Troisdorf - 6-Stunden-Lauf am 14. November 2004 - "Powerschnecke in Troisdorf"
Nach dem Katastrophen-Marathon am ersten Novemberwochenende 2003 in Athen (ein Sch*** Marathon) kam damals der 6-Stunden-Lauf in Troisdorf gerade recht: Wut rauslassen, diszipliniert laufen, Sonne geniesen, prima Strecke, dufte Veranstaltung, neue 6-Stunden-Bestleistung - das kann gerne wieder passieren. In 2004 dann: Wut keine da, aber ansonsten, schon mal vorab, es passte alles - zwar Volkstrauertag, aber ein zu feiernder Geburtstag.
Aber diese Fahrerei - es gibt zuviele Marathons und Ultras da drüben im Westen, d.h westlich von Hannover - dazu noch Minusgrade im kalten Osten, d.h. östlich von Hannover. Zum Glück wurden es doch so schlappe 5-8 °C im Westen. Anfahrt über den “Mauspfad”, ächt so heißt eine Straße Richtung Troisdorf, Routenplaner ist schuld.
Immer gut, wenn man sich schon auskennt: Parkplatz, Stadion, Vereinsheim, und Halle. Geburtstagskind im roten Flitzer bekommt einen Blumenstrauß (Gebrummel aus der Wetzlarer-Ecke - die Penner stehen leider zu nahe mit ihrem Auto auf’m Parkplatz dabei und gaffen und gaffen und gaffen - zuerst fallen alle Kinnladen runter - dann Macho-Gesabber ... - “Euch wird’s nachher noch gezeigt werden, paßt mal bloss uff”). Die Gieraffen haben nur die Champagnerflasche gesehen und wollen sich ausnahmsweise schon vor dem Lauf besudeln.
Also prozentual gesehen gab’s dieses Jahr keinen anderen Lauf, wo so viele Gesichter rumlaufen, die Powerschneggi bekannt sind oder die sogar “hallo” sagen (weiß man ja nie, wen man alles schon mal beleidigt hat - Lady Noname: "mit Deinem Sarkasmus teilste manchmal ganz schön aus"). Übrigens Power, Thorsten Red Bull Themm mit neuer Powerfrisur, Rocker weh, Millimeterarbeit jetzt - das muß ja flitzen - vor lauter Übermut meldet sich der Mann als “De Nordlichter”-Team an - sieht aber aus wie ein Einmannteam. Aber René Wallesch wird die gelbe Fahne zusammen mit Powerschnegge und Christof Otto als Team hochhalten - letztes Jahr, damit wir das nur nicht unnötig vergessen, wurde René mindestens zehn Mal (wenn nicht sogar zwanzig Mal) von Powerschnecke - wie heißt das noch mal? - äh, versägt.
Auf’m Parkplatz steht ein Monsterwohnmobil mit Satellitendish, Hubschrauberlandeplatz, eine Yacht, 10 Fahrrädern und ein Leiterwagen drauf - einer hämmert drinnen gegen die Scheibe - es ist das Sigggimobil - gleich mal inspizieren, wie das so von innen aussieht - super gemütlich, warm, kann man drin aushalten - läßt man die gnädige Frau sich in der Kälte die Sohlen abwetzen und selber noch mal eine oder zwei Runden auf’m Sofa schnarchen, zwischendurch bei Kaffee und Kuchen durchs Fenster winken - oder falls nötig rausbrüllen “nicht so lahm”.
Prinzessin geht wie immer verloren, wird aber wieder gefunden. “Ich habe Dir Handschuhe mitgebracht, haste bestimmt vergessen” - Sie: “Nö, brauch ich nicht”. Diese Frauen aus den deutschen Mittelgebirgen sind schon “Tough Cookies” (äh, schwer zu schluckende Kekse oder so ähnlich) - im Westerwald, wo der Wind pfeift (das reimt sich doch gar nicht - war irgendwie anders der Spruch) ist man schon sehr abgehärtet - gab auch schon 30 Zentimeter Schnee, angeblich - Heizung kennen die nicht, brauchen die nicht, da wird noch im Januar in den Flüssen gebadet. Im Vereinsheim ruft eine Frau quer rüber: “Zieh Dich warm an, erkälte Deine Prostata nicht!” - Er: “Woher willst Du das überhaupt wissen?”- vermutlich nicht aus dem Westerwald.
