Vöhl - Edersee-Marathon am 29. August 2004 - "Powerschnecke am Edersee"

Montag, 30. August 2004


Der Edersee liegt in Hessen, neben Bad Arolsen. Man kann Ultras laufen (50 oder 60 km oder als Staffel 6 x 10 km) oder die Kurzstrecke, nämlich den Marathon. Superkluge Burschen wie Coach Dromeus würden von vorneherein sagen: “Hey, nur ein Trainingsmarathon”. Aber Dromeus meinte nur, so kurz vor dem Spreelauf: “Du hast wie alle 100 MC Fuzzis eine an der Waffel!”. Wenn man die Fieberkurve des Streckenprofils anguggt, dann denkt man: “Na ja, soviel kann das ja wohl an Höhenmetern nicht sein” - sind es auch nicht - aber pausenlos rauf und runter ist manchmal gemeiner als einmal zack hoch und drüber wieder runter.

Diese “kleinen” Marathonveranstaltungen in Kuhnestern mit einigen Hundert Hanseln sind doch immer wieder eine Wohltat: kein Streß, keine Hektik, alle Feuerwehrleute und Polizisten und die Mutti von jedem Läufer aus der Gegend scheinen mitzumachen - und die Preise stimmen: 23 Euro mit 5 Euros Nachmeldegebühr ist doch okay, oder? Dafür noch ein schwarzes T-Shirt mit ganz dezent aufgebrachten Design des Edersee-Supermarathons in Herzhöhe - steht auch nirgends Karstadt oder Real oder Sparkasse oder so Kram drauf - Klasse T-Shirt - und die trauen einem: erhältlich vor dem Lauf, und (jetzt kommts) sogar ohne Abhaken der Startnummer. An bekannten Gesichtern ist nur die Visage von GrüneHandschuhe-Teamchef Helmut Braun zu erblicken, er macht aber den 60er.

Das ganze Gerenne started in dem Miniort Vöhl und endet auch dort, einmal um den See rum - außer für die Marathonner. Da Constanze Wagner gesichtet wurde (und den 60er auch gewonnen hat), wird es sicherlich eine schöne Streckenbeschreibung mit tollen Fotos auf www.Laufreport.de geben. Also die Maras werden mit zwei Bussen um acht Uhr schon vorausgefahren, Start für alle um neun Uhr gleichzeitig. Unsere Busfahrerin hat die Ruhe weg und startet glatte 15 Minuten nach dem ersten Bus - macht nichts, um 8:30 Uhr sind wir alle auf einem Parkplatz versammelt. Es scheinen nicht mal 100 Maras zu sein. Ein Nebenmann erzählt vom letzten Anstieg, so drei kms lang, “hundsgemein” - gut zu wissen, also Kraft aufsparen.

Pistolenschuß um 9 Uhr. Da es tagelang geregnet hat und jetzt die Sonne rauskommt, ist es schwül wie die Sau. Wenn einem nach 1 km schon der Schweiß auf Stirn und Rücken steht und es nach km 2 von der Birne und den Armen wegspritzt, dann ist es wirklich schwül. Also erstmal alle davonzockeln lassen und ganz hinten anstellen, folglich letzter Mann nach 100 Metern. Es geht gleich etwas den Hügel hoch, aber nur piano. Ein Mara-Treter in so etwas wie Schlafanzughosen geht schon - na, der wird doch wohl nicht den letzten Platz beanspruchen. Erst mal pinkeln und so die Stellung als Letzter halten.

Knapp nach km 1 dann ein Wendepunkt und wieder zurück zum Parkplatz, wo man eine weiße Linie überquert: “noch 40 km” - diese Schleife muß dann wohl 2,195 km gewesen sein - jetzt sind wir auf der Ultrastrecke. Man zählt jetzt runter; es kommen dann Markierungen für “noch 35 km” - “noch 30 km” - “noch 25 km” (die meisten können sich den Rest ausrechnen) - die Halbmarathonmarke fehlt, dafür die letzten fünf mit “noch 5", “noch 4" etc. Zur Verwirrung werden die ersten kms des Marathons noch einzeln bis 5 angegeben: 1, 2, 3, 4, 5 - alles klar, oder noch ne Zeichnung machen?

