Teichwiesen - Til Schweiger Marathon am 19. Dezember 2004 - “In Deutschland geht man rechts”
Auf dem Parkplatz sieht es noch so aus, als ob wir drei um den Sieg kämpfen werden: Frankieboy Berka, Torsten Iceman Schacht und Schneggi. Warum Iceman? Weil dieser Macho gleich mal bei Hundekälte die kurzen Shorts rausholt und allen zeigt, wer hier die Pedes machen wird. Später zieht er noch das langärmelige Hemd aus und läuft im T-Shirt - Caramba (= Donnershit) - der will uns einschüchtern. Neue Taktik: mit Frankieboy ausmachen, dass wir ihn mürbe laufen und dann ver- und zersägen. Allerdings hört Frankie nicht richtig zu: “wir” und nicht “Du”. Dann tauchen aber noch Joachim Hoier und der Berliner Ryan Shakal auf, klaro, die sind ne Nummer zu schnell.
Heut laufen hier zwei richtige Berliner,
sind auch schneller als alte Wiener.
Später kommt auch noch der “blonde Bursche” (siehe Bericht zum Braunschweig Marathon) dahergeeiert, Niels - flüstern zu Frank: “Der Typ da ist schnell, den kenn ich, noch einer vor uns” - Niels ist zwar blond, kann aber trotzdem dank wohl geputzter Ohren supergut hören: “Nee, heute nicht, bin letzte Woche 35 kms gelaufen - solche langen Strecken vertrag ich nicht” (oder so ähnlich).
Sigrid legt ein paar übrige 100 MC Sticker auf den Tisch, nehme sich wer wolle - keiner will - dann alle auf einmal, Gunla Eberle: “Hey, Grabscher Schneggi hat schon zwei!” - “Is gar nicht wahr, der erste war vor 5 Minuten”. Sigrid entschuldigt auch HaJo Eisenmeyer, er habe ein Sehnenproblem - einer fragt, welche Sehne? - die schweigende Mehrheit stellt fest, dass es nur eine Sehne gibt, also die Sehne. Fränkchen guggt kritisch, brauchen wir ein neues Team für Bärlin?
Affig kalt, aber blauer Himmel, volle Sonnenbestrahlung auf der zweiten Rundenhälfte - das beliebte Spiel: Hälfte *schnatter - bibber*, Hälfte *schwitz - Kleider-vom-Leib-reiß* - das verspricht, da Sonntag, massives Slalomlaufen um Spaziergänger, ungelenke Fahrradfahrer, die noch lahmer sind als wir (sogenannte Sonntagsradler), Väter mit Kinderwägen, die Mamma noch mal vor dem Mittagessen rausgeschmissen hat - später nach der Mittagszeit zum Verdauungspaziergang sich durchschlängeln zwischen Oma, Opa, Schwiegertochter und zwei bis drei Balgen (Papa muß abspülen).
Heute am Wendepunkt nach dem Start nicht wenden - Manfred Hopp hat zwar Sigrid und Futter herangekarrt, schleicht sich aber gleich wieder und haut sich noch mal ins Bett. In der ersten Runde beim Aufstieg zum großen Berg in der U-Schleife gleich das erste Highlight des Tages: vorneweg ein Läufer, oder eher nach Outfit und allgemeinem Habitus ein Jocker, mit rotem Kopf, denselben heftig schüttelnd - dahinter ein Paar an aufgrund der Kleidung äußerst gut situierten Oldies, Pelzmantel sie, er dicker teurer langer Mantel, altmodischer Hut der Reichen und Mächtigen und brüllt: “IN DEUTSCHLAND GEHT MAN RECHTS!”. Wow, leider keine Zeit zum Auskundschaften der Szene, wäre vermutlich lustig gewesen, aber die vorne brettern heute zu viel, dranbleiben. Vermutlich wollte der Läufer-Jocker rechts vorbei, für Nichtconnaissöre der Teichwiesen (soll noch wo welche geben): obwohl der Weg da zwei bis drei Meter breit ist, läuft man nahe dem “Abgrund” auf der Innenbahn, die Innenbahn ist etwas abgetretener und eben die Innenbahn - ergo wollte der Unglücksrabe womöglich rechts überholen und maulte ob der massiven Versperrung seiner Ideallinie, oder rempelte? - nur mal so eine theoretische Rekonstruktion des Tatverlaufs - auf jeden Fall, der Satz des Tages: “In Deutschland geht man rechts, basta!”.
Hier laufen nicht nur brave Männer,
sondern auch n paar wahre Pänner.