Start um zehn Uhr im Aggerstadion - wie immer die Schnecken ganz hinten: sechs Wetzlarer in weißen Hemden bilden zwei Teams - da muß der 100 MC gegen halten können, aber gewonnen haben wir nicht, knapp vorbei, Platz 4 von 10. Wetzlar zwo hat Wetzlar eins nicht überholen können, Plätze 8 und 10. Hugh Hunter hat nochmal den Schottenrock rausgeholt und gebärdet sich gar nicht wie ein echter Schotte, sondern hüpft und fröstelt. Hier die Strecke:
Nach 50 Metern raus aus dem Stadion, rechts herum - rechts ein Grünstreifen mit Tischen und Taschen der Treter, links das Vereinsheim mit Duschen und Toiletten - durch das Eingangstor und in die freie Wildnis, nämlich eine Straße außerhalb des Stadion, Stadion rechts, Wald links, man passiert 250 Meter (Strich plus Schildchen jeweils) - rechts auf einen Trampelpfad, zuerst eine Sitzbank, wo 6 Stunden lang die Frau von Kunibert Schmitz (Kumpel vom Isarlauf) ausharrt und versorgt, dahinter gleich der 500 m-Strich - der Pfad schlängelt sich etwas außen am Stadion vorbei zur 750 Meter-Marke, man hört die Musik und den Sprecher, Platz ist für zwei nebeneinander plus einer kann überholen, also kein Problem - jetzt geradeaus auf dem Pfad, man passiert 1000 Meter, das schönste Stück, nämlich zwei drei Meter rasend steil abwärts auf eine asphaltierte Straße (Sackgasse) - hier läuft’s sich am angenehmsten, andere Treter haben andere Lieblingsstellen - geradeaus, links Wiesen, Büsche und Bäume, rechts Häuser, 1250 Meter - rechts herum auf der Straße und leicht, ganz leicht aufwärts für ein paar Hundert Meter, die 1500 und 1750 Meter-Marken, links und rechts Häuser, Parkplätze, doofe Kinder, die dazwischen rennen - “oben” angekommen” an der Ampel oft frenetischer Beifall der Streckenposten, hier rechts rum - die “Taubengasse”, rechts Häuser und links Park, 2000 Meter - der große Parkplatz rechts bei 2250 Meter - endlich rechts rein, hinter dem Vereinsheim rum, durch das Versorgungszelt durch (es gibt genügend von allem - sogar “aufgewärmte” Cola, wer’s mag), auf die Tartarenbahn, 50 Meter bis zu den Chip-Matten, da sitzt eine Aufpasserin (eine Puppe) - voilà die genaue 2.5 km-Runde.
Mit Coach Dromeus eine Pacing-Tabelle ausgeklügelt, Arbeit war umsonst, irgendwie hält sich der Schützling da ungern dran - oder einfach unfähig, wahrscheinlich letzteres. Außerdem muß als erstes der Wetzlarer-Sechser-Pack versägt werden - gleich in der ersten Runde - “they never come back” - so das Wichtigste schon mal erledigt. Hmm, diese Conny von diesem Sigggi hat nach Bottrop bestimmt Revanche geschworen - gleich mal zeigen, wo der Nagel hängt (oder wie das heißt), ach nee der Hammer war’s ja - ah, da vorne, natürlich am ratschen (schwäbisch für schwätza, welches auch schwäbisch ist) - ranpirschen, erst Mal im Windschatten laufen - in der dritten Runde steht oben an der Ampel bereits Sigggi und ahnt Schlimmes, er versucht noch zu warnen: “Vorsicht! diese ungezähmte Kampfschnegge ist schon wieder hinter Dir” - Conny versteht nur Kartoffelsalat mit Bockwurst und rupft die Drähte aus’m Kopf - zu spät, uaaaaaa, Sääääääge. Conny fordert nun zum 24-Stunden-Lauf heraus: “Ich schlag jetzt mal so vor, dass wir uns das nächste Mal auf einer längeren Strecke treffen, das wird mir echt zuviel, wenn Du mich immer so versägst:-)) Was hältst Du von 24 Stunden??” Vorsicht Dauerschnägge hat den Schlurf-Schlapp-Schritt (= laufen-und-schlafen-ohne-sich-zu-bewegen) voll drauf.