Also zu Beginn die rote Laterne in fester 100 MC-Hand. Bei km 2 fangen Schlafanzugmann und ein “Toni der Marathoni” (T-Shirt Aufdruck) wieder an zu marschieren - richtig, es geht aufwärts. Widerwillig muß der letzte Platz aufgegeben werden - und man glaube es oder auch nicht: Powerschnegge wird bis ins Ziel nicht mehr überholt, von keinem aus der Mara-Bande wenigstens - ist echt wahr - glaubt wieder keiner. Im November 2002 in Humfeld (Regen wie immer) hatte Lehrmeister Il Capo den folgenden Rat gegeben, als er wie der geölte gelbe Kugelblitz gegen Ziel ratterte: “Immer die Überholten ansprechen, dann sind sie hinterher nicht sauer”. Tja, aber circa die Hälfte reagiert überhaupt nicht, weder muh noch mäh noch sonstwas auf das “Hallo” oder das “nur noch 93 km” oder das “geht nicht mehr?” (bei Gehenden) - vielleicht mal probieren mit “los Du lahmes Ei” oder “bring Deinen fetten Hintern in Bewegung” oder “na, wieder nicht trainiert, fauler Sack!”.

Das ständige mal milde, mal nicht so milde auf-und-ab lässt Gedanken an bestimmte Zielzeiten gleich als abartige Illusionen verfliegen. Dafür gibts jede Menge Cola - neben Wasser, irgendein gelbes Zeug, Malzbier, Zitronentee und jede Menge Fressalien - und ziemlich viele Stationen auch noch - also kein Gemecker hier. Meckern könnte man über die langen Teilstrecken auf der Landstraße, mit Autoverkehr, welcher sich aber in Grenzen hält - irgendwo steht, dass die Hälfte der Strecke über Feld- und Wanderwege führe - sicher nicht beim Marathon, vielleicht beim 60er. Die Teile durch die Wälder und am See entlang sind echt super. Den See immer zur Rechten im Blick halten - wenn er links auftaucht, äh äh äh, dann stimmt was nicht.

Bei “noch 10 km” gibts einen extragroßen Stand, weil dort auch Staffelübergabe ist - beim Wegtraben vom Stand, noch mit zwei Bechern Cola und einem Becher Wasser jonglierend, rauscht links ein Bullenmotorrad vorbei und rechts brettert ein 2-Meter-Mann im Sprinttempo durch - aha, die führende 60er-Staffel mit dem Schlußheini - nun dieses Tempo wird er sich auf den nächsten kms, wos noch mehrmals saftig hochgeht, bald abgewöhnen.

Das Sahnestück ist dann der Schlußspurt den Berg hinauf (alle gehen hier, außer natürlich die verrückte Nudel aus BS, deshalb wurden noch 5 Stück massakriert - im übertragenen Sinn natürlich, sonst kommt noch jemand auf die Idee “ah da gibts einen neuen Massenmörderer, mal der Bild-Zeitung einen kleinen Tipp geben): ab km 39 oder so für mindestens 2 kms also granatenmäßig aufwärts - äh, pfui, *Zeigefinger-an-Stirn* - “noch 1 km” erscheint dann quasi am Gipfel und mit Beginn des Ortes Vöhl - pfuh, *Zunge rausstreck* (aber bis zum Knie) - jetzt noch 500 Meter geradeaus (und natürlich zum Schluß noch leicht hoch, wie könnte es anders sein?) - und dann auf die Bahn im Vöhler Stadion.

Stadionrunde als Endstück ist immer Klasse. Die Leute hier machens noch extra prima, indem jemand beim Hopsen auf die Bahn die Startnummer per Mikrophon und Lautsprecheranlange durchsagt - der Typ im Ziel, also ca. 300 Meter weiter greift den Ball auf und liest den passenden Namen zur Startnummer laut vor: “und jetzt kommt mit der Nummer Dingsbums der Hugo Immerarmauskugler vom Lauftreff KrampfadernundWabbelbäuche”. So können zwangsverpflichtete Beifallsklatscher und im-Ziel-auf-Schatzi-Wartende sich noch schnell vom Sonntagsflirt am Wurst- und Bierstand losreißen und zur Ziellinie wetzen - hier empfängt der Zielfritze nochmals jeden Reinkommenden mit Namen und Club und Schuhgröße der Großmutter - ist doch ne tolle Sache für uns 0815-Bürger mit Namen und allen Vorstrafen per Stadionsprecher begrüßt zu werden.

Fazit: eindrucksvoller Lauf - aber lieber gemütlich als auf Zeit rennen - manchmal sieht man schon eine Viertelstunde lang oder länger niemanden vor sich (oder hinter sich), da es zu wenige Maras sind und die Ultras erst später reinkommen, die einzigen Flitzer sind die Staffelkanonen, aber auch nur drei oder vier - Zuschauer und Klatscher gibts wenige bis eher gar keine - übrigens die Strecke ist bestens markiert mit weißer Farbe aufm Boden und Schildern an Bäumen, Stangen usw. - also empfehlenswert.

Sodale (schwäbisch) - jetzt gehts nach Bärlin.
Grüzi
Powerschneggi


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