Vorn weg Ryan and Joachim, dahinter gleich eine Tanja, Iceman und Fränkieboy - aber anstatt vernünftig zu laufen, sprich Schneggi-Tempo, saust Frankchen dahin, als ob er da vorne hingehört - Sigrid meint beim Überholen in Runde 2 gleich: “Hey, mußte aber zulegen, wenn Du Frank noch kriegen willst!” - “Abgerechnet wird zum Schluß, es sind noch 14 Runden, der bricht ein, kann er nicht halten das Tempo!”. Kann er doch, der schlappohrige Eumel, während Schneggenmann schon Richtung Limit unterwegs ist - erst mal Tempo rausnehmen, die sollen sich da vorne kaputtbrettern, Säge zunächst wieder zusammenfalten und unter dem Getränketisch verstecken.
Aber wenigstens kann man ab und zu jemanden überrunden - erst mal Il Capo Christian, bißchen Tempo raus und ne halbe Runde plaudern - in unentschuldigter Abwesenheit von Prinzessin, Schneewittchen und Zaubermaus, macht Christian zwar verspätet, aber immerhin, noch den Mode-Check: von oben nach unten anguggen, einmal umdrehen bitte - ja okay, geht so, darfste weiter - früher mal weiße Schuhe (New Balance 1220), früher weiße Socken (Concurve), schwarze Tights (Tao), schwarze Handschuhe (Hind), schwarzes langärmeliges Hemd (Quintoni) und königsblaues T-Shirt (Tao) - zum Schluß noch: “Es liegen sechs vor Dir” - “Wie was? liegt Dir Sex? oder liegen sechs? Ja ja, die sind heute zu schnell, aber zwei oder drei krieg ich noch, die brechen ein, ganz klar! muß so sein!”.
Harald Petersen, der ja flitzen kann wie das Quenchie-Männchen, tut heut langsam und geruhsam, und wird als erstes noch vor Halbmarathopn kassiert - das war easy, nächster bitte! Der nächste dauert noch ne glatte Stunde - und siehe da, wer schleicht denn da vorne den Starthügel hinunter? früher sagte man dazu “Hot Pants” (bei den Damen) und gelbes Uniformhemd und drunter noch so eine Art Neglischee - eiert der schon, oder was is los? - Iceman wird am großen Felsen versägt - noch den verbalen Dolch in den Rücken stoßen? - nee, heute nicht, er jammert schon von alleine, murmelt irgendwas von Ostern, Pfingsten, Weihnachten und ob der Mond auch pinkeln kann? - hört sich nach akutem Einbruchsspringseuchensyndrom an - das, wie der Name sagt, “springt” und hochgradig infektiös und ansteckend ist, also der Einbruch - nix wie weg von dem Mann, “der hat heut die Seuche”, wie der Volksmund sagt, ist ja erst die elfte Runde. Aber Torsten berappelt sich wieder - Sigrid rettet seinen kalten Hintern und zieht ihm passende lange Sachen an und überhaupt nimmt sie ihn jetzt unter ihre Fittiche: “Du läufst jetzt neben mir und erzählst mir Witze, aber nicht so lahme!”.
Icemann ist es heut zu kalt,
dann läuft er dann mit Sigrid halt.
Okay, Säge arbeitet heute wieder - aber mangels weiterer Opfer leidet die Motivation für dieses leidige Rauf-und-Runter schon - auch noch die falsche Richtung heute, Gegenuhrzeigersinn - angeblich mag diese Richtung überhaupt niemand - warum laufen wir sie dann überhaupt? - reine Schikane, was? Die dreizehnte und fünfzehnte Runde sind die schwersten - prompto, brummelt der Darm, ist aber schon der Enddarm, wohin heute mit so vielen Rumlatschern und Tonnen an Kindern - vor dem großen Hügel, sich zwischen zwei gefällte Bäume dazwischenquetschen und raus mit dem Zeugs - uaaaa, es geht besser, aber nicht schneller, bäh - Ryan hat heut irgend was gebissen, er zockelt sehr energisch dahin im Sauseschritt - Joachim trägt zum Spectaculum bei und macht Intervallmarathonlaufen mit Sprints und Überholen und Zurückfallen und zweiter-Platz-ist-doch-okay-oder?
Ryan hat den Lauf gewonnen
trotz der vielen vielen Nonnen
die hier rumliegen wie die Tonnen.
(ey, nix capito? - wir auch nicht!).
Also Frankieboy hatte das mit heut-vernaschen-wir-Iceman nicht kapiert - wenn der erledigt ist, sollte Frankmann sich zurückfallen lassen - stattdessen läuft er volle Kanone durch - peinlich! Aber in der 15. Runde im großen U, wo man in der Kurve vor dem großen Berg wunderbar rüber zur Aussichtsplattform und zu den Berg-runter-Kamikaze-Jägern guggen kann, taucht Tanja auf - hey, der Jagdinstinkt erwacht - erstens überholbar, zweitens weiblich - jetzt aber los, noch ca. 4 kms und 400 oder 500 Meter Vorsprung.