Ach übrigens Coach Dromedar: zur gleichen Zeit läuft das Pacing-Genie Jahresbestzeit, nee Lebensbestzeit im Marathon, 1000 kms weiter südlich bei vermutlich so 20 ̊C und Sonne und ... bei solchen Bedingungen kann das jeder - ist die Strecke übrigens richtig abgemessen? *duck nix wie weg* - war ja mal vor 2 Jahren der Biel-Marathon 10 km zu kurz, jeder lief Besteit, nee war nur einskommanochwas zu kurz - aber diese Schweizer, ziemlich ungenaues Völkchen offensichtlich.
Plötzlich fangen alle an zu brettern: gab’s da irgendein Signal? Hugh Hunter hat Hummeln im Hintern (oder Dünnschiß und muß schnellstens die Runde beenden, wo die Toiletten warten) - Frank Berka schwärmt vom FC St. Pauli und von der Niederlage des HSV später am Tag in Rostock (nicht geeignet als Wahrsager: 0:6 für HSV) - Frank, brav im gelben Hemd, kennt auch das Autokennzeichen hier: “SU für Sau unterwegs - äh, Siegburg”- Edgar Kluge vom Isarlauf: “Hey, ich habe Dich am Laufstil wiedererkannt” (äh, das wissen wir schon) - Rainer Pizzamann Wachsmann: “Hallo, hast Du abgenommen?”. Die machen einen kirre, war Powerschnecke denn dermaßen fett? - Ryan Shakal muß kms machen, um im virtuellen Trans-Europa-Lauf noch die Nase vorne zu haben - diese Hektik steckt an und der Schritt wird schneller (alles ist relativ), sogar Prinzessin läßt sich zu Beifall hinreissen - die Chefs von Isarlauf Uli Welzel und Spreelauf Ingo Schulze laufen auch mit, zumindest teilweise - Meister Steppenhahn hat auch zuviel Kraft und Energie (noch) und petzt sogar - kommt einer von hinten und scheucht: “Erst mal diese Schnecke vor uns hier wegjagen - Du bist doch Ultraschnecke, oder? (Ultraschnecke ?????)” - “Woher kennen wir uns?” - “Steppenhahn hat’s verraten. Ich bin auch aus dem Westerurwald, ganz am Anfang” - dass es soviele Läufer dort gibt, ein Faß ohne Boden und zweitens wo ist das Ende des Westerurwalds - Jürgen Hoffmann alias FunRunny schiebt noch Werbung für den 50 km-Lauf in Rengsdorf, WW, am Himmelfahrtstag 2005 nach - kann soviel Westerwald gesund sein?
Das ist der Tag der Frauen, quasi Unmengen davon, 46 von 180 in der Ergebnisliste - die angekündigte Sonja Oberem als Staffelläuferin für einen Spendenlauf ist nicht da, zumindest nirgends gesehen. Staffeln gibt’s auch noch - also ganz schön was los. Musik und passendes Gelaber vom Lautsprecher dazu. Eine Läuferin meint, dass das meiste “Männer-Musik” gewesen sei: “Keep on Running” - “Summer of 69" - “Survivor” - “We are the Champions” - einiges AC/DC. Tja, müssen die Damen sich rühren und n bißchen Udo Jürgens oder Eros Ramazzotti oder Roberto Blanco einstreuen.
Wie läuft Schneggis Pacing? - umm, suboptimal, beim Gang zur Toilette fängt die Polar an zu spinnen und zeigt 150 verschiedene Zahlen auf einmal - aha, Batterie futsch - hey, Coach, super-Ausrede, ist aber wahr. Aber es läuft prima, die Flitzer flitzen nicht mehr jede zweite Runde vorbei, Freunde und Freundinnen fangen an zu gehen (“na, geht’s nicht mehr”) oder im Verpflegungszelt oder sonst wo rumzulungern - das ist das gleichzeitig Angenehme und “Gefährliche” bei 6-Stunden-Läufen: man kann’s gemütlich nehmen, die Zeit geht ja von selber zu Ende. Medizinmännermäßig scheint nix vorgefallen zu sein - es fährt zwar ein Krankenwagen kreuz und quer durch die Gegend, aber anscheinend nicht in Action - es liegt auch niemand irgendwo am Weg oder auf’m Weg.
60 km vor dem Ende geschafft - wieviele Minuten bleiben noch? - Mistuhr ist defekt, lohnt sich noch ein Endspurt? klar, immer, eine neue Bestleistung im sechsten 6-Stunden-Lauf in 2004 wäre doch eine feine Sache zum Jahresende, also noch mal Gas geben - das Suchen der Jacke aus der Tasche am Wegrand kostet die Zeit, um die schlappen 60 Meter zum nächsten km noch voll zu machen, rettet aber vor der ätzenden Kälte bis die Rädchen-Männer angewieselt kommen - woa, echt kalt geworden und noch fast einen km zurückwatscheln - zum Glück gibt’s kalte Duschen und warme Duschen, jeder wie er mag - die Schwaikheim-Bande sind alles Warmduscher, aber schnelle Treter, dieser René Strotz-vor-Kraft-Mann, das Höschele undsoweiter (immerhin erster Platz Mannschaft mit 73 bis 75 kms).
Georg bereit-für-alles Weiss, ein Dauerüberholer immer mit nem neuen Bonmot parat, meint: “Du machst einen ungewohnt ambitionierten Eindruck: Betonung mehr auf Power...also weg vom Genußläufer?”. Hey, Mann, das ist hier härteste Arbeit, muß man sich die ganze Woche davon erholen, zum Glück - er fordert zum Abschied noch einen baldigen und hoffentlich lustigen Bericht, wo er drin vorkommt - ecco qua, hier ist er, aber nix lustig, wir sind Schwaben, da wird nicht gelacht, da macht man mit der Beißzange die Lippen beim Witzeerzählen auseinander.
Fazit: diese 6-Stunden-Läufe sind prima und der in Troisdorf ist extraprima, quasi primissima, Note 1 - mehr braucht man nicht sagen.
Eine schwäbische Freundin (ja solche gibt’s auch, nämlich in Schwaben) meinte neulich: “Es ist mir ein Rätsel, wie Du jedes Wochenende Deine Maras wegsteckst!!! Männner!”. Charmanteste aller möglichen Antworten: “Wir haben aber auch nicht so viel Streß wie die Frauen, die die Männer ertragen müssen - wir müssen nur laufen”. Neues Alias statt Powerschnecke, der Zickerich? nicht so der totale Hit - vielleicht gibt’s noch was Besseres?
Apropos zickig: neulich sassen drei Männer (verschiedene Grade von Marathon-Besessenheit von subklinisch okkult bis klinisch massiv zu florides Endstadium) mit ihren Frauen (letztere normal, so äußerlich zumindest, und nicht Läuferinnen) zusammen: nix als Gequatsche über Laufen, Marathon, da 4:10 und hier einen neuen Asics und dort nen 5er Schnitt - die Damen guggten nach ner Weile ganz schön gelangweiligt oder bissig oder zickig oder einfach ich-ergeb-mich-in-mein-Schicksal-konnte-ich-nix-Besseres-als-den-da-finden? als das Thema dann nach Stunden zum Fußball wechselte .....
Kurz vor Redaktionsschluß (also einschlafen) kommt noch die neue Idee von Zebra: “Sprintschnecke” - fast genial.
Grüzi - bis denne
Schneggi
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