts oder links Platz - okay, Scheißtag, Schluß jetzt, nur noch bis zum Zelt trudeln, Fränkieman sieht’s schon am Gesicht, immerhin sub-2 für mehr als Halbmarathon - im Sitzen geht’s wieder prima - Silvia kommt noch bei 2:01 h vorbeigeeiert - Tasche gepackt, nix wie weg hier.

Verdammer Mist, diese Rückenschmerzen,
sieht nach Aufgabe aus, mit schwerem Herzen,
aber mit diesen Dingen gibt’s nix zu scherzen,
das DNF woanders wieder mal ausmerzen.

Aber warum sollte die Rückfahrt problemlos verlaufen? Stau um Hamburg, zwei Stunden für 10 kms - weitere Staus (25 km und 10 km) für die A7 Hamburg-Hannover angekündigt - an manchen Tagen sollte man im Bett .... - okay, runter von der A7, quer über die Dörfe und durch die Kleinstädte - Jahre später ... auf der Stadtautobahn von Braunschweig: “Achtung Autofahrer, ein Falschfahrer auf der A39 zwischen Dreieck Braunschweig Südwest und Anschlußstelle Rautheim, fahren sie ganz rechts, überholen Sie nicht ...” - Mammamia, Hilfe, da bin ich in einer Minute, das fehlt noch, runter von der Highway, durch die Stadt gurken - und dann nicht mehr aus dem Auto kommen, quasi vom Parkplatz nachhause auf allen Vieren krabbeln - Nachbar: “Was ist denn mit Ihnen los?” - “Nach dem Marathon ist vor dem Marathon! noch nie was Regeneration gehört? das ist aktive Regneration!”.

Das Jahr fängt an gar sehr bescheiden,
die Finisher sind da zu beneiden.
Ein dritter Platz wäre drin gewesen,
jetzt hilft nur eins: ganz schnell genesen.

Grüzi
Schnegg


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