Manfred Hopp ist wieder aufgewacht und zurückgekommen, hält Schneggerich brav beim letzten Durchlauf die Milchtüte hin - nee, jetzt volles Rohr, tutta Birra, keine Zeit für Milchtrinken:
Manfred Hopp schulte um vom Läufer
zum blitzeschnellen Milchverkäufer.
Ryan, schon im Ziel als Tageserster: “Schnägge, hau rein, zackizacki, letzte Runde, alles geben!”. Wo ist Tanja geblieben? Ach manno, das macht keinen Spaß, die hat wohl Gas gegeben. Doch Frankieboy, Tagesdritter, und sich auf der Zielbank genüsslich ausbreitend, um gegenüber die Treter den Starthügel runterschlurfen zu sehen, hat die Szene voll im Visier: “Als ich Tanja an der Holzbrücke und Schneggi 200 Meter dahinter sah, wußte ich was passiert - der wird zum Monster, zum Tier.”
Einschub:
zur Verdeutlichung der spektakulären Monster-Tier-Metamorphose, gugge man auf http://www.sportfotografie-mayer.de/
—>>> Siebenzwergemarathon —>>> Startnummer 627 = letzte 200 Meter - beinahe die Kurve nicht gekriegt, Killerblick, Kannibalenmundstellung.
zurück zu Frank:
“Der Schneggi läuft noch nen 4er-Schnitt auf’m letzten km (na na na, Frank, mal nicht übertreiben, nur abwärts und wenn die km-Schilder nicht stimmen) und eine Teichwiesen-12er-Runde (noch nicht passiert, aber nahe dran, kommt demnächst).”
Tanja schon kurz vor der letzten Kurve, Schneggi noch um den Felsen rum, Vorsicht 5 Meter Kopfsteinplaster, jetzt nur keinen Scheiß bauen, durch ein Rudel Omas mitten durch und noch mal Durchbeissen auf der Zielgeraden - reicht nicht mehr, Mist die Säge hat sich in der Hosentasche verheddert - doch 10 Meter vor dem Tisch, Blinker rechts raus, aber links überholt - uaaaaa, Tschüß Tanja, mit 2 Sekunden Vorsprung im Ziel - die Meute jubelt, die Menge tobt (waren nur Ryan, Frank, Manfred).
MichaelK, the Old Man from Badensia, wird wieder maulen: “Als Kavalier muß Du die Dame vorneweg ins Ziel lassen” - Dusselgequassel, wenn Schneggi Kavalier spielen möchte, dann fährt er in den Urwald und läßt sich von Prinzessin zum Essen einladen. Ein anderer moserte neulich was von “Zielkanalüberholer” - jawohl, stehen wir dazu, wir vom 100 MC machen das und dürfen das, Paragraph 1374, Absatz Z19 bezüglich Total-Bekloppte-Vorsicht-Wegbleiben-sehr-gefährlich - außerdem waren das die letzten 5 Euros vom Weihnachtsgeld für das Startgeld, die müssen voll ausgekostet werden.
Schneggi ist ein Kavalier
er trinkt mit Frauen gerne Bier,
heute bleibt die Küche kalt,
wir fahren in den Westerwald.
Wir vom 100 MC sind eine skurrile Meute
aber supernette ächt coole Leute.
Wenn Volker’s Sohnemann sich an die Taktig gehalten hätte, wäre das eine neue Teichwiesen-Bestzeit geworden - Frank ist schuld, einer muß schuld sein und warum nicht Frank?
Fränkie ist meist ein braver Junge,
heut aber rausstreckt seine Zunge,
weil Schneggi war ne lahme Nuß
grad noch vierter Platz knapp zum Schluß.
Tanja scheint dann doch nicht sauer,
aber nächstes Mal isse auf der Lauer
und schmeißt den Schneggi von der Mauer.
Was lernen wir aus dem heutigen Tag?
(1) in Deutschland geht man rechts;
(2) verlasse Dich nie auf St-Pauli-Fans (F.B.);
(3) abgerechnet wird am Zielstrich;
(4) lass Dich nicht von halbnackten Möchtegern-heute-neue-Bestzeit-Flitzern beeindruggen;
(5) halt immer auf dem letzten km Ausschau nach dem rasenden Monster, das von hinten kommt (Vorsicht! nicht ansprechen oder füttern!).
Grüzi
Schneggi